Betreten erlaubt!
11.08.2009 | 18:14 Uhr 2009-08-11T18:14:00+0200
Die „Tuinen van Appeltern” inspirieren Gartenliebhaber. Alle anderen Besucher dürfen hier einfach Probesitzen und entspannen
Appeltern. Ein Rechen, Sonnenbrille drauf, rosa Kopftuch drüber und ab in den Rhododendron – so einfach lässt sich die Gartendeko aufpeppen. Oder mit dem kunstvoll gestalteten Grüngeflecht, das aussieht wie „Nessy's” niederländischer Bruder, der aus einem Loch – allerdings neben dem Kanal – lugt. Ja, und selbst die weißen Toiletten auf grünem Rasen stehen hier nicht aus praktischen Gründen. Die ungewöhnlichen Gartenmöbel dienen als Blickfang in diesem kunstvollen Reich der Wiesen und Pflanzen. An Kreativität mangelt es Ben van Ooijen sicher nicht. Und doch war gerade sie für das Scheitern seines ersten Unternehmens verantwortlich.
Ideenklau im Modellgarten
„Vor etwa 25 Jahren habe ich eine eigene Firma gegründet”, sagt van Ooijen, heute Betreiber von Europas größtem Modellgartenpark, den „Tuinen van Appeltern” bei Nimwegen. Damals wollte der gelernte Gärtner und Gartenarchitekt sein Können – die Gestaltung privater Grünflächen – als Dienstleistung verkaufen. „Doch die Leute kamen, um Ideen und Informationen aus dem angelegten Modellgarten mitzunehmen. Sie wollten alles selber machen”, musste van Ooijen feststellen. Sein Geschäftskonzept warf er über den Haufen. Der heute 55-Jährige beschloss, etwas zu schaffen, das den Kundenwünschen entspricht. Also legte er zunächst rund 20 Modellgärten in seiner Heimat Appeltern an.
130 000 Besucher strömen heute jedes Jahr in die „Tuinen van Appeltern”. Hier können sie van Oiijens ausgesäte, stilvoll zusammengestellte und durchdesignte Ideen nun für daheim abgucken. Und bekommen gleich alle notwendigen Herstellerhinweise und Informationen dazu. Ob Pflanzen, Möbel, Deko, Brunnen, Beleuchtung oder Bodenbelag, ob für Trendsetter, Schnörkelliebhaber oder den gediegenen Geschmack – in den mittlerweile 200 grün-bunten Zimmern mit bis zu 10 000 unterschiedlichen Gewächsen findet jeder Inspiration für das eigene Pflanzenreich. Selbst an Dachterrassengärtner und Balkonien-Genießer hat van Oiijen in seinem Park gedacht.
Pflegeleichte Gärten
Und natürlich auch an die Kinder. Kurz hinter der provencalen Gartenterrasse am Wasser geht's auf einem Floß über den Kanal ins Spielparadies. Rutschen, Trampolin, geheime Wege – es fehlt an nichts. Schließlich weiß ein Vater von zwei Söhnen, was Kindern draußen Spaß macht. Und es liegt ihm am Herzen, ihnen so Natur und Garten näher zu bringen. „Ich habe als Junge noch zu Hause auf dem Bauernhof gelernt, wie Gemüse angepflanzt wird”, sagt van Ooijen. Heute wissen viele Kinder nur, dass man Gemüse im Laden kauft. „Eine ganze Generation hat diese Verbindung zur Natur verpasst.”
Aber auch die Hobbygärtner hätten sich im Laufe der Zeit verändert, meint van Ooijen. „Der Garten wird schnell mit Arbeit verbunden und das ist ein schlechter Gedanke. Dass es um Kreativität, Erholung und Genuss geht, kommt zu kurz.” Deshalb gibt's in van Ooijens „Tuinen”, die gerade auf 13 Hektar vergrößert wurden, in Zukunft auf weiter wachsender Fläche noch mehr zum Thema Wellness, Gesundheit, Natur und Klima zu entdecken. Inklusive Pool und Jacuzzi. Auch immer mehr pflegeleichte Gartenvariationen sind zu sehen. So, wie in den Trendgärten 2009: ein großer weißer Rattansessel vor türkisblauen Wänden, ganz im arabischen Stil, lädt zum Fläzen ein. Hier und da schimmert lila der Lavendel vor der als Zimmer gestalteten Ecke. Das war's an Grün. Sieht unglaublich entspannend aus. Und das ist in Appeltern übrigens durchaus erwünscht. Überall darf hier probegesessen- und gelegen und Gartenträume genossen werden. Gartenmeister Ben van Ooijen entspannt derweil allerdings lieber bei Rasenmähen und kreativer Pflanzarbeit...
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