40 Jahre Kreis Wesel

Am Niederrhein..  In diesem Jahr wird der Kreis Wesel 40 Jahre alt, was ein guter Grund für eine Bestandsaufnahme ist.

Der Ansatz zur Neugliederung war die Schaffung größerer und leistungsfähigerer Gebietseinheiten. Die Neuordnung musste deshalb alte, historisch gewachsene Strukturen zerschlagen – und es war klar, dass dies nicht ohne Protest ablaufen würde. Zudem war nicht zu übersehen, dass persönliche Eitelkeiten politischer Mandatsträger und parteipolitische Aspekte die Entscheidungsfindung mit beeinflussten.

Neben den rein politischen Dimensionen waren auch raumplanerische Ansätze relevant. So ging es darum, Trennlinien zu überwinden. Eine dieser Trennlinien war der Rhein.

Die kreisfreie Stadt Duisburg wurde linksrheinisch durch Homberg und Rheinhausen erweitert; hinzu kamen Baerl als Teil der damaligen Gemeinde Rheinkamp und die Gemeinde Rumeln-Kaldenhausen.

Der Kreis Wesel umfasste Teile der rechtsrheinischen Kreise Dinslaken und Rees sowie Teile des linksrheinischen Kreises Moers, während dem Kreis Kleve rechtsrheinische Gebietsteile (Emmerich und Rees) zugeschlagen wurden.

Mit rund 1000 Quadrakilotmetern liegt der Kreis Wesel innerhalb der bestehenden 31 (Land-)Kreise in Nordrhein-Westfalen an 16. Stelle. Damit ist eine der „Legenden“ beseitigt, die den Kreis Wesel als überdimensioniertes Flächenmonstrum bezeichnet.

Und auch einem weiteren Kritikpunkt sei an dieser Stelle begegnet: dass die größte Stadt des Kreises nicht die Kreisstadt ist. Es gehört zu den entwicklungspolitischen Instrumenten, eine kleinere Stadt mit höherwertigeren Aufgaben zu betrauen. Eine solche Situation findet sich in 15 der 31 Kreise von Nordrhein-Westfalen.

Auch die räumliche Verteilung der Kommunen innerhalb des Kreises muss eindeutig positiv bewertet werden. Moers und Dinslaken als die beiden größten Städte bestimmen die jeweiligen Hälften des Kreises. Das damit bestehende Süd-Nord-Gefälle wird durch das nördlicher gelegene Wesel als drittgrößter Stadt aufgefangen, indem hier die Funktionen des Kreises gebündelt sind.

Die Bevölkerung des Kreises Wesel hatte 2002 mit 477 906 Einwohnern ihren vorläufig höchsten Stand. Die heutige Zahl liegt um etwa 10 000 niedriger, was aber im demografischen Trend liegt. Von 2008 und 2009 abgesehen, weist der Kreis Wesel immer einen positiven Wanderungssaldo auf. Das ist für einen Raum in einer Ballungsraum-Randlage allerdings nicht untypisch.

Zur Wirtschaftskraft: Der Kreis Wesel wies Ende 2012 mit 22 114 Firmen eine größere Zahl auf als der Kreis Kleve (17.824) und selbst als Duisburg (18.107). Doch Firmenzahlen allein taugen nicht zum Vergleich.

Aussagekräftiger ist die Bruttowertschöpfung (BWS), sie ähnelt dem Brutto-Inlandsprodukt (BIP), das üblicherweise genutzt wird. Dazu präsentiert die IHK Niederrhein eine Zeitreihe ab 1991: Im Vergleich liegt Duisburg (14,8 Milliarden Euro), bedingt durch den hohen Anteil am Industrie-Sektor weit vor Wesel (9,8 Milliarden Euro) und Kleve (7,5 Milliarden Euro).

Kommen wir zu einem so genannten „weichen“ Faktor, der Lebensqualität, die mit dem „Better-Life-Index“ statistisch messbar ist. Dieser wird mit Hilfe von zehn Variablen wie Arbeitsmarkt, Umwelt oder ziviles Engagement erfasst. Auf dieser Grundlage liegt der Kreis Wesel im Vergleich zu allen 412 Kreisen und kreisfreien Städte Deutschlands auf Platz 196, also wieder im Mittelfeld. Zum Vergleich: Kleve liegt auf Platz 303 und Duisburg auf Platz 384.

Anhand dieser Zahlen fällt die Bilanz nach 40 Jahren Kreis Wesel durchaus positiv aus.

Doch drücken Zahlen nur bedingt das Lebensgefühl der Menschen aus...