Ausstellung zeigt „Blues des Lebens“

Kevelaer..  Bundeskanzlerin Angela Merkel nennt Otmar Alt einen der originellsten und erfolgreichsten deutschen Künstler der Gegenwart. Im Niederrheinischen Museum wurde unter großer Beteiligung vieler Kunstfreunde und Anhänger des Malers, Grafikers, Bühnenbildners und Bildhauers Otmar Alt am 8. März eine „bebilderte Biografie“ des Menschen und Künstlers eröffnet.

Die großformatigen Werke zeigen in einem, wie ihn die Ausstellung nennt, „Blues des Lebens“, zeitgeschichtliche Zitate, in denen der Künstler eigene schicksalhafte Erlebnisse, Trauer, Freude und Wut in einer Fantasiewelt darstellt – und damit gewissermaßen zur Realität werden lässt. Von seiner Geburt am 17. Juli 1940 in Wernigerode im Harz bis zum heutigen Tag zeigen die Arbeiten in einer retrospektivischen Farbenwelt unter anderem das brennende Berlin, die die Musikwelt erobernden Beatles, die Mondlandung, Ölkrise und Sonntagsfahrverbot, den Fall der Mauer, 9/11, Einführung des Euro oder die Wahl von Barack Obama zum Präsidenten der USA.

Persönliche Betroffenheit

Neben diesem weltgeschichtlichen Zeitraffer, der fast zwingend vorschlägt, dass alle Geschichtslehrer diese Ausstellung mit ihren Schülerinnen und Schülern besuchen sollten, verarbeitet Alt aber auch seine persönlichen Betroffenheiten in den 31 Werken. Da werden nicht nur die Ehrung zum „Bürger des Ruhrgebietes“ 1994 und die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 1998 dokumentiert, auch den Tod des Sohnes nach nur zwei Lebensjahren, den Unfalltod seiner ersten Frau und seines Vaters und besonders die Auseinandersetzung mit Todesgedanken durch seine Krebserkrankung, die er in der Arbeit „Morgen ist auch noch ein Tag“ mit seinem bereits real gebauten Sarg darstellte, zeigen die ausdrucksstarken Collagen mit teilweise verspielter und fröhlicher Zuversicht, dann aber auch wieder in erschreckend realistischer Offenheit. Museumsleiter Dr. Burkhard Schwering stellte Otmar Alt in eine künstlerische Reihe mit Paul Klee, Joan Miró und Pablo Picasso.

Werkfülle sucht ihresgleichen

Er präsentiere aus innerer Überzeugung eine Werkfülle, die ihresgleichen suche. „Mit Einmaligkeit und einem hohen Wiedererkennungswert ist Alt nicht nur in der Kunstszene zu finden, sondern ist mit seinen Arbeiten auch im öffentlichem Raum und im Alltag zu entdecken. Wir freuen uns sehr, diese einzigartige Ausstellung hier in Kevelaer zeigen zu können.“

Jan Oberheide, Otmar Alt nennt ihn „bester Freund und Bruder“, langjähriger künstlerischer Weggefährte des weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit unermüdlichen Künstlers, würdigte das Lebenswerk von Otmar Alt. „Seit über einem halben Jahrhundert ist er ohne nennenswerte Auszeiten im Geschäft und war sich dabei immer treu. Seele und Farbe haben sich immer gesucht und gefunden. Er versteht es, Trauer und Freude oder Reichtum und verhungernde Kinder in einen Kontext zu setzen und jeden in seinen Bildern aufzufangen und einzuloggen. Er hat in seinem Leben mehr erreicht als eine Ansammlung irdischer Güter und Auszeichnungen, und dies alles findet sich in der Ausstellung wieder.“

Auch Otmar Alt ergriff kurz das Wort: „Kunst, die man erklären muss, ist langweilig, deswegen werde ich zu den Werken nicht viel sagen. Jedes Bild muss dem Betrachter selbst entgegenkommen. Ich habe versucht, in meinen Arbeiten die Gefühle meines Lebens ,hineinzuleben’. Der Erfolg ist nur ein kleiner Begleiter. Kunst heißt ein Zeichen setzen.“

Neben der Ausstellung im Museum findet gleichzeitig eine Verkaufsausstellung mit neuesten Werken der vergangenen fünf bis sechs Jahre in der Galerie Kocken auf der Hauptstraße statt. Herbert Kocken lernte Otmar Alt bereits 1973 in der heute geschlossenen Galerie-Orangerie-Köln kennen und vertritt den Künstler seit dieser Zeit in seiner Galerie. Nach 2004 und 2008 ist Otmar Alt nun zum dritten Mal Schwerpunkt in der Galerie Kocken, und Herbert Kocken freut sich darüber, dass er gleichzeitig die Ausstellung im Museum vermitteln konnte.

Weg- und Lebensmarkierungen

Mit einer Leichtigkeit des Seins und der Gefühle, den farbenfrohen Figuren, Tieren, Elfen, mit wuchernden Formen und knorrigen Neuschöpfungen, aber auch mit den historischen „Rückdenkmälern“ setzt der „Zeichensetzer Otmar Alt“ viele Weg- und Lebensmarkierungen. Er deutet in die Vergangenheit und hält sie wach, leitet aber gleichzeitig durch optimistische und aufmunternde Darstellungen in die Zukunft.

Seine Zeichen werden durch die lebensbejahende, charakteristische und einmalige Präsenz auch in der zukünftigen Kunstwelt eine Rolle spielen, und die Kevelaerer haben noch bis zum 12. April täglich von 10–17 Uhr (außer montags) die außergewöhnliche Gelegenheit, diesem Künstler in seinen Werken zu begegnen.