Ab in die Wisseler Dünen
30.09.2011 | 06:00 Uhr 2011-09-30T06:00:00+0200
Kalkar.Der Niederrhein-Guide Wilhelm Miesen führt durch die Wisseler Dünen, die unter Naturschutz stehen. Es ist eine einzigartige Landschaft am Niederrhein mit einer Geschichte, die vom Acker- und Tabakanbau, der Bundeswehr und den Segelfliegern geprägt ist.
Wieselflink spurtet das Kaninchen durch die Dünenlandschaft, als ob es gejagt würde. Dabei besteht die Gefahr nun wirklich nicht, hier im Wisseler Naturschutzgebiet „de Dun“, das ein in der Region einzigartiges Naturschauspiel bietet. Der Morgentau liegt noch über dem Silbergras, die Sonne verleiht dem rotgefärbtem Ampfer noch mehr Leuchtkraft und wärmt den Sandboden auf. Und wenn man nicht wüsste, dass man mitten am Niederrhein ist, würde man hinter den Dünenkuppen das Meer suchen. Mit dem kann Wilhelm Miesen nicht dienen. Aber dafür mit vielen Geschichten über die „Wisseler Dünenlandschaft.“
Und so räumt der Niederrhein-Guide gleich mal mit einem Irrglauben auf: „Lange Jahre galten die Wisseler Dünen als ein Ausläufer der Eiszeit. Aber vor 200 Jahren fand man bei Ausgrabungen in den Dünen Ackergeräte und Sklette.“ Das zeuge davon, dass die Dünenlandschaft im Mittelalter entstanden ist. „Der Rhein hat immer wieder Sand angeschwemmt, der durch den Wind verweht wurde und neue Ufer freigegeben hat“, so Miesen. Wegen des wechselnden Verlaufs des Rheines bauten die Menschen ihre Höfe auf Erdhügel. „Zeitweise wurde Wissel im Mittelalter zur Insel, als der alte Rheinlauf das Dorf umschloss“, sagt Wilhelm Miesen.
Der Landschaftsgärtner führt seit 2007 Besuchergruppen durch die Landschaft, die seit 1935 unter Naturschutz steht und heute vom Wisseler See umschlossen wird. Der entstand in den 30er Jahren mit Beginn des Kiesabbaus. „Heute ist es Naturschutz, früher war es eine Katastrophe. Durch die Überschwemmungen hat man viel Ackerland verloren“, erzählt Wilhelm Miesen, der aber nicht zu detailliert in die Geschichte eintauchen will. Die Besucher sollen einen Anreiz bekommen, in Ruhe durch das 75 Hektar große Gebiet zu laufen, „die Seele einfach mal baumeln zu lassen“, wie Miesen sagt.
Florierender
Tabakanbau
Dabei gibt es so einiges zu erzählen. Zum Beispiel, dass hier einst der Tabakanbau florierte. „Der lockere, lehmig-sandige Boden brachte seit Mitte des 18. Jahrhunderts gute Ernteerträge - bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg“, weiß Wilhelm Miesen. Billigere ausländische Tabake, die verstärkte Nachfrage nach Zigaretten und bessere Verdienstmöglichkeiten in anderen Wirtschaftszweigen führten aber zum Niedergang. 1960 gab in Wissel der letzte Tabakbauer auf.
Dafür kam die Bundeswehr. Bis in die 80er Jahre hinein hatte sie auf einem Teil der Dünenlandschaft einen Übungsplatz. „Das war für uns Kinder spannend. Wir haben hier in den Dünen gespielt und das Knäckebrot kennen gelernt. Das kannten wir ja noch nicht“, erinnert sich Wilhelm Miesen, der 1952 in Wissel geboren wurde und als Einheimischer quasi mit jeder Dünenkuppe vertraut ist.
Er erinnert sich auch noch an die Zeit, als hier die Segelflieger regelmäßig abgehoben haben. Denn ein weiterer Teil des Dünengebiets wurde bereits in den 30er Jahren auf staatliche Anordnung hin vom Reichsarbeitsdienst zur Anlage des Flugplatzes planiert. Heute wird er kaum noch benutzt. „In diesem Jahr ist noch kein Segelflieger abgehoben“, sagt Wilhelm Miesen. Die Fläche eigne sich nicht mehr für moderne Flieger, die mehr Platz bräuchten.
Brütende
Brandenten
Vielleicht fliegen dafür bald mehr Brandenten über die Dünenlandschaft hinweg. „Denn die lassen sich hier von April bis August nieder, bevor sie wieder zurück zum Wattenmeer fliegen. Sie brüten in den verlassenen Kaninchenbauten in den Dünen“, erklärt Wilhelm Miesen. Das Problem sei nur, dass sie sich von den Segelfliegern abschrecken ließen. Den Schatten, den die Flieger werfen, hielten sie bislang für natürliche Feinde.
„Ansonsten leben hier nicht viele auffällige Tiere. Wir haben kein Wild“, sagt Wilhelm Miesen. Dafür aber Krähen, Bussarde, Schmetterlinge oder „Sand-Käfer“, die man aber suchen muss. Wenn man denn will, in „de Dun“, in der man herrlich die Gedanken schweifen lassen kann.
Termin / Führungen: Niederrhein-Guide Wilhelm Miesen führt am Freitag, 30. September, ab 18 Uhr ein letztes Mal in diesem Jahr durch die Wisseler Dünen. Treffpunkt: Düneneingang, Hellendornstraße 31, Kalkar-Wissel. Kosten: vier €, Jugendliche ab 13 zahlen 2 €. Infos auch zu anderen Touren, wie zu Apfel- oder Baumgeschichten: 02824-6831; www.niederrhein-natouren.de
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