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Vergewaltigung

Neue Fragen im Fall des abgewiesenen Vergewaltigungsopfers

22.01.2013 | 22:36 Uhr
Neue Fragen im Fall des abgewiesenen Vergewaltigungsopfers
Auch im Kölner Heilig Geist-Krankenhaus wurde die 25-jährige Frau im Dezember nicht behandelt.Foto: dpa

Köln.   Vor gut einem Jahr sorgte ein Internet-Bericht über den „Test“ einer Abtreibungsgegnerin in Köln für Unruhe. Sie hatte versucht, an katholischen Kliniken die „Pille danach“ zu bekommen. Am Mittwoch debattiert der Landtag über den Vorfall - und Erzbischof Kardinal Meisner entschuldigte sich.

Unverständnis und heftige Kritik schlagen seit Tagen den beiden katholischen Kölner Krankenhäusern entgegen, an denen Ärzte im Dezember unabhängig voneinander eine vermutlich sexuell missbrauchte 25-jährige Frau abgewiesen haben. Nun wird bekannt: Bereits vor mehr als einem Jahr hat eine selbsternannte Testkäuferin aus dem Umfeld katholischer Abtreibungsgegner versucht, an Kölner Kliniken die „Pille danach“ zu bekommen. Darüber berichtete im vergangenen Februar der rechts-konservative Internetsender „Gloria.tv“.

Zwar erhielt die Frau die Pille nicht in den katholischen Einrichtungen, sondern jeweils nur in Notfallambulanzen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, die jeweils im gleichen Gebäude untergebracht waren. Dennoch berichtet der in Moldawien beheimatete Sender am 3. Februar 2012 bei voller Namensnennung der beteiligten Mediziner: „In katholischen Kliniken in Köln werden durchweg Rezepte für die ,Pille danach’ abgegeben.“

Striktere Verbote für die "Pille danach" nach dem TV-Bericht

Offiziell reagiert die Kirche auf den Beitrag heute mit Abscheu. Vertreter des Erzbistums Köln verurteilen „anschwärzen“ und „Denunziation“. Für Unruhe dürfte der „Test“ seinerzeit dennoch gesorgt haben. Wie der „Kölner Stadtanzeiger“ berichtet, schärfte die Kirche ihren Kliniken zehn Tage nach dem „Gloria.tv“-Bericht noch einmal das strikte Verbot der „Pille danach“ ein. Es gehe um die Klarheit der kirchlichen „Null-Toleranzgrenze“ für Schwangerschaftsabbrüche und „damit verbundene Tötungsdelikte“, zitiert das Blatt aus einem Rundschreiben der Caritas als Dachverband der katholischen Kliniken.

Kardinal Meisner
Kardinal Meisner entschuldigt sich

Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hat sich bei dem abgewiesenen Vergewaltigungsopfer entschuldigt. „Dieser Vorgang beschämt uns zutiefst, denn er widerspricht unserem christlichen Auftrag und Selbstverständnis“, erklärte er gestern. Was der Frau widerfahren sei, hätte nie geschehen dürfen. Es gebe keine kirchliche Anweisung, Vergewaltigungsopfer anders zu behandeln oder abzuweisen.

Indirekt sprach sich Meisner allerdings gegen die „Pille danach“ aus. Die Kirche vertrete eine klare Position des absoluten Lebensschutzes. Er sei sich bewusst, dass das wie in dem Fall der jungen Frau zu „unerträglichen Entscheidungssituationen“ führen könne.

Der Bericht habe wohl „ein Klima der Unsicherheit“ geschürt, vermutet Christoph Leiden, Sprecher der Cellitinnen-Stiftung, die die beiden kritisierten Kliniken betreibt. Und auch die Anfang November verbreitete Stellungnahme der neuen Ethikbeauftragten der Kliniken – sie soll nichts vom „Gloria.tv“-Beitrag gewusst haben – habe „vielleicht Unklarheiten“ enthalten, gibt Leiden zu. Zudem hätte das Rundschreiben nicht alle Mitarbeiter erreicht. Als Folge habe es „Gerüchte“ und „Kolportagen“ unter den Ärzten gegeben, so der Sprecher. Eine „eindeutige Verfahrensanweisung“ soll dem nun einen Riegel vorschieben, kündigte Leiden an.

NRW-Landtag beschäftigt sich mit Eilantrag der Piraten-Partei

Inhaltlich dürfte sich diese indes kaum vom Statement der Ethikbeauftragten unterscheiden: Frauen, die Opfer eines Sexualdelikts geworden sind, ist sofort und fürsorglich zu helfen und auch die „anonyme Spurensicherung“ für eine spätere Beweisaufnahme anzubieten – die „Pille danach“ dürfte in katholischen Kliniken indes auch nach möglichen Vergewaltigungen weiter tabu bleiben. Das deutete gestern auch Kölns Kardinal Meisner an. Mit dieser Haltung beschäftigt sich am Mittwoch auch der NRW-Landtag. Die Piraten-Partei hat einen Eilantrag eingebracht und fordert: „Mit Steuergeldern geförderte Krankenhäuser dürften in keinem Fall medizinische Versorgung sowie psychologische Unterstützung verwehren.“

Thomas Rünker, Annika Fischer

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