Cadzand will sich neu erfinden

Typisch für Cadzand-Bad:Der lange Strand mit seinen Pavillons und den kleinen weißen Hütten mit bunten Türen
Typisch für Cadzand-Bad:Der lange Strand mit seinen Pavillons und den kleinen weißen Hütten mit bunten Türen
Foto: Zulfo

Cadzand..  Der gemütliche Familienbadeort ist in Aufbruchsstimmung. Bald soll hier alles ganz anders aussehen: neue Flaniermeilen, Boulevards, ein Yachthafen. Schon jetzt reckt sich hier und da ein Baugerüst in den blauen Himmel, ziemlich große neue Ferienhaussiedlungen sind schon fertig. Jedes Häuschen liegt an einem Kanal, ein Piratenschiff als Abenteuerspielplatz dazwischen. Gesunde Luft, der denkbar größte Sandkasten der Welt – so geht Urlaub an der Nordsee. Wenn die Kinder klein sind. Ein Supermarkt in der Nähe, abends im Ferienhaus Nudeln kochen, fertig.

Aber was will das Rentnerpaar hier? Sie steigen aus dem umweltfreundlichen Elektro-Golfcar – nach E-bikes gerade der letzte Schrei für Dünen-Cruiser - und schleppen Metallsuchgeräte, große Siebe und Schaufeln mit an den Strand. Schatzsucher! Aber häufiger als verlorene Goldkettchen und Flaschenpost kann man in Cadzand auf archäologische Fundstücke stoßen: Haifischzähne! Aus dem Neogen. Oder noch ein paar Millionen Jahre älter? Durch den Strom der Westerschelde werden auf dem Meeresboden vor der Küste Schichten abgetragen, die Fossilien wie Haizähne oder Rochenzähne oder Wirbel von Urzeitwalen enthalten. Die Haifischzähne sind das Wahrzeichen von Cadzand-Bad. Man kann sie auch aus Schokolade nachgebildet als Souvenir kaufen.

Cadzand-Dorp ist der ursprüngliche Ort, da wohnen die Einheimischen, das ist der historische Ortskern. Nur wenige Kreisverkehre und Verkehrsberuhigungs-Drempel entfernt liegt Cadzand-Bad, der lange Strand mit seinen Pavillons und den kleinen weißen Hütten mit bunten Türen. Das ausgedehnte Naturschutzgebiet, das bis nach Belgien reicht. An der Promenade 70er Jahre-Architektur. Beton-Terrassen, Brutalismus. Das war mal modern, muss jetzt bald zeitgemäß umgestaltet werden.

Mondän war Cadzand-Bad nie. Kein Nachtleben, keine Bars, nicht mal ein Kino. Das soll auch so bleiben – hier sind Ruhesuchende willkommen. Jetzt ist Cadzand-Bad ja mit einem weitere „Bad“ geadelt worden: Bad Cadzand-Bad ist ein anerkanntes Heilbad, ein Kurort. Für die Gesundheitsbewussten gibt es dann auch komfortable Hotels: tagsüber Thalasso-Therapie und Barfußwandern, abends aber lieber ins Sterne-Restaurant als selbstgekochte Nudeln essen.

Bleibt nur eine (notorisch nörgelnde) Zielgruppe: die Teenager-Kinder. Zu groß, um im Sand zu buddeln, zu jung, um ohne Eltern Urlaub zu machen. Wer den 10 – 18 jährigen kein Abendprogramm bietet, muss sie einfach tagsüber hundemüde machen. Das funktioniert am besten mit Trendsport: Kite-Surfing! Also wie Windsurfen nur statt Segel hat man einen Lenkdrachen über sich – das braucht Mut und kräftige Arme. Die Anfänger üben an Land mit einem Kite – der bunte Lenkdrachen hat eine Trapezstange zum Lenken und man kann sich mit ganzem Gewicht reinhängen. „Jetzt Achten lenken!“ Hart am Wind – zack, abgestürzt, deswegen der Helm. Nächster Versuch…

Jeden Tag eine andere Funsport-Art ausprobieren geht auch: Stehpaddeln, in Roll-Karts am Strand segeln, Katamaran oder Kanu fahren? Wer festen Boden unter den Füßen liegt, ist vielleicht mit Beachvolleyball besser bedient… und wer sich nicht vor lebenden Würmern gruselt, kann sich im Brandungs-Angeln versuchen. Schon für Achtjährige gibt es passende Angeln und die Erfolge des neuen Hobbies können abends im Garten des Ferienhäuschens gegrillt werden. Denn es muss ja nicht immer Nudeln geben!

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