Bei Wind und Wetter draußen – warum tun Sie das, Frau Kitschen?

Raus in die Natur. Pia Kitschen beim Kühe gucken...
Raus in die Natur. Pia Kitschen beim Kühe gucken...
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
In ein paar Wochen hängt Pia Kitschen die Gummistiefel erst mal an den Nagel. Dann ist das FÖJ ‘rum.

Am Niederrhein..  Ein Jahr in Gummistiefeln und mit Fernglas in der Hand: Pia Kitschen hat sich nach der Schule zum freiwilligen Ökologischen Jahr gemeldet – und schiebt Dienst im Naturschutzzentrum (NZ) Kreis Kleve. Einsatz- und Wohnort: Haus Weegh in Rees-Bienen.

Sie leben seit ein paar Monaten auf dem Land, in Rees-Bienen. Freiwillig, für ein Jahr als FÖJler. Ist ja nun wirklich nicht viel los hier draußen...

Och, das täuscht. Hier gibt es jede Menge Natur.

Keine Disco, kein Kino, nicht mal ‘ne Pommes-Bude.

Das kann man gut aushalten. Außerdem, ehrlich, wenn man den ganzen Tag draußen in der Natur gearbeitet hat, dann ist man abends platt. Ich freue mich dann auf ein bisschen Musik oder Fernsehen oder Lesen. Rämmidämmi brauche ich dann wirklich nicht mehr.

Warum machen Sie ein freiwilliges Ökologisches Jahr?

Ist eigentlich Plan B. Ich habe Fachabi in Gesundheitswissenschaften gemacht und keinen Anschluss-Job gefunden. Ich wollte aber auch nicht einfach nur tatenlos meine Wartezeit absitzen, ich wollte ’was tun. Meine Schwester hat mir dann den Tipp gegeben, auf den Seiten des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) zu stöbern, auf denen es eine Menge Infos zum freiwilligen Ökologischen Jahr gibt.

Und nun sitzen Sie am Niederrhein, da, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen.

Es ist wahnsinnig abwechslungsreich. Ich wohne ja hier auch im Naturschutzzentrum, habe ein Zimmer mit Blick Richtung Altrhein und erlebe ‘ne wirklich tolle Gemeinschaft. Und die Arbeit in der Natur ist schon klasse. Ich entdecke jeden Tag etwas Neues. Das hätte ich mir vorher so auch nie träumen lassen. Außerdem kann ich hier prima mit meinen Inlinern unterwegs sein.

Was macht ein FÖJler in Bienen?

Eine ganze Menge. Zu meinen Aufgaben etwa gehört die Pegeltour. Ich kontrolliere den Wasserstand an bestimmten Standorten – was wichtig ist, um etwa zu schauen, ob Uferschnepfen brüten können oder nicht. Und dann haben wir natürlich auch wieder die Flöße für die Trauerseeschwalben gebaut. Oder auf den Feldern die Kiebitznester ausgepflockt. Also überall da, wo Kiebitznester waren, haben wir einen Holstab in den Boden gerammt, damit der Landwirt weiß, dass er da nicht mit dem Trecker drüber fahren soll.

Sie müssen bei Wind und Wetter ‘raus.

Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung (grinst). Solche Sprüche lernt man hier. Aber es gibt auch viele Indoor-Aufgaben. Statistiken auswerten, Berichte schreiben und so etwas.

Was war für Sie ganz besonders?

Die Steinkauz-Kartierung. Die Aktion begann um acht Uhr abends, und wir sind bis drei Uhr unterwegs gewesen. Es war stockdunkel und wir hatten Nachtsichtgeräte dabei. Sie glauben gar nicht, was man nachts draußen alles hört. Wahnsinn. Ich habe Schleiereulen fliegen sehen – das erlebt man ja nun wirklich nicht alle Tage. Man geht dann aber auch tagsüber mit einem ganz anderen Blick in die Natur, man guckt viel genauer und man entdeckt auch Dinge, die man früher gar nicht bemerkt hätte.

Zum Beispiel?

Nun, ich weiß jetzt, wie man einen Obstbaum richtig einpflanzt, zum Beispiel. Ich kann die Spur eines Fischotters lesen, habe Pflanzen kennengelernt, von deren Existenz ich vorher keine Ahnung hatte und: Ich liebe jetzt Kopfweiden.

Sie haben ja nun noch ein paar Wochen hier. Ihr Fazit?

Ich würde es immer wieder machen. Man lernt eine ganze Menge – auch über sich selbst. Durchhaltevermögen, Teamgeist, jeder packt mit an, Gemeinschaft. Es werden Seminare angeboten, auf denen man sich dann mit anderen FÖJlern austauscht.

Wie geht es nach dem FÖJ weiter?

Ich mache eine Ausbildung zur biologisch-technischen Assistentin und schiebe noch ein Fach-Abi nach.

Das Naturschutzzentrum in Haus Weegh (NZ Kleve) bietet zur Zeit zwei Stellen für ein freiwilliges Ökologisches Jahr an. Hiervon ist eine Stelle speziell für Leute mit Haupt- oder Realschulabschluss (Sekundarstufe 1) vorgesehen – für diese Stelle sind noch Bewerbungen möglich. Das Naturschutzzentrum besitzt im Dachgeschoss eine Dienstwohnung, die während des FÖJ mietfrei genutzt werden kann.


Infos: www.nz-kleve.de