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Haus Doorn

Das Exil des letzten deutschen Kaisers soll seine Pforten schließen

05.11.2012 | 16:48 Uhr
Das Exil des letzten deutschen Kaisers soll seine Pforten schließen
Haus Doorn bei Utrecht, Exil des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II., muss Anfang 2013 für Besucher schließen.

Utrecht.   Haus Doorn bei Utrecht muss Anfang 2013 seine Pforten für die Öffentlichkeit schließen. Denn der niederländische Kulturrat will die Zuschüsse für das Reichsmuseum kürzen. So kann das Anwesen in Zukunft noch erhalten werden, aber nicht mehr als Museum dienen. Haus Doorn war das Exil des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II..

Das Exil des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II., Haus Doorn bei Utrecht, muss Anfang 2013 dicht machen. Der niederländische Kulturrat hat endgültig beschlossen, die Zuschüsse für das Reichsmuseum von bisher 441.000 auf 216.900 Euro im Jahr zu kürzen. Damit verbunden ist der Auftrag, das Anwesen zu erhalten und zu bewahren. Aber: „Es wird nicht mehr der Öffentlichkeit zugänglich gemacht“, bedauert der Direktor Eymert-Jan Goossens.

Gegen die Entscheidung des niederländischen Kulturrats regt sich inzwischen internationaler Protest: „Es wäre ein unvorstellbarer Verlust, wenn dieses Haus und der besondere Lebensstil auseinanderfallen und verschwinden würden“, betont der niederländische Schriftsteller Geert Mak. Der australische Historiker Christopher Clark, Verfasser eines mehrfach ausgezeichneten „Preußen“-Bestsellers und einer Wilhelm-Biographie, urteilt: „Haus Doorn ist ein Ort, dessen Bedeutung weit über die Niederlande und die Geschichte ihres Verhältnisses zu Deutschland hinausgeht.“

Dort hat der letzte deutsche Kaiser, Wilhelm II., den Herbst seines Lebens verbracht. Nach seiner Abdankung im November 1918 bis zu seinem Tod 1941 hielt der preußische Monarch auf dem 35 Hektar großen Anwesen bei Utrecht Hof. Das Museum lockt jährlich 25.000 Interessierte an, davon rund zehn Prozent aus Deutschland. Acht hauptamtliche und über 100 freiwillige Mitarbeiter kümmern sich um das Museum, das einen guten Einblick in das Alltagsleben des gestürzten Monarchen bietet. 59 Eisenbahnwaggons mit persönlichen Besitztümern hatte Wilhelm nach dem Krieg aus Berlin und Potsdam nach Doorn schaffen lassen, darunter viele einzigartige Stücke. „Das Friedrich-Zimmer zum Beispiel stammt aus dem Berliner Stadtschloss“, so Goossens. Damit dürfte es das einzige intakte Überbleibsel des Residenz sein, um deren Wiederaufbau man sich derzeit bemüht.

„Wie die Hottentotten“

Zunächst fand der gestürzte Kaiser in der Nachbarschaft bei einem befreundeten Grafen auf Schloss Amerongen Unterschlupf, dann erwarb er 1919 das Schloss von Baronesse Heemstra de Beaufort, der Tante Audrey Hepburns, und ließ es bis 1920 herrichten. Trotzdem war es ihm nicht gut genug. „Wir leben hier wie die Hottentotten“, beklagte der gestürzte Monarch in Anlehnung an schwarze Stämme in Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia). Bizarr angesichts der Mengen an Tafelsilber, die der Monarch zu den Mahlzeiten auftischen ließ.

Auch Kronprinzessin Juliana besuchte den greisen Monarchen.

Wilhelm versammelte auf Haus Doorn Gelehrte zu kulturhistorischen Studien um sich („Doorner Arbeitskreis“), verfasste seine Memoiren, las zahlreiche Bücher, führte jeden Morgen umfangreiche meteorologische Messungen durch und fällte Bäume. Angeblich mehrere tausend Exemplare während seines 21-jährigen Aufenthaltes auf Haus Doorn. „Meistens ließ er sie fällen. Wegen einer angeborenen Lähmung des linken Arms war er selbst gar nicht in der Lage, das Beil anzulegen“, weiß Gossens. Die zahlreichen Fotos, die Wilhelm davon erstellen ließ, hatten einen propagandistischen Hintergrund: „Damit wollte er seinen Anhängern im Reich demonstrieren, dass er tatkräftig und rüstig genug sei, um auf den Thron zurückzukehren.“

Doch das Fällen hatte negativen Seiten: Häufiger schlichen sich Fotoreporter an das Schloss heran, um Aufnahmen vom prominenten Asylanten zu machen. Als sich der Kaiser darüber beschwerte, antwortete ihm sein Flügeladjutant Sigurd von Ilsemann kühl: „Selbst Schuld, Majestät, Sie haben doch selbst die ganzen Bäume, die ihnen Sichtschutz gegeben hätten, abgeholzt.“ Nur 15 mal 15 Kilometer Bewegungsspielraum hatte Königin Wilhelmina ihrem Verwandten aus Berlin eingeräumt. Zur Kontrolle und zur eigenen Sicherheit. Die Sieger des Ersten Weltkriegs verlangten die Auslieferung Wilhelms . „Speziell in Frankreich gab es Kreise, die den Kaiser umbringen lassen wollten“, erklärt Goossens.

Während Kronprinz Wilhelm und seine zweite Frau Hermin zeitweise die Nähe zu den Nazis suchten, sogar zweimal einen Besuch Hermann Görings auf Haus Doorn arrangierten, blieb Wilhelm stets auf Distanz zu den braunen Machthabern, verurteilte unter anderem die Pogrome der Reichskristallnacht scharf. Nur ein einziges Mal ließ sich der greise Kaiser zu einer demonstrativen Geste hinreißen. Er beglückwünschte 1940 Hitler telegrafisch zum erfolgreichen Frankreich-Feldzug.

Mausoleum im Park

Direktor Eymert-Jan Goossens.Foto: Peters

„Wir müssen Wilhelm in einem differenzierten Licht sehen“, sagt Goossens mit Blick auf neue Studien, „Er war mit Sicherheit nicht das ‘Biest von Berlin’, das die Alliierten aus ihm gemacht haben, aber gewiss nicht unschuldig am Ausbruch des I. Weltkriegs.“

Was auch immer mit Haus Doorn, das der Niederländische Staat übrigens wie alle Güter in deutschem Besitz nach dem Zweiten Weltkrieg enteignete, künftig geschehen mag: Die sterblichen Überreste von Wilhelm II. werden wohl auf ewig in dem selbst entworfenen Mausoleum im Park bleiben. Der Kaiser hatte testamentarisch verfügt, dass sein Sarg erst dann wieder nach Deutschland überführt werden dürfe, wenn in Deutschland wieder ein Monarch herrscht: „Da werden wir Niederländer wohl noch lange auf den Knochen sitzen bleiben“, schmunzelt Goossens.

Anfahrt: Haus Doorn ist in circa 90 Minuten mit dem Auto von Duisburg aus zu erreichen. Auf der A 3 Richtung Arnheim fahren, in den Niederlanden weiter auf der A 12 Richtung Utrecht. Ausfahrt Maarsbergen wählen, im Kreisverkehr Richtung Leersum fahren, dann rechts weiter nach Doorn. An der ersten Ampel in Doorn links fahren. Der Parkplatz befindet sich nach 100 Metern rechts.
 

Das Museum ist in der Wintersaison (noch) mittwochs, samstags und sonntags von 13 bis 17 Uhr geöffnet.
Eintrittspreise: Kinder bis 6 Jahre: frei, Kinder 7 bis 18 Jahre: € 4.50. Erwachsene: € 9.00, Gruppenpreise ab 20 Personen: €7.50 pro Person. Internet: www.huisdoorn.nl

Markus Peters



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