Ärger über neuen Betuwe-Plan für Niederrhein
17.08.2010 | 06:58 Uhr 2010-08-17T06:58:00+0200
Am Niederrhein.Neue Pläne des Bundesumweltamtes für die geplante Güterferntrasse Betuwe überraschen Politik und Bürgerinitiativen: Plötzlich soll die Linie bei Emmerich-Elten auf die rechte Rheinseite führen.
Ein Gutachten des Bundesumweltamtes schlägt vor, die Trassenführung der Güternferntrasse Betuwelinie (zum Betuwe-Spezial auf DerWesten) zu veränderm. Doch diese Überlegungen stoßen auf heftige Kritik bei Politik und Bürgerinitiativen.
1,1 bis 1,4 Milliarden Euro
Das Bundesumweltamt schlägt in einer Studie eine alternative Trassenführung für die heftig umstrittene Betuwelinie vor. Das Ausbauvorhaben Emmerich - Oberhausen sei nicht überzeugend, heißt es in der „Ausbaukonzeption für einen leistungsfähigen Schienengüterverkehr“. Daher plädieren die Autoren der Studie für einen linksrheinischen Trassenausbau von Kleve bis Krefeld . Dazu müsste auf 35 Kilometern ein zweites Gleis gelegt werden. Die Überlegungen stoßen in der Politik und bei Bürgerinitiativen auf einhellige Ablehnung.
Die Studie kritisiert, dass mit den bisherigen Planungen eine „ineffiziente Mischstrecke“ entstünde, auf der Personen- und Güterverkehr konkurrieren würden. Zudem seien die Kosten für das dritte Gleis und einen umfassenden Lärmschutz mit 1,1 bis 1,4 Milliarden Euro zu hoch. Für einen linksrheinischen Ausbau spreche, dass dieser durch schwächer besiedeltes Gebiet führen würde und eine „angeblich gut erhaltene Rheinbrücke“ bei Griethausen existiere, über die man den Güterverkehr von Elten nach Kleve leiten könne.
Die Trassenplanung jetzt wieder aufzuschnüren, sei „völlig kontraproduktiv“, sagte Verkehrsstaatssekretär Horst Becker der NRZ. Dies würde die Realisierung der Betuwelinie auf deutscher Seite um acht bis zehn Jahre verzögern. „Uns liegt daran, dass die Strecke Emmerich-Oberhausen zügig dreigleisig mit dem zwischen Bund, Land und Bahn vereinbarten Lärmschutz ausgebaut wird“, so Becker weiter.
Barbara Hendricks (SPD) für raschen rechtsrheinischen Ausbau
Auch die Kreis Klever SPD-Bundestagsabgeordnete Barbara Hendricks plädiert für den raschen rechtsrheinischen Streckenausbau. Sie gehe im übrigen nicht davon aus, dass die aktuelle Studie das Planfeststellungsverfahren beeinflussen werde. Der Kreis Klever FDP-Abgeordnete Paul K. Friedhoff warnt, dass die Kosten für eine linksrheinische Trassenführung höher wären als die jetzt eingeplanten.
Auch andere Vertreter linksrheinischer Kommunen im Kreis Kleve sprechen sich gegen die linksrheinische Trasse aus, auf der rechten Rheinseite löst die neue Studie bei Betuwe-Gegnern und Politikern Verwunderung und Skepsis aus.
Vertreter diverser Bürgerinitiativen äußerten sich im Gespräch mit der NRZ ebenfalls kritisch – es gelte angesichts des zunehmenden Güterverkehrs auf der Strecke jetzt, den aktiven Lärmschutz auszubauen, anstatt neue Planspiele zu beginnen, lautete der Tenor.
23:50
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08:43
@5 Grummer - über die Jahre hat sich eine deutliche Erweiterung der Nutzung ergeben. Irgendwann ist das nicht mehr hinnehmbar. Wenn man an einer Straße wohnt und die wird nach 30 oder 40 Jahren zu einer Autobahn ausgebaut, darf man sich da nicht wundern oder zur Wehr setzen? Ich lebe seit meiner Geburt vor 35 Jahren ca. 200 Meter entfernt und gerade in den letzten Jahren hat die Taktung bereits massiv zugenommen. Ich persönlich verfolge nicht das Sankt-Florian-Prinzip und wünsche mir den Verkehr woanders hin. Aber Respekt und Schutz für die betroffenen Bürger darf man dabei nicht vergessen
17:39
@5 Grummer
Viele der Anlieger wohnen schon Jahrzehnte dort und sind von den Bahn-bzw. Betuwe Plänen förmlich überrollt worden. Lärm macht übrigens nachgewiesener Weise krank. Vor allem dann, wenn der Körper nachts seine Ruhe braucht.Das ist nicht neu, aber das ist nun mal so. Die Bahn müsste nur die Vorschriften einhalten. Aber das kostet ja Geld.Und das ist das Staatsunternehmen seinen Bürgern einfach schuldig. Denn diese sind die Eigentümer. Muss man sich mal verinnerlichen!
16:20
Das Theater um diese Bahnlinie ist wie bei Stuttgart 21 ein Zeugnis für die Wandlungsunfähigkeit unserer alternden Gesellschaft. Mit Schrecken muss man an das Planfeststellungsverfahren der Trasse für den Rhein-Ruhr-Express denken.
Bei den Trassen der Fernleitungen für den grünen Strom aus den Windparks nach Süden soll es vergleichbare Schwierigkeiten geben.
13:49
@Googler und Joachim Lilla. Sie haben eine Sache nicht bedacht: Die Niederländer haben die Betuwe bereits bis zur Grenze Elten fertig gestellt. Deshalb kommt für die Holländer eine Strecke über Nimwegen nicht in Frage.
12:31
Klar muss ein Schallschutz her, aber an einer Eisenbahnstrecke zu wohnen, und zu glauben. dass die möglichst selten genutzt wird, finde ich naiv.
P.S.: Hier in Bochum werden alle Autobahnen 3-spurig ausgebaut, sogar 2 km Autobahn ganz neu durch das wenige Grün in dieser Stadt geschlagen, und die Bürger jubeln !!
12:01
Der Gedanke, die Betuwe-Linie (auch?) über den linken Niederrhein weiterzuführen, ist so abwegig nicht. Allerdings ginge das ohne eine zweifache Rheinquerung und die Nutzung der ohnehin dafür ungeeigneten Brücke bei Griethausen. Die Trasse Nijmegen-Kleve ist noch vorhanden, wäre zu reaktivieren,und der Abschnitt Kleve-Geldern wäre zunächst zweispurig auszubauen. Ernsthaft diskutiert werden sollte der Gedanke zumindest.
11:10
Oh ha, da hat wohl fleißig an der Landesgrenze aufgehört zu denken. Man müßte lediglich die Strecke Kleve Nijmegen wieder aktivieren, sowie elektrifizieren und ausbauen. Die Querung der Waal besteht bereits auf niederländischer Seite, sowied der Anschluß dieser Strecke zur Betuwe Route. Aber dafür müßte man sie ja vor Ort auskennen.
10:27
Korrektur : rollen
10:26
So etwas kann nur völlig ahnungslosen Politikern bzw. den Beamten des Bundesumweltamates passieren. Schon jetzt roolen die Güterwaggons Nacht für Nacht über die Strecke von Rotterdam bis Oberhausen und rauben vielen Menschen den Schlaf, ohne dass dagegen geeignete Schallschutzmassnahmen getroffen wurden. Profit geht eben bei uns vor die Gesundheit der BürgerInnen.