Beim Kicken die Not vergessen

Moers..  Sie sind erst seit kurzem in Deutschland, sprechen die Sprache nicht, sind allein und blicken in eine noch ungewisse Zukunft. Doch die 14 jungen Männer – Flüchtlinge, die meisten aus Syrien und dem Irak – geben nicht auf. Schon gar nicht, seit Cihan Karabulut (23) sie auf den Fußballplatz des TV Asberg geholt hat.

Cihan Karabulut ist kurdisch-stämmig. Geboren wurde er in Moers, er machte den Schulabschluss, heute hat er einen Vollzeitjob in der Gastronomie. Trotzdem findet er noch Zeit, sich ehrenamtlich beim Bunten Tisch an der Kornstraße in Asberg zu engagieren. „Für uns ist er ein echter Segen, auch, weil er Kurdisch spricht. Viele Syrer und Iraker sprechen nämlich Kurdisch“, ist Mitarbeiterin Hayat Ketfi vom Bunten Tisch dankbar für die Hilfe.

Die jungen Leute kommen alle aus dem Kriegsgebiet. Sie haben oft ihre Angehörigen verloren, haben viel Schlimmes erlebt und gesehen. Manche sind mit Schiffen, andere mit Zügen und Lastwagen geflohen. „Und viele mussten tagelang ohne Essen und Trinken laufen, wussten nicht mal, ob sie in Ungarn oder Deutschland waren“, schildert Karabulut die Schicksale der jungen Männer.

Karabult gehört zu den Menschen, die das Gute, was sie erfahren haben, gern an andere weitergeben: „Meine Eltern kamen auch mal als Flüchtlinge hier an. Sie haben als Kurden in der Türkei viel mitgemacht, und sie sind hier bei Null angefangen“, erzählt er. So stehe die gesamte große Familie auch hinter ihm, was die aktuelle Flüchtlingshilfe angehe.

„Ich will mit der Fußballmannschaft kein Aufhebens machen. Ich dachte einfach, man muss die Jungs ‘rausholen aus der Isolation, damit sie ‘mal für zwei Stunden auf andere Gedanken kommen. Und Fußball ist doch international“, meint Karabulut. Und tatsächlich habe er beim TV Asberg mit der Idee gleich offene Türen eingerannt.

Denn auch Fußball-Abteilungsleiter Werner Dlugokinski fand die Idee prima. „Wir trainieren hier 17 Jugend- und drei Erwachsenenmannschaften. Es war aber zeitlich kein Problem, die Neulinge fürs Training noch unterzubringen“, berichtet er. Und praktischerweise könne man so vielleicht noch das eine oder andere Talent sichten.

Ohnehin gibt man sich beim 800 Mitglieder starken TV Asberg ganz international. Spieler aus der Türkei, aus Jordanien, Bosnien, Serbien, Polen dem Irak und Iran traten oder treten das runde Leder an der Asberger Straße. Und: „Wir sind als erster Verein in Moers für unsere Integrationsarbeit offiziell ausgezeichnet worden.“

Damit aus den Flüchtlingen eine echte Mannschaft wird, hat Trainer Driton Xhema, ein guter Freund Karagulus, die Neulinge unter seine Fittiche genommen. „Wenn alles klappt und sie sich als zuverlässig und ordentlich zeigen und 15, 16 Spieler zusammenkommen, könnnen wir in der nächsten Saison vielleicht sogar eine weitere Mannschaft einrichten“, meint der Abteilungschef.

Erstes Spiel gewonnen

Gerade haben die Nachwuchstalente ihr erstes Spiel gewonnen. Deshalb geht’s auch heute zum Grillen an den See. „Das haben sie sich redlich verdient“, meint Cihan Karabulut. Er aber auch, finden wir.