Auf Glas gemalt
03.01.2010 | 19:33 Uhr 2010-01-03T19:33:00+0100
Am Niederrhein. Die Japanerin Yoshi Yamaushi macht seit 30 Jahren aus dem zerbrechlichen Material Kunststücke – in ihrem Kevelaerer Atelier.
Es gibt Momente, in denen überlegt sich Yoshi Yamauchi, ob sie nicht doch das Malen mit Öl oder auf Papier wieder favorisieren sollte. „Das spart Platz und es ist so viel leichter zu transportieren.” Und dann schiebt die Japanerin, die vor über 30 Jahren am Niederrhein hängen blieb, in ihrem kleinen Kevelaerer Atelier eine Glasplatte an die Seite, hebt sie ans Licht, die Sonne kitzelt die vielen kleinen Farbpigmente, es funkelt und es strahlt, Blau und Gelb und Weiß umarmen sich, es leuchtet, es funkelt. Und die Künstlerin seufzt. Wenn das nicht so ein tolles Material wäre, Glas. Wenn es nicht eine so wunderbare Herausforderung wäre, es zu be- und verarbeiten, es zu verschmelzen und zu formen und dann doch wieder Licht und Leben durchfließen zu lassen...
Yoshi Yamauchi lächelt wie es nur Asiaten können. Vielsagend und sympathisch, geheimnisvoll und still. „Vielleicht versuche ich mal, Glas und Papier miteinander zu verarbeiten. Eigentlich müsste sich die beiden Werkstoffe wunderbar vertragen.” Und dann legt sie das bunte Glas wieder ins Regal und setzt sich an den kleinen Arbeitsplatz an der Venloer Straße. Das Licht flutet das Räumchen von beiden Seiten, ein paar große, schlanke Grünpflanzen räkeln sich in der freundlichen Helligkeit, zwischen Materialkisten, Vorratkartons und gebastelten Papier-Entwürfen hockt die zierliche Künstlerin und sanft, behutsam, fast scheu tupft sie mit dem Pinsel Farbe auf schnödes Fensterglas. Kalt bemalt heißt das dann später. Und dann nimmt sie diese sonderbare Metallfolie, und im glutheißen Brennofen verschmelzen die so unterschiedlichen Werkstoffe, das Glas und die Folie, zu einem einzigartig harmonisch Neuem.
Eigenen Stil entwickelt
Und das kann man dann andie Wand hängen oder ins Regal stellen. Oder, bei den ganz großen Arbeiten, in die Empfangshalle oder in die Fensternische einer Kirchenwand. Seit 35 Jahren lebt Yoshi Yamauchi in Kevelaer, hat viele Jahre als Glasmalerin bei Hein Derix gearbeitet - und ihren eigenen Stil entwickelt.
Dabei wollte sie „damals” nur für drei, vier Monate nach Deutschland kommen, weil „das doch das Land mit der größten Glasmalerei-Tradition” ist. In Venedig hat sie studiert, natürlich in Tokyo, hat an der Verkündigungskirche in Nazareth mitgearbeitet, unter anderem, ja, und dann kam die längst nicht nur in Kennerkreisen so akzeptierte und anerkannte Glasmalereischule Derix in Kevelaer. „Alle waren so nett und freundlich zu mir”, erinnert sich die inzwischen 70-Jährige. Und lächelt. „Ich konnte kein Deutsch und nur ein bisschen Englisch. Da hat mein Chef mich an die Hand genommen, und wir sind zum Eiscafe´ am Kapellenplatz gegangen. Italienisch konnte ich ja. Der Eismann hat dann gedolmetscht.”
Ihr Erkennungszeichen, die verschmolzenen Metallfolien, die so herrlich glänzen und schimmern und sich wunderbar mit dem flachen Glas vertragen, nun, das ist mehr oder weniger dem Ungeschick zu verdanken. Eine Brennarbeit ist in die Hose gegangen. Die Metallfolie zwischen zwei Floatgläsern war geplatzt - und Yoshi Yamachi war nur Sekundenbruchteile sauer auf sich selbst. „Dann sah ich all' die silbern schimmernden Teilchen, das Funkeln, das ein bisschen sogar an die Patina antiker Glasgefäße erinnert. Da wusste ich, das ist es.”
Ist es nun Kunst, die sie macht, oder ein Handwerk, das sie ausübt, Yoshi Yamuchi zuckt die Schultern. „Ein Glaskünstler muss sein Handwerk ebenso verstehen wie ein Handwerker seine Kunst. Ich denke, ich bin beides.”
Ausstellung in Düsseldorf
Ihre Arbeiten sind in Ausstellungen auf der ganzen Welt zu sehen - allein, leben von der Kunst allein, das wird immer schwieriger. „Ich bin ein bescheidener Mensch”, sagt die Japanerin, „und ich hatte ja meinen Beruf als Glasmalerin.” Zurzeit stellt sie in Düsseldorf aus, gemeinsam mit drei Glaskünstlern vom Niederrhein: Auf der GLASpekte in der Tonhalle sind bis zum 7. März auch Objekte zu sehen von Brigitte Böckmann (Alpen), Wilfried Grootens (Kleve), Eva Scheller (Krefeld). Sie gehören der Vereinigung der nordrheinwestfälischen Glaskünstler an, Zufall? Brigitte Böckmann-Jennen, Yoshi Yamauchi und Wilfried Grootens haben alle – zu unterschiedlichen Zeiten – in der Glasmalerei Hein Derix gearbeitet.
Infos: 20 Glaskünstler aus NRW zeigen in der Düsseldorfer Tonhalle bis zum 7. März „GLASpekte”. Dabei sollten sich die zeitgenössischen Künstler von den Werken im Glasmuseum Hentrich inspirieren lassen. Die Künstler wählten ihre Inspirationsquellen aus dem ganzen Spektrum der Glasgeschichte, von den Anfängen im 2. Jahrtausend v. Chr. bis zum Ende des 20. Jahrhunderts.
Öffnungszeiten: di.-so. 11-18 Uhr, Eintritt frei.
Mehr unter http://www.museum-kunstpalast.de/ und http://www.glaskunst-nrw.org/
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