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Vergängliche Kunst

Aus Sand gebaut

21.05.2012 | 17:45 Uhr
Aus Sand gebaut
Niall Magee aus Dublin porträtiert den Winterswijker Maler Piet Mondrian, der die abstrakte Malerei mitbegründet hat. Auf der Rückseite dieser Skulptur soll aus Sand Mondrians Haus in Winterswijk entstehen. Fotos: Hans Georg Knapp

Winterswijk  Am 25. Mai eröffnet das Winterswijker Sandskulpturen-Festival an der Bataaf-Mühle, das 10 Künstler bestreiten.

. Jeder fängt mal klein an. Daniel Doyle, der in Dublin zu Hause ist, erinnert an die klassische Beschäftigung am Strand: Kinder bauten Sandburgen. Daraus könne ein Hobby werden und mehr. Seit 1996 ist Doyle professioneller Sandskulpturenbildner. Mit Marieke van der Meer steht er auf einer meterhohen Holzverschalung, die mit einer Sandburg nur den Sand gemein hat. Daraus formen die beiden Skelett und Äußeres eines T-Rex.

Doyle und van der Meer sind zwei von zehn Künstlern, die das Sandskulpturen-Festival an der Bataaf-Mühle in Winterswijk bestreiten. Es eröffnet am 25. Mai. Bis dahin müssen die neun großen Skulpturen fertig sein, an denen die Künstler seit Mittwoch arbeiten. Das Festival sei eine „Reise durch die Zeit“, erklärt Helferin Anna Schmalöer. „Die Skulpturen zeigen Winterswijk und Umgebung von der Steinzeit bis zur Gegenwart.“

Hat es denn in Winterswijk den Tyrannosaurus rex gegeben? Marieke van der Meer, die aus Leiden in Südholland kommt, will sich da nicht festlegen. „Vielleicht waren die Saurier hier etwas kleiner“, spekuliert sie grinsend. Auch Thomas Koet und Jill Harris arbeiten nebenan an einem Saurier. Koet deutet auf eine Skizze, die er als Vorbild benutzt: „Der Nothosaurus winterswijkensis wurde in dieser Gegend gefunden.“ Den Nothosaurus aus Sand kann man bisher nur erahnen; die Fische, die ihn umranken, sehen täuschend echt aus. Drei Tage brauchen Koet und Harris für diese Skulptur. Dann haben sie noch vier Tage für die Darstellung prähistorischer Bauern.

Helene Bangert arbeitet an einer Münze im Großformat.

„Man muss in dreidimensionalen Formen denken“, sagt Koet über die wichtigste Voraussetzung seiner Arbeit. Seit 14 Jahren formt der Diplom-Ingenieur nur noch Sandskulpturen, seit 13 Jahren ist er mit Harris auf Tour. Davon kann man leben? Koet nickt. Harris sagt: „Wenn wir in unserem Terminkalender keinen Urlaub eintragen würden, könnten wir das ganze Jahr arbeiten.“ Im November haben sie in Indonesien gewirkt, März und April in Japan. Nächste Woche ist England dran. „Hauptsächlich machen wir Skulpturen auf Hawaii und in Kanada“, sagt Koet. Geboren wurde er in Amsterdam, sein Wohnort ist Florida.

Wie eine Familie

Weltweit gebe es nur 500 solcher Künstler, berichtet Helene Bangert. Sie arbeitet an einer holländischen Münze im Großformat, die an den Spanisch-Niederländischen Krieg erinnern soll. Die Eule, die auf der Münze sitzt, ist fertig. „Es wird überall Leute geben, die ich kenne“, sagt die Amsterdamerin. „Das ist wie eine Zirkusfamilie.“ Der Sand, den Bangert mit einer Mini-Kelle schabt, begeistert sie: Flusssand sei der beste Sand „for carving“. Das kann man mit „bildhauern“ übersetzen, „schnitzen“ und „schneiden“. Derweil muss Daniel Doyle einräumen, dass er selbst noch nie eine Sandburg gebaut hat. Der Ire lacht und sagt: „Ich hoffe, dass ich das eines Tages kann!“ Doch wie ein Kind fühlt er sich auch so.

INFO

Das Sandskulpturen-Festival findet zum ersten Mal im Achterhoek statt. An der niederländischen Küste habe es das schon öfter gegeben, berichtet Anna Schmalöer von der Winterswijker „Musikvereinigung Excelsior“. Dieser Verein richtet das Festival ebenso aus wie die Bataaf-Mühlen-Stiftung und das Touristik-Marketing in Südlohn. Unterstützt wird die Veranstaltung von der „World of Sand Sculpting Academy“ (WSSA) in Den Haag.

Daniel Doyle und Marieke van der Meer an der Spitze ihres sandigen T-Rex.

Das Festival-Gelände, etwa so groß wie zweieinhalb Fußballfelder, liegt direkt hinter der Bataaf-Mühle (Bataafseweg 20 a) am östlichen Ortsrand Winterswijks. Es befinde sich in der Nähe eines Grabhügels aus der späten Bronzezeit, sagt Wim Lobeek von der Mühlen-Stiftung. Deshalb hätten sich die Organisatoren für das Thema „Reise durch die Zeit“ entschieden.

Im Mittelpunkt stehen neun Sandskulpturen zur Regionalgeschichte, für die 500 Tonnen Flusssand aus Nimwegen herbeigeschafft wurden. Die Skulpturen entstehen durch pyramidenähnliche Verschalungen, in die der Sand gefüllt und dann per Rüttelmaschine verdichtet wird. So könnten ihm Regen oder Wind nichts anhaben, so Schmalöer. Dazu trage auch die Körnung des Sandes bei.

Für das Festival sind zudem Ausstellungen geplant: etwa zu alten Landmaschinen, historischer Hofbepflanzung, vergessen geglaubten Gemüsesorten. Die Bataaf-Mühle ist für Besichtigungen geöffnet, es gibt unter anderem Konzerte, „Thementage“ und Aktionen für Kinder. Das Festival läuft vom 25. Mai bis Ende August. Die Veranstalter erwarten nach eigenen Angaben rund 40 000 Besucher.

Hand Georg Knapp

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