Das DerWesten-Spezial zur Betuwe-Linie
16.02.2010 | 14:46 Uhr 2010-02-16T14:46:00+0100
Am Niederrhein. Die Betuwelinie soll Rotterdam an das Ruhrgebiet und Süddeutschland anbinden. Auf niederländischer Seite wurde die Güterfernstrecke 2007 in Betrieb genommen. Der Ausbau der Strecke zwischen Emmerich und Oberhausen stockt allerdings seit 1992. Der Bau des 3. Gleises erfordert den aufwendigen Bau von Unterführungen und Lärmschutz für Anwohner. Für diesen und für mehr Sicherheit entlang der Strecke kämpfen mehrere Protestinitiativen.
Die Eisenbahnstrecke Betuwe ist Teil des Aktionsplans transeuropäischer Netze (TEN): Diesen verabschiedete die Europäische Kommission 1990 zur Förderung eines barrierefreien Binnenmarktes für Energie-, Telekommunikationsnetze und für transeuropäische Verkehrsnetze (TEN-V). Rechtskräftig wurden diese Infrastrukturpläne 1993 durch den Vertrag von Maastricht.
Neubau an der niederländischen Autobahn
Die TEN-V sollen also einerseits die Infrastruktur im europäischen Binnenmarkt verstärken (bis 2020 sollen mehrere tausend Kilometer Schienenwege ausgebaut werden) und andererseits dazu beitragen, dass der Güterverkehr von der Straße auf die Schiene verlagert wird. Ein bereits durchgeführtes Güterverkehrsprojekt des Aktionsplans ist die "Betuweroute" - der Ausbau der Güterfernstrecke von Rotterdam bis zur niederländisch-deutschen Grenze: Auf holländischer Seite wurde eine 105 Kilometer lange Strecke vom Grenzort Zevenaer bis Kijfhoek ausschließlich für den Güterverkehr neu gebaut. In westlicher Richtung führt eine Ausbaustrecke weiter bis Rotterdam. Die insgesamt 160 Kilometer lange Strecke wurde nach zehnjähriger Bauzeit 2007 in Betrieb genommen. Die Gesamtkosten belaufen sich auf etwa 4,7 Milliarden Euro.
Während die Betuweroute vorrangig an niederländischen Autobahnen liegt und Wohngebiete kaum belastet, soll die Betuwe-Linie in Deutschland, zwischen Emmerich und Oberhausen durch mehrere, mitunter dicht besiedelte Wohngebiete führen. Im Oktober 1992 unterzeichneten Deutschland und die Niederlande die Warnemünder Vereinbarung. Darin verpflichtete sich Deutschland, den Abschnitt Emmerich-Oberhausen für den Güterverkehr auszubauen. Die Strecke soll später über Köln, Frankfurt und Süddeutschland weiter bis nach Genua führen.
Für mehr als eine Milliarde Euro möchte die Bahn daher auf der bestehenden Strecke zwischen Emmerich und Oberhausen ab 2013 ein drittes Gleis verlegen, Lärmschutzwände ziehen und Unterführungen bauen sowie Bahnübergänge schließen. Bis 2010 sollen auf der Strecke wöchentlich 800 Güterzüge verkehren. Die Güterstrecke ist eines der größten Infrastrukturprojekte in Nordrhein-Westfalen und gehört für Bundesverkehrsminister Ramsauer zu den Top-20-Baustellen in Deutschland. Nichtsdestotrotz nehmen Medien und Bürger das Projekt jenseits des Niederrheins kaum wahr.
Große städtebauliche Veränderungen
Der Bau des 3. Gleises wird am Niederrhein die größten städtebaulichen Veränderungen seit dem Zweiten Weltkrieg nach sich ziehen. Städte wie Emmerich, Wesel oder Dinslaken werden künftig mit vier oder fünf Meter hohen Schallschutzwänden leben müssen. Dörfer wie Millingen, Praest oder Mehrhoog werden zweigeteilt – mit unabsehbaren Folgen für das Zusammenleben im Dorf, für den örtlichen Einzelhandel und die Wirtschaft.
Gleichwohl warten die Autofahrer an den 55 Bahnübergängen zwischen Emmerich und Oberhausen mit zunehmendem Güterverkehr heute bereits - vor dem Streckenausbau - immer länger.
Heftiger Widerstand bleibt bislang aus, auch wenn sich in den Kommunen entlang der Strecke einige Protestgruppen gebildet haben, etwa in Emmerich und Oberhausen. Sie fordern von Bahn und Bund besseren Lärmschutz und vereinzelt noch immer die Verlegung der Betuwe-Strecke hinaus aus den Städten an die Autobahn 3. Die Deutsche Bahn lehnt diese in den 90-er Jahren diskutierte Variante auch aus finanziellen Gründen ab.
Aktivisten und Feuerwehren setzen sich darüber hinaus auch für verstärkte Sicherheitsvorkehrungen an der Strecke ein. Immerhin sind etwa 75 Prozent aller Güterzüge auf der Strecke Gefahrguttransporte. Als vorbildlich gelten die Sicherheitsstandards entlang der Betuweroute auf niederländischer Seite. Hierzulande fahren schon heute Kesselwagen mit hochexplosivem Gas durch Wohngebiete.
Umweltministerium plädiert überraschend für linksrheinischen Neubau
Auch für die Haushalte der betroffenen Kommunen steht viel auf dem Spiel: Denn nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz müssen sich Bund, Land und Kommunen zu je einem Drittel an den Kosten beteiligen, die beim Bau von Eisenbahnunter- und Eisenbahnüberführungen entstehen. Das Land NRW hat zwar angekündigt, drei Viertel des kommunalen Anteils zu übernehmen. Dennoch bliebe etwa die Stadt Emmerich auf etwa 70 Millionen Euro sitzen. Die Anliegerstädte fordern daher auf der Grundlage von Rechtsgutachten unter anderem, dass für sie durch den Betuwe-Bau keine Kosten entstehen.
In Alarmbereitschaft versetzt wurden im Sommer 2010 überraschend auch die Kommunen im Kreis Kleve: Ein Gutachten des Bundesumweltamtes schlägt vor, die Güterfernstrecke ab Emmerich-Elten und über eine alte Eisenbahnbrücke in Kleve-Griethausen auf die linke Rheinseite zu verlegen. Die Studie kritisiert, dass durch den Bau des dritten Gleises zwischen Emmerich und Oberhausen eine "ineffiziente Mischstrecke entstünde". Zudem seien die Kosten für Lärmschutz in Höhe von 1,1 bis 1,4 Milliarden Euro zu hoch. Die Protest-Initiativen, Kommunen und Politiker räumen diesem Vorschlag allerdings wenig Chancen ein.
11:00
wir wohnen in einem Zechenhaus aus dem vergangenen Jahrhundert, also kein Neubau. Die Bahnlinie von Duisburg nach Oberhausen ist etwa 500 Meter von uns entfernt. In den letzten Jahren müssen allerdings auch wir feststellen, daß der Lärm von dieser Strecke (irgendwie müssen die Züge ja erstmal in Richtung Betuwe gelangen) vor allem in der Nacht so laut geworden ist, das ein Schlafen bei offenem Fenster nicht mehr gegeben ist. Die Bahn kann ja transportieren und ihre Umsätze dadurch steigern, keine Frage. Aber sie sollte auch dann Lärmschutzwäde aufstellen. Würde hier wohl niemanden stören.
09:02
Bravo,
das hat DerBesucher gut erkannt
14:07
Ich kenne das auch aus meiner Stadt: ein neues Wohngebiet wird nah am Bahndamm erschlossen und von einem Investor mit Reihenhäusern bebaut. Kein Einheimischer ist dumm genug, um sich hier ein Häuschen zuzulegen, von außerhalb aber strömen die Leute am Wochenende in die Siedlung und kaufen wie blöde.
Nach dem Einzug bildet sich eine Bürgerinitiative und versucht die Stillegung der Strecke zu erreichen....
Es werden zumindest Schallschutzdämme gefordert, die lassen sich aber nicht erstellen, weil dazu die erste Häuserreihe abgerissen werden müsste. Es wird aber ein Schallschutzzaun gebaut, die Bewohner in der 1. Reihe direkt an der Bahntrasse leben an einer sehr hohen Metallwand in einem sehr schattigen Bereich.
Die Anwohner verlangen die Verlagerung des Bahngüterverkehrs von der Nacht in den Tag. Außerdem wird bemängelt, dass auf der Bahntrasse fast nur Güterverkehr statt fände und warum es vor ihrer Haustür keine S-Bahn-Haltestelle gäbe.
Von der Bahnreform in den neunziger Jahren wissen die Anwohner nicht viel, dass Verkehrsrechte nun ausgeschrieben werden müsse und an den Meistbietenden versteigert werden ist ihnen genauso wenig bekannt, wie das diese Rechte schon viele Jahre und für noch viele Jahre ein Busunternehmer inne hat. Die Trasse somit zwangsläufig zur reinen Güterbahn verkommen wird, sollte dieser Unternehmer nicht einlenken. Aber warum sollte er denn? Die paar Leutchen die da nah am Bahndamm wohnen füllen kaum den Bus.
Die Güterbahn aber ist gut ausgelastet und macht somit Autobahnen und Landstraßen um einiges leerer. Und die Planungen aus dem Verkehrswegeplan sehen des weiteren noch eine Steigerung vor, sowohl vom Eisernen Rhein als auch von der Betuwelinie her.... ;-))
13:03
So ist das heute in Deutschland: Wenn die aus energietechnischen Gründen äußerst sinnvolle Bahn ausgebaut werden soll -sie benötigt übrigens auch weit weniger Fläche bei gleicher Transportleistung gegenüber der Straße- gibt es ein riesiges Geschrei. Wird aber eine Autobahn von 4 auf 6 Spuren verbreitert, ist die Welt in Ordnung. Die Jahre währende Kampagne und Hetze gegen die Bahn zeigt Wirkung. Aber wenn in absehbarer Zeit knapp und extrem teuer gewordener Kraftstoff Straßentransporte zum Luxus werden lassen, werden wir uns umsehen und bei einigen Leuten in der Politik und Medienlandschaft bedanken und erkennen, dass die Idee des Elektroantriebes auf der Straße voll daneben ist...
10:27
@ Bursche77
Entschuldigung, dass ich Sie als absolut hirnlos bezeichne!!
Wir -Anwohner der Betuwe- sind nicht gegen Stillstand. Wir sind aber dagegen, dass man uns permanent verarscht!
Die Strecke wird gebaut klar aber
a) wer sorgt für die Umbaumaßnahmen an Bahnübergängen ?? - es handelt sich hier auch um Schulwege- von der Teilung der Dörfer ganz zu schweigen.
b) wer sorgt für entsprechende Umgehungsstraßen /- fußgängerwege ??
c) wenn ein drittes Gleis versprochen wird... warum wird dann (NUR EINES VON VIELEN BEISPIELEN!! ) kurz vor Voerde in Rtg. Emmerich gesehen, noch eine Brücke gebaut -derzeit im Rohbau- die nur für zwei-spurigen Schienenverkehr ausgelegt ist ?? ist ja wohl keine Kostenfrage selbige wieder ab zu reißen und NEU zu bauen!!!
Die Liste lässt sich unendlich fortsetzen!!
So und nun beginnen Sie mal nachzudenken!! Manche denken aber nur mit Scheuklappen--- sie gehören wohl dazu!!
10:58
Na klar, egal um welches Projekt es sich handelt, irgend welche Anwohner sind ja immer dagegen. Am besten ewiger Stillstand! Aber die neue Straße, die neue Autobahn, das erfreut das Bürgerherz! Wie dumm kann man eigentlich sein?
Es sollte jeder froh sein, wenn Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagert wird, das kommt allen zu gute!
Und der ewige Unsinn mit dem Lärm, solche Bahnstrecken gibts seit über einem Jahrhundert und jeder wusste das als er sich für ein Haus an der Strecke entschied!
Aber so weit denken können viele offensichtlich nicht.