Ausstellung über „Pop Art“ in Europa im Nimweger Museum

Etienne Elias: Eliane Loves Elias (1968)
Etienne Elias: Eliane Loves Elias (1968)
Was wir bereits wissen
Das Museum „Het Valkhof“ in Nimwegen zeigt noch bis Januar eine sehenswerte Ausstellung über die „Pop Art“ in Europa. Zu sehen sind mehr als 130 Werke, die aus zehn europäischen Museen zusammengetragen wurden.

Nimwegen.. Wenn Lady Gaga 2013 ihr neues Album Artpop präsentiert, dann wird hierzu auch gleich die passende App mit Charts, Song-Videos, Fashion-Updates, Magazinen und mehr erscheinen.

So jedenfalls lautet das Versprechen der zwitschernden Sängerin, die ihre Fans als „Artpop-Generation“ bezeichnet. Was die junge Amerikanerin heute macht, die Zeichen der Zeit in ihrer Musik multimedial zu verarbeiten, begann schon einmal im Europa der 50er Jahre, als die britische „Independent Group“ rund um Eduardo Paolozzi die Pop Art in der Bildenden Kunst erfand.

Ursprung der Bewegung

Zu ihr zählte auch Richard Hamilton, dessen Collage „Was ist es nur, was das Zuhause von heute so anders, so ansprechend macht?“ von 1956 sämtliche Attribute wie Haushaltsgeräte, Sexobjekte, Statussymbole aus der Werbung und Massenmedien der späteren (amerikanischen!) Pop Art beinhaltete und deshalb heute als Ursprung dieser oftmals mit Andy Warhol gleich gesetzten Bewegung gilt.

Was auch seine Berechtigung hat, denn in den USA entwickelte sich beinahe zeitgleich und doch unabhängig voneinander eine der Populär-Kultur frönende Kunstrichtung.

Mehr als 130 Werke

Nun präsentiert das Nimweger Valkhof Museum eine Ausstellung, die sich allein auf die Pop Art in Europa bezieht. Zu sehen sind mehr als 130 Werke, die aus zehn europäischen Museen zusammengetragen wurden. Neben den britischen Vorreitern Peter Blake, Allen Jones und David Hockney, repräsentieren Arman, Mimmo Rotella, Yves Klein, Jean Tinguely und Niki de Saint Phalle den Nouveau Réalisme, der als französischer Zweig der Pop Art gilt.

Auch Arbeiten des Isländers Erró, der Belgier Paul van Hoeydonck, Panamarenko, der Niederländer Lucassen und Gustave Asselbergs sowie der Künstler mehr (insgesamt sind 50 beteiligt) zeigen den Einfluss, den diese Kunst des Trivialen in Europa nahm.

Flower Power und Ikonen

Den frühen Themen der Entnazifizierung, des Wiederaufbaus und der Wiedergutmachung sind dabei solche Werke gegenübergestellt, die von Wohlstand, Freizeit, Luxus, Reisen - kurz: einer in jenen Jahren massiv aufkommenden Konsumkultur handeln.

Aber auch Raumfahrt, Flower Power und Ikonen bilden die Motive der zum Großteil in der 1. Hälfte der 1960er Jahre entstandenen Bilder. Leicht zugänglich, da zumeist gegenständlich, spiegelt die Pop Art den Zeitgeist jener Jahre wieder: mitreißend, verspielt, kritisch und fast immer farbenfroh. So malte die Britin Pauline Boty ein leidenschaftliches, lebensbejahendes Portrait von Marilyn Monroe in warmen Rottönen, kurz nach deren Tod im Jahr 1962.

Die „Bardot von Wimbledon“

Bei ihren Kollegen galt Boty, ihres Zeichens eine der ersten Pop-Artistinnen überhaupt, als die „Bardot von Wimbledon“: Jung, schön und intelligent. Dass die Britin so wenigen in Erinnerung blieb ist dem Umstand geschuldet, dass sie 1966, nur 28-jährig an Krebs starb.

Mit der „echten“ Brigitte Bardot wartet die Belgierin Evelyne Axell auf. Ihr Portrait zeigt eine in zartrosa Farben hinter Plexiglas getauchte nackte, aber nicht entblößte Femme Fatale, die dem Betrachter selbstbewusst in die Augen blickt.

Seitenhieb auf die Konsumgesellschaft

Weniger für ihre Pop Art bekannt und doch auch Vertreter derselben sind die Künstler Gerhard Richter und Sigmar Polke, die beide aus der ehemaligen DDR ins reiche Düsseldorf „emigrierten“, wo sie an der Kunstakademie studierten.

Gemeinsam gründeten sie 1963 mit dem „Kapitalistischen Realismus“ ihren ganz eigenen, politisch geprägten Pop Art-Stil. Bezugnehmend auf ihre Sozialisation im Arbeiter- und Bauernstaat war die Bewegung ein Seitenhieb auf die kapitalistische Konsumgesellschaft, aber auch auf die Teilung Deutschlands nach dem Krieg. In „Schwimmerinnen“ (1965) verarbeitete Richter Amateurfotos und Zeitschriftenillustrationen.

Auch Richter und Polke

Das Bild ist eine Mischung aus optimistischer Darstellung eines neuen Wohlstands nach dem Krieg und den pflichtbewussten Idealen einer am sozialen Realismus festhaltenden Ost- Propaganda.

Richters wie auch Polkes (in der Schau mit dem das durch die Medien propagierte Schönheitsideal kritisierenden Bild „Two Girls“ vertreten) mattfarbige Malereien unterscheiden sich deutlich von den grellbunten Werken ihrer britischen Kollegen.