Das blanke Vergnügen

Am Niederrhein..  Wer gerne auf freiem Fuß lebt, der ist in Emmerich-Elten und Moers-Repelen richtig. Hier liegt Besuchern die niederrheinische Welt zu Füßen, wie sonst nirgendwo in der Region. Auf zwei Barfußpfaden können Spaziergänger ganz ohne G-e-h-walt, aber mit viel G-e-h-fühl unterwegs sein. Zwei Gehversuche.

Eiskaltes Vergnügen

Brrr! Der Beginn des Barfußpfades ist zwar kein Sprung ins kalte Wasser, aber ein paar Schritte sind es doch. Zwischen zwei Holzgeländern liegen rund 20 Meter Ton. Wenn es geregnet hat, so wie in den vergangenen Tagen, ist es an dieser Stelle dunkel und feucht.

Schlamm drüber und los. Ein erster vorsichtiger Schritt in die braune Brühe. Lauwarme Erde quillt durch die Zehenspitzen, langsam versinken die Füße im Matsch. Schritt für Schritt, wie auf Saugnäpfen, geht es durch den Morast. Ungewohnt, irgendwie auch lustig.

Der Wellness-Weg, den die Sportsfreunde vom TV Elten angelegt haben, ist rund zwei Kilometer lang, es gibt 20 Bahnen, die man tippeln und tapsen, schlurfen und schleichen, oder einfach beinhart laufen kann. Es geht über Beton und Mulch, Gras und Holz, Split und Kies. Dabei kitzelt und juckt, kribbelt und pikst, kratzt und sticht es. Das blanke Vergnügen!

Die Runde fängt auf der großen Wiese am Trimmplatz, unterhalb des Sendemastes, an. Nach dem schlammigen Einstieg geht es über Waschbetonplatten weiter, dann führt der Weg links ab in den Wald hinein. Nun beginnt das Abenteuer auf zwei Beinen wirklich. Wer sich bis hierher getraut hat, für den gibt es kein Zurück mehr.

Wer ungeübt ist, aber zügig marschiert, und keine der Bänke zum Verschnaufen und Verweilen nutzt, braucht keine Stunde. Ein knallroter Fuß weist den Weg über den Barfußpfad. Ein Ausflug, der für die ganze Familie geeignet ist.

Der aber nichts für Warmduscher ist: Wer mag, kann zum Schluss in das Kneipp-Becken treten. Dabei soll man wie ein Storch durchs Wasser stapfen. Das sieht natürlich bescheuert aus, aber regt es den Kreislauf an und fördert die Durchblutung. Brrr!

Kleiner Kick

In Repelen gab es zunächst bloß die Emanuel- und die Felkestraße, doch Christa und Friedhelm Wittfeld sorgten dafür, einen Felke-Brunnen aufzustellen, mitten im Dorfkern, gegenüber der früheren Arztpraxis. Später dann kam im Jungbornpark das kleine Museum in der Holzhütte und der Barfußpfad hinzu. Wer hier über Holzbalken, Rindenmulch und Pflastersteine wandelt, kann der Philosophie des Pastors buchstäblich nachgehen. Ausprobieren!

Und nicht daran denken, dass Emanuel Felke 16 Mal vor Gericht stand, jedes Mal angeklagt wegen Kurpfuscherei, aber immer frei gesprochen. Die Heilmethoden des Lehmpastors mögen umstritten gewesen sein, der Barfußpfad in seinem Sinne ist bestimmt nicht ungesund – und macht Spaß.

Tipp: Bloß nicht alleine gehen. Und unbedingt über Glas laufen. Ja doch. Damit haben schon Fußballtrainer ihre Mannschaften motivieren wollen. Ein kleiner Kick, ein einschneidendes Erlebnis, danach läuft sich der kantige Kieselweg wie von selbst. Herrlich.