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10 000 Euro futsch?

15.10.2007 | 20:32 Uhr

BETRUGSVERDACHT. Neue Vorwürfe gegen Friedhelm K. Eine Betroffene versucht, per Gerichtsvollzieher an ihr Geld zu kommen.

AM NIEDERRHEIN. Im Nachhinein hat Karola Pech das Gefühl, dass Friedhelm K. vom Verein "Die Helfenden" aus Rees ihre Unterlagen nur deshalb so sorgfältig durchgeschaut haben könnte, um zu sehen, was bei ihr zu holen ist. Es war allerhand. Er riet ihr, eine Lebensversicherung zu kündigen. Der Mann im Rollstuhl, der ihr von Ben Q-Kolleginnen als pfiffiger Berater vor allem für Menschen mit Behinderungen empfohlen worden ist, habe 10 000 Euro von ihr bekommen, sagt Karola Pech. Er wolle das Geld über einen befreundeten Broker in Düsseldorf gewinnbringend für sie anlegen. Damit sie trotz der Ben Q-Pleite im Alter gut versorgt sei.

Nachdem die Kamp-Lintforterin ihm die zweite Hälfte des Geldes bar übergeben hatte, habe sie nichts mehr von K. gehört. Die Policen, die sie für ihr Geld bekommen sollte, habe sie nie gesehen. Alles, was sie vorweisen kann, ist eine Quittung: "Rentenangelegenheiten" steht als Verwendungszweck drauf. Immerhin hat sie nun ein Versäumnisurteil gegen K. erwirken können, das ihn zur Herausgabe des Geldes verpflichtet. Damit könnte sie nun per Gerichtsvollzieher ihr Geld eintreiben lassen. "Aber ob da was zu holen ist, und wann...", ist sie nicht sehr optimistisch, ihr sauer verdientes Geld wieder zu sehen. 37 Jahre hat sie bei Siemens/Ben Q gearbeitet. Viele Nachtschichten hat sie geschoben, um etwas auf der hohen Kante zu haben. "Und als dann die Pleite kam, hatte man ja Existenzängste.Da war man empfänglich für Hilfe. Und der K. kann ja reden, dass einem schwindelig wird." Inzwischen hat Karola Pech gehört, dass bei der Auffanggesellschaft, in der ehemalige Ben Q-Mitarbeiter geschult werden, vor K. gewarnt werde.

Auch ihre Schwester Maria Angerhausen aus Sevelen hat sich beschwatzen lassen. Sie fürchtet ebenso, ihre 3000 Euro sind perdu. Die habe sie ihm gegeben habe, damit er ihr beim Verkauf ihres Hauses hülfe. Die Strafanzeige, die sie gegen ihn gestellt hat, wird nicht weiter verfolgt. Es lägen der Staatsanwaltschaft Kleve soviele Anzeigen gegen K. vor, heißt es in dem Schreiben, dass dieses Verfahren eingestellt würde. Es würde das ohnehin zu erwartende Strafmaß nicht erhöhen. Jetzt kann Maria Angerhausen nur noch versuchen, zivilrechtlich ihre Ansprüche durchzusetzen.

Die Geschwister sind nicht allein. "Wir am Niederrhein" berichtete schon mehrfach über K., der seine Beratungen auch in einer Duisburger Kirche vor allem türkischen Mitbürgern anbot. Auch sie beklagten, K. habe von ihnen Geld genommen und nichts dafür geleistet. Auch gebe er umfangreiche Unterlagen, die sie ihm überlassen hätten, nicht heraus. Sie wieder zu beschaffen, kostet Geld und Zeit. Das ist das eine. In manchen Fällen aber machen fehlende Unterlagen es den vermeintlichen Opfern noch schwerer, ihre Vorwürfe zu untermauern.

Wieder andere sind so enttäuscht und frustriert, das sie nach zwei Jahren Vertröstungen und vergeblicher Telefonate, Mails und Faxe die Faxen dicke haben. Tanja Paul aus Alpen, ebenfalls ehemalige Ben Q-Mitarbeiterin, gehört zu ihnen: "Der Mann hat mir mehr Ärger und Rennerei beschert, als er mir geholfen hat." Auch sie habe ihm 2500 Euro überwiesen, damit er ihr beim Kauf eines Hauses helfe. Das Haus hat sie gekauft, aber ohne seine Unterstützung. Wichtige Unterlagen rücke er ebenso wie das gezahlte Geld nicht heraus. Und doch habe sie noch keine Anzeige erstattet, räumt sie ein. "An mein Geld komme ich doch eh' nur mit Hilfe eines Anwalts - wenn überhaupt. Und den kann ich mir jetzt als Rentnerin nicht leisten."

Die Staatsanwaltschaft Kleve ermittle nach wie vor umfangreich gegen K., erklärte Oberstaatsanwalt Günter Neifer auf Nachfrage. Zum akutellen Stand der Ermittlungen konnte er nichts sagen, da der betreffende Dezernent, bei dem nun alle Unterlagen zu K. gebündelt werden, in Urlaub sei. Außerdem handele es sich um ein schwebendes Verfahren, bei dem die Unschuldsvermutung gelte. Jedoch strebe man einen Informationsaustausch mit der Staatsanwaltschaft in Duisburg an. Denn einige der türkischen Bürger haben nach NRZ-Informationen bei der Duisburger Polizei Anzeige erstattet. Gleichwohl ist K. bei der dortigen Staatsanwaltschaft noch nicht aktenkundig. "Womöglich liegen die Unterlagen noch bei der Polizei", mutmaßt der Pressestaatsanwalt.

Friedhelm K. ist derzeit rechtswirksam zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Wegen Unterschlagung in vier Fällen und Betrugs. Auch sind noch zwei Verfahren beim Landgericht in Kleve anhängig.

KAREN KLIEM

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