Bunt fürs Leben
02.02.2012 | 17:01 Uhr 2012-02-02T17:01:00+0100
Kleve. Profisurfer Peter Garzke koordiniert das Sportangebot für Studenten der Hochschule Rhein-Waal - und bereist sonst die Welt
Peter Garzke passt nicht nach Kleve. An Januartagen schon gar nicht. Der Mann mit sonnengegerbtem Gesicht, tarnfarbener Militärjacke und saulässiger Wollmütze über den hellen, langen Haaren wirkt in der Stadt an der niederländischen Grenze wie ein Naturforscher, der an einem unwirtlichen Ort nach seltenen Pflanzen sucht. Das konservativ geprägte Kleve ist aber seine Heimat, und außerdem ist von hier aus die Nordsee nicht weit. Peter Garzke ist Profi-Surfer und deshalb am Ende des Tages ein ziemlich windiger Typ.
Der 43-Jährige hat in Kleve aber auch eine berufliche Verpflichtung. Garzke koordiniert seit dem Sommersemester 2011 das Sportangebot für die Studenten der Hochschule Rhein-Waal und gibt Kurse an den Standorten Kleve, Kamp-Lintfort und Emmerich.
„Das ist eine reizvolle Aufgabe“
„Das ist eine reizvolle Aufgabe“, sagt der Blondschopf, der Ende des vorigen Jahrtausends in Köln seinen Diplomsportlehrer machte und damit jegliches Rüstzeug mitbringt. „Ich muss auch zugeben, dass es mir vor knapp einem Jahr finanziell sehr gelegen kam.“ Als Profisurfer sei man ständig auf Sponsorensuche. „Und auch diese potenziellen Geldgeber“, so Garzke, „spüren die schwierige wirtschaftliche Lage.“
Garzke hat früher oft an Wettkämpfen teilgenommen, was er zum Teil heute noch tut, gehört zu den besten deutschen Surfern, sammelte in den Wellen schon viele vordere Weltcup-Platzierungen. Mittlerweile steht jedoch die Garzke-Ich-AG auf mehreren Säulen. Neben dem Surfen und ständiger Sponsorenakquise schießt der Klever Fotos für Trendsport-Magazine und Firmenkataloge und produziert zudem Imagefilme für Unternehmen.
Peter Garzke ist ein Ein-Mann-Zirkus, der sein Zelt irgendwo aufschlägt, dort für eine Weile für die Menschen die Welle macht und dann irgendwann das Zelt wieder abreißt. Ein Ein-Mann-Wanderzirkus. Wäre es strafbar, ein bunter Hund zu sein, bekäme Peter Garzke lebenslänglich.
Jetzt die Uni. Das Angebot der Hochschule richtet sich an Freiwillige, es gibt keine Prüfungen oder Scheine. „Und es bietet vor allem die Möglichkeit, vom geistigen Drill runter zu kommen“, sagt Garzke, der zusammen mit seinem Fitnesstrainer Marcel Ernst rund 50 zukünftige Akademiker auf Trab hält. „Im nächsten Semester werden das aufgrund der steigenden Studentenzahlen sicher noch viel mehr“, glaubt der Surfer und Dozent.
Das Sportprogramm enthält Volleyball, Badminton, Laufkurse, Wasserski, natürlich Windsurfen und Stand up-Paddling sowie demnächst Mountainbike. Die Studenten treffen sich dazu in den Sporthallen in Kleve und Kamp-Lintfort, auf der Xantener Südsee oder - wenn es einmal einen „Workshop Snowboard“ gibt - in der Skihalle in Bottrop. „Die Termine sind oft abends, in der Regel zwischen 20 bis 23 Uhr“, sagt der Wellenreiter. „Das ist wunderbar, da kann ich mich tagsüber um andere Dinge kümmern.“
Garzke kommt bei der Studentenschaft super an, und auch seine Kollegen sind begeistert. „Er kennt die sportliche Umgebung und hat die Erfahrung und die Kontakte, von denen wir profitieren“, sagt Dr. Stefan Weber, offizieller Hochschulsportbeauftragter und Garzkes Vorgesetzter.
Erst Spoykanal, dann Hawaii
Weil die Hochschüler im Prüfungsstress stecken und deshalb keine Muße für Sport besitzen, hat Peter Garzke jetzt Zeit für den Rest der Welt. Südafrika etwa. Dort ist er immer im Winter, „dort tauche ich in eine andere Welt ein“, erzählt der Klever. Im Land am Kap wird er nun ein paar Wochen auf den Wellen reiten, Fotos für seine Magazinpräsentationen machen, Freunde treffen, und, und, und.... Und in den Sommerferien geht’s - wie immer - nach Hawaii.
Zwischendurch aber wird Garzke mit seinen Studenten weiter Sport treiben und vielleicht die ein oder andere spektakuläre Aktion starten. Am 3. Juni etwa, wenn der 2. Klever Triathlon steigt. Garzke plant, eine Sprungschanze auf dem Spoykanal am Fuße des Hochschulneubaus errichten zu lassen, um dann - im Rahmenprogramm der Veranstaltung - mit einem Windsurfboard inklusive Segel darüber springen. „Wie wir das genau hinkriegen, weiß ich aber noch nicht“, sagt er.
Fakt ist: Peter Garzke wird an diesem Tag im Juni Kleve ein bisschen bunter machen.
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