Erklärtes Ziel: Bahn-Pläne zu kippen
11.03.2009 | 09:45 Uhr 2009-03-11T09:45:00+0100
Initiativkreis Kleve/Wesel „Betuwe Neu – A3” schwor sich gestern am Bahnhof Millingen darauf ein, Widerstand zu leisten.
Die Bürger sagen klar „Nein” zu den aktuellen Betuwe-Plänen der Bahn AG. Gestern versammelten sich mehr als 70 Anrainer der Betuwe von Hüthum bis Wesel am Bahnhof in Millingen, weil sie Lärmbelästigung, mangelnde Sicherheit und vor allem Zerschneidung ihrer Ortschaften nicht hinnehmen wollen. „Unsere zentrale Forderung lautet: Raus mit der Trasse aus den Ortskernen”, sagte Wolfgang Reich klipp und klar. Der Name, den sich die neue ortsübergreifende Initiativgruppe gegeben hat – nämlich Kleve/Wesel „Betuwe Neu – A3” – sagt klar, wo die Trasse lang gehen soll: entlang der A 3.
Wir müssen zurück
in die Vergangenheit
„Wir müssen zurück in die Vergangenheit, zurück in das Jahr 1999 zu dem Spiekermann-Gutachten”, sagte Professor Dr. Klaus Haerten. Der Mediziner aus Wesel hatte sich spontan bereit erklärt, die Erschienenen mit einer kurzen Rede darauf einzuschwören, Widerstand zu leisten. „Es ist noch nicht zu spät, wie das Beispiel Niederlande belegt”, sagte Reich. „Aber wir müssen und beeilen. Die Zeit drängt, die Planfeststellung (Genehmigung) soll bereits im Herbst erfolgen”, warnte Haerten.
Er gab seiner Verwunderung darüber Ausdruck, dass kaum Widerstand aus den Rathäusern gekommen sei. „Dabei müssen die Kommunen laut Eisenbahnkreuzungsgesetz ein Drittel der Kosten tragen”, erinnerte er. Bei den 55 Übergängen zwischen Elten und Oberhausen sei das eine Stange Geld. „Und das ist ganz sicher weit mehr als eine Neubaustrecke entlang der A3 kosten würde”, sagte er. Außerdem müssten die Anrainer mit einer Dauerbaustelle von mindestens zehn Jahren rechnen. „Mit allen damit verbundenen Nachteilen”, warnte er.
Die Politiker hätten gerade eine wenig aussagekräftige Resolution in Frankfurt abgegeben, kritisierte Haerten mit Blick auf die Übergabe an den Vorstand der DB Netz AG. Besonders geärgert habe ihn die Bahn-Haltung, die dem internationelen Güterverkehr Vorrang einräume. „Da weiß man doch, wohin die Reise gehen soll, gegen den Personennahverkehr”, so Haerten.
„Liegt die Trasse an der A3 und es passiert etwas, kann man die Autobahn für die Rettungkräfte sperren. Hier kostet das erst einmal Opfer”, so Ingeburg Müller aus Mehrhoog.
In Millingen beschloss die Initiativgruppe, sich regelmäßig zu treffen. Am 19. März, 19 Uhr, will sich die Gruppe bei Slüter in Vrasselt über Gefahrguttransporte und Sicherheitslücken informieren.
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