Baby-Zeit im Krefelder Zoo

Nachwuchs bei den Gorillas.
Nachwuchs bei den Gorillas.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Bei den Gorillas herrscht Stimmung im Kinderzimmer, der jüngste Spross ist zwei Monate alt. Auch bei den Schneeleoparden erkundet jetzt der Nachwuchs die Welt

Krefeld..  Wie sie sich gähnend im Schatten räkeln, wie sie ihre noch tapsigen Tatzen erkunden und sich wie putzige Wollknäuel balgen – keine Frage, der Schneeleoparden-Nachwuchs gehört bei einem Zoo-Besuch an der Uerdinger Straße in Krefeld zum Pflichtprogramm. Denn die sind so etwas von süß, die kleinen Raubkatzen, die ihrem Namen noch gar keine Ehre zu machen scheinen. „Die beiden wurden am 4. Mai geboren“, sagt Biologin Petra Schwinn. Namen tragen die beiden allerdings noch nicht. „Wir warten immer bis sie drei Monate alt sind mit der Namensgebung, weil die Jungtiere erst dann wirklich überm Berg sind.“

Die fünfte Generation

Die beiden jungen Schneeleoparden setzen eine lange Tradition im Krefelder Zoo fort, „sie sind Nummer 58 und 59 in unserer Zuchttradition“, erklärt die Biologin. Seit 1966 ist der Krefelder Zoo Zuchtbetrieb für Schneeleoparden. „Damals kamen bei uns hier die ersten Jungtiere in einem Zoo in Europa zur Welt.“ Der Vater der beiden kleinen Raubkatzen ist die 5. Schneeleoparden-Generation in direkter Linie im Krefelder Zoo.

Schneeleoparden zählen zu einer der bedrohtesten Tierarten der Welt. Die Hochgebirgsbewohner, die normalerweise auf bis zu 5000 Meter Höhe rund um den Himalaya beheimatet sind, werden viel gejagt. „Sie können zwischen 15 und 18 Jahre alt werden“, sagt Petra Schwinn, „in der freien Wildbahn, sterben sie oft deutlich jünger.“ Bis in die 1990er Jahre wurden Schneeleoparden nur erfolgreich in den europäischen Zoos in Krefeld und in Helsinki gezüchtet. „Inzwischen gibt es zum Glück aber sehr viele Zoos, die sie züchten. Vier bis fünf Zoos gab es in diesem Jahr allein in Deutschland mit Jungtieren – und viele ihrer Eltern haben ihren Ursprung in Krefeld.“

Die Hitze der vergangenen Tage schadet den Hochgebirgskatzen nicht. „Sie gehen damit sehr, sehr vernünftig um, so, wie Menschen es auch tun sollten: sie dösen in der Mittagshitze und ziehen sich dazu unter Steine in den Schatten zurück. Erst nachmittags werden sie wieder aktiver.“ Wer die kleinen Schneeleopardenbabys bei ihren Unternehmungen bestaunen möchte, sollte sie also besser nach der Mittagsruhe besuchen.

Dass sich viele Tierarten bei den hohen Temperaturen zur Mittagszeit zurückziehen, muss nicht heißen, dass sie nicht gut zu beobachten sind. „Gerade weil viele Tiere bei der Wärme an Schattenplätzen liegen, kann man sie gut sehen. Den Tapir, zum Beispiel, kann man auf seinem Platz wunderbar beobachten.“

Und auch dem neuen Seelöwenbullen namens Edu, bereits mit Spitznamen „der dicke Edu“ versehen, gebürtig aus dem Pott, dem Zoom in Gelsenkirchen stammend, kann man bei seinen Reviererkundungen zuschauen. Noch gibt er nicht viel von sich – anders als sein laut brüllender und das Revier verteidigender Vorgänger – aber das kann noch kommen: „Wenn er sich eingewöhnt hat“, sagt die Biologin.

Betriebsamkeit herrscht in der Mittagszeit auch bei den bunt flatternden, tropischen Schmetterlingen im Dschungel-Haus. Viel Nachwuchs gibt es in den kommenden Tagen dort zu bewundern: „Wir bekommen Anfang der Woche neue Puppen aus Asien, die die Besucher dann hoffentlich ab Dienstagnachmittag schlüpfen sehen können.“

Dienstag wird geschlüpft

Höhepunkt des aktuellen Neuzuwachses ist ein schwarzhaariges Pärchen: der zweijährige Tambo und sein kleiner, erst zwei Monate alter Bruder, der noch keinen Namen hat. Die beiden Gorilla-Babys sind die Besucher-Attraktion schlechthin. „Der kleine Tambo ist sehr munter und will gerne immer in den Gorilla-Garten, aber seine Mutter Muna ist sehr ängstlich. Sie ist erst mit 23 Jahren, also sehr spät, Mutter geworden und ist eine sehr, sehr gute Mutter, aber wäre sie ein Mensch, würden wir sie wahrscheinlich als ‘Helikopter-Mutter’ bezeichnen“, erzählt Petra Schwinn. Aber Tambo versuche immer wieder auszubüchsen.

Manchmal nehme ihn sein Vater Kidogo mit in den Gorilla-Garten. Der ist auch der Vater von Tambos kleinem Halbbruder, der im Mai auf die Welt kam. Dessen Mama Miliki ist erst neun und „sehr gelassen“. Das jüngste Gorilla-Baby sei auch schon sehr wach und munter. „Tambo versucht immer wieder mit seinem kleinen Bruder in Kontakt zu treten und ihn anzufassen, aber Gorilla-Mütter mögen das nicht. Die Kleinsten dürfen von der Familie nur angeschaut, aber nicht angefasst werden“, weiß Biologin Petra Schwinn. „Nur kennt sich der kleine Tambo noch nicht so gut mit dem Gorilla-Knigge aus.“ Den Gorilla-Benimm-Regeln entsprechend sind seine Annäherungsversuche an den kleinen Bruder vielleicht nicht. Ansehenswert sind sie aber allemal...