Neubau mit Dachschaden

Duisburg..  Stolz war die damalige Stadtspitze, als im Oktober 2011 das neue Berufskolleg Duisburg Mitte im Stadtteil Neudorf eingeweiht wurde. Ein privater Investor hatte die Schule für 5000 Schüler gebaut, die Stadt mietet seitdem das Gebäude. Doch schon bald mehrten sich die Klagen über Mängel, die Liste war seitenlang. Nun hat das neue Haus, das zwei Berufskollegs unterbringt, einen Dachschaden: Das technische wie das kaufmännische Kolleg klagen über feuchte Räume und Wände in den oberen Etagen; zwei Lehrerarbeitsräume mussten wegen Schimmelbefalls gesperrt werden. Zu allem Überfluss tropfte im technischen Berufskolleg vor sechs Wochen nach einem Heizungsrohrbruch noch mehr Wasser durch die Decke. Dieses Mal mussten vier Klassenräume gesperrt werden.

Laut Immobilien-Management Duisburg (IMD), das als städtische Tochter das Gebäude verwaltet, kam es trotz der Schäden zu keinem Unterrichtsausfall. Da in einer Berufschule eben nicht immer alle Schüler anwesend sind, gebe es ausreichend viele Klassenräume.

Rollos fahren nicht hoch,Fenster nicht zu öffnen

Lange Mängellisten weist IMD-Bereichsleiter Claas Frein als unzutreffend zurück: „Das Gebäude hat einen noch ungeklärten Schaden im Dach, das stimmt, dieser fällt sogar noch in die Gewährleistung. Diesen Schaden müssen wir erst noch lokalisieren, aber dann wird saniert. Ansonsten ist das Gebäude in einem Top-Zustand, es riecht sogar noch neu!“ Lehrer und Schüler sehen das indes so: Es gibt Rollos, die nicht mehr hochfahren und die Klassen somit kein Tageslicht haben. Es gibt Fenster, die sich nicht mehr öffnen lassen und folglich in den Klassen dicke Luft herrscht. Auch deswegen, weil in allen Klassen Teppichboden verlegt wurde, der bei der aktuell feuchten Witterung müffelt. Und wenn ein Fehler gemeldet wird, dauere es meist sehr lange, bis er behoben ist.

Die Stadt spricht indes von „fehlerhafter Bedienung mit der modernen Technik“. So müssten etwa die Fensterhebel in korrekter Position sein, damit in den Räumen die Lüftung oder die Heizung anspringe. Herrscht in einem (Klassen-)Raum relative Bewegungslosigkeit, erlöscht nach kurzer Zeit das Licht, weil ein elektronischer „Präsenzmelder“ verhindert, dass leere und (scheinbar) unbenutzte Räume beleuchtet oder beheizt werden.

Hohe Summe beeindrucktden Steuerzahlerbund

Dem Bau der Riesenschule ging eine vehemente Debatte über die Finanzierung voraus: Die damalige Stadtspitze unter OB Adolf Sauerland (CDU) setzte schließlich den privaten Investor durch. Das Argument damals: Es wäre teurer, wenn die Stadt selbst baut. Die Bezirksregierung erlaubte denn auch den Bau durch das Unternehmen Goldbeck. „Public private partnerhip“ nennt man es, wenn Private für die Öffentliche Hand arbeiten.

Konkret zahlt die Stadt Duisburg nun für die Dauer von 25 Jahren jährlich einen Betrag von 7,1 Mio. Euro, also 591 000 Euro pro Monat an das Bielefelder Bauunternehmen Goldbeck. Errichtung und Betrieb werden die Stadt am Ende stattliche 177 Mio. € gekostet haben. In diesem Betrag sind auch die Betriebskosten.

Den Bund der Steuerzahler (BdSt) hat diese hohe Summe bereits beeindruckt: „Sie erscheint uns recht hoch, wir haben auch noch keine Vergleichsmöglichkeiten“, so Markus Berkenkopf zur NRZ. Dass Städte und Gemeinden mit privaten Bauherren zusammenarbeiten, hält man beim BdSt nicht grundsätzlich für falsch: „Es gibt den Kommunen Planungssicherheit, auch bei Betriebskosten und Instandhaltung“, so Berkenkopf. Zu bedenken sei jedoch, dass die Politik bei solchen Kooperationen meist außen vor bleibe. „Das Verfahren birgt ein Demokratiedefizit, es ist oft intransparent.“ Dass vor allem klamme Kommunen auf private Investoren geradezu angewiesen seien, hält man beim Bund der Steuerzahler jedoch für abwegig: „Entscheidend ist immer die Wirtschaftlichkeit. „Auch wer wenig Spielräume hat, muss erst recht sparsam wirtschaften.“