Ausgehen mit Vincent

Kunst gucken mit Musik: Im Van Gogh-Museum in Amsterdam legen freitagabends regelmäßig Discjockeys  auf, um ein junges Museumspublikum zu unterhalten. Offensichtlich mit Erfolg. Die Partys sind beliebt
Kunst gucken mit Musik: Im Van Gogh-Museum in Amsterdam legen freitagabends regelmäßig Discjockeys auf, um ein junges Museumspublikum zu unterhalten. Offensichtlich mit Erfolg. Die Partys sind beliebt
Foto: Pim Christian/Museum
Was wir bereits wissen
Das van Gogh-Museum in Amsterdam geht neue Wege bei der Präsentation. Freitagabends gibt es regelmäßig Partys bis 22 Uhr mit DJ, Drinks und Diashows.

Amsterdam..  Der Mojito in der Lounge schmeckt: Nicht zu viel zerstoßenes Eis, die Mischung aus Limettensaft, Minze, Rohrzucker und kubanischem Rum stimmt. Doch der erfrischende Drink aus der Karibik wird nicht in einer der vielen schicken und hippen Amsterdamer Bars serviert, sondern im Foyer des Van Gogh-Museums. Das öffnet freitagabends neuerdings regelmäßig bis 22 Uhr, um die Werke des Meisters auf eine andere, jugendliche Art und Weise zu präsentieren.

In Loungesesseln

Hinter dem Mischpult und Plattenteller mischt DJ Kleo ihre Techno-Beats, an die Wände des Gerrit Rietveld-Baus projiziert der Videojockey Sush seine Bilder. In den bereitgestellten Sesseln fläzen sich junge Menschen, die Gesichter hell erleuchtet von den Displays der Smartphones und lassen über die einschlägigen sozialen Netzwerke ihre Welt wissen, an welchem fetten Mega-Event sie jetzt gerade wieder teilnehmen.

Wer ein blasiertes, demonstrativ gelangweiltes Hipster-Publikum vermutet, wird schnell eines besseren belehrt. Hinter den Museumsführern, die zu kurzen Rundtouren – quasi Blitzdates - laden, versammeln sich auffallend viele junge Interessierte und lassen sich den verschrobenen Einzelgänger aus dem kleinen Dörfchen Zundert im Brabant bereitwillig näherbringen. Nicht wenige haben ihre Zeichenblöcke mitgebracht und versuchen die Bilder auf Paper zu bannen.

Vor dem Bild „Weizenfeld beim Mähen“ aus dem Jahre 1889 steht ein junges Paar und diskutiert angeregt. „Es ist eine weniger steife, weniger formelle Atmosphäre an einem Freitagabend hier“, sagt Bart van Dijk, der mit seiner Freundin Manon aus dem nahen Amstelveen in die Metropole gekommen ist, um einen entspannten Museumsabend zu verbringen. „Das macht einen Besuch angenehmer, weniger ehrfürchtig“, grinst der lockige junge Mann mit Vollbart.

Doch es kommen längst nicht nur junge Menschen am Freitagabend. Lisa und Eric Bouwmans heben den Altersdurchschnitt deutlich an. „Während der Woche haben wir keine Zeit und am Wochenende ist es wegen der vielen Touristen oft zu voll. Deshalb kommen wir eben abends“, sagen die beiden Mittfünfziger. Mit der Musik und den Lichtern haben sie keine Probleme: „Uns stört es nicht. Und wem es nicht gefällt, der kann ja auch tagsüber kommen.“

Auch dem internationalen Publikum kommen die abendlichen Öffnungszeiten entgegen: „Wir bleiben nur 24 Stunden in Amsterdam. So habe ich es geschafft, das Rijksmuseum und Van Gogh an einem einzigen Tag zu besuchen“, freut sich Sarah, eine junge Studentin aus Middleton im amerikanischen Bundesstaat New Jersey und staunt in den landesüblichen Superlativen über das ausgefallene Ambiente: „It’s just fantastic. (Es ist einfach nur fantastisch)“

Informationen

Das Van Gogh-Museum, Paulus Potterstraat 7, Amsterdam, hat täglich von 9-17 Uhr (im Sommer bis 18 Uhr) geöffnet. Freitagabends ist das Museum bis 22 Uhr zugänglich.


Das Ticket kostet für Erwachsene 15 € (ab April 17 €). Kinder unter 18 Jahren haben freien Eintritt. Zu empfehlen ist für Wochenendbesucher die IAmsterdam-Card (49 €), die freien Eintritt in vielen Museen (darunter auch van Gogh), freie Fahrt in Bussen und Bahnen und eine Grachtenrundfahrt erlaubt.

Im Jubiläumsjahr 2015 - der Todestag des Künstlers jährt sich zum 125. mal - werden viele Sonderausstellungen gezeigt: Unter anderem im Kröller-Müller-Museum bei Arnheim. In Van Gogh-Museum werden die Bilder des Meisters ab September in Beziehung zu Edvard Munch gesetzt.