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Neonazis

Neonazis spannen braunes Netz an Rhein und Ruhr

15.11.2011 | 20:34 Uhr
Neonazis spannen braunes Netz an Rhein und Ruhr
Aufmarsch von NPD-Anhängern. Unter dem braunen Parteidach versammeln sich auch Freie Kameradschaften. Foto: Getty

Essen.   Fackelaufmarsch in der Landeshauptstadt Düsseldorf, öffentliche Waffenkunde und interne Rathaus-Runde in Dortmund: Neonazis wollen im Großraum NRW Fuß fassen – oft mit Hilfe der NPD. DerWesten berichtet, in welchen Städten sich die braune Szene eingenistet hat.

Sie kamen, als es stockdunkel war, trugen schwarze Kutten und weiße Masken, zündeten bengalische Feuer und riefen Nazi-Parolen: rund 80 Gestalten, die nicht durch Jena, auch nicht durch Dortmund zogen, sondern durch Düsseldorf. Ein gespenstischer Aufmarsch, am 8. November, 22 Uhr, in Kaiserswerth, mitten auf dem Marktplatz. „Demon­strationen wie diese kommen in Mode“, sagt Prof. Fabian Virchow, Leiter des Forschungsschwerpunkts Rechtsextremismus/Neonazismus an der Fachhochschule Düsseldorf.

Der Mob taucht aus dem Nichts auf, und dorthin verschwindet er auch wieder. In Nazi-Hochburgen im Osten kennt man den Spuk. Jetzt hat er die NRW-Landeshauptstadt erreicht. Zurück bleiben verängstigte Anwohner und ratlose Polizisten. Als die anrückten, waren die Vermummten längst weg. Nur deshalb habe die Öffentlichkeit nichts von dem Vorfall erfahren, sagte gestern ein Polizeisprecher. Man habe keinen Akteur und auch keine Handhabe. Nur die Erkenntnis: Nazis kommen in vielen Gewändern daher.

Die Szene im Ruhrgebiet ist dicht vernetzt. In der ersten Reihe steht die NPD, die sich als zentrale Instanz für Aktionen anbieten will. Aus abgefangenen E-Mails der NPD geht hervor, dass sich unter dem Dach der braunen Partei auch so genannte Freie Kameradschaften sammeln. So organisiert einer der bundesweiten Vorleute der freien Rechtsradikalen, Christian Worch aus Parchim in Mecklenburg-Vorpommern, regelmäßig Demos, die von der NPD beworben werden.

Waffenkunde vor der Polizei

Dabei treten auch Neonazis aus Gelsenkirchen , Recklinghausen und Köln auf. In einer E-Mail an Gesinnungsgenossen berichtet Worch, wie auf einer Demo in Dortmund öffentlich vor der Polizei darüber referiert werden konnte, wie unterschiedlich „verschiedene Faustfeuerwaffen-Kaliber wie 7,65, 9 Millimeter Parabellum oder .45 ACP“ eingesetzt werden können „und für welche Art von Ziel welche Art von Kaliber besonders geeignet“ ist.

Der Hang zur Gewalt ist ständig präsent. In Unna etwa marschierten vor einem Jahr NPDler gemeinsam mit den freien Neonazis Axel Reitz aus Köln und Sven S. aus Düsseldorf. Der verurteilte Gewalttäter Sven K. aus Dortmund durfte ein Grußwort verlesen. K. war erst kurz zuvor aus mehrjähriger Haft entlassen worden. Er hatte einen Punker in der U-Bahn erstochen.

Aufrufe zu Judenmorden

In Gelsenkirchen ist vor allem die Jugendorganisation der NPD aktiv. Immer wieder kommt es zu ausländerfeindlichen Demonstrationen. Wiederholt wurde öffentlich zur Ermordung von Juden aufgerufen. Einer der Aktivsten ist Dennis B.. Der Neonazi bietet sich als Helfer im ganzen Bundesgebiet an und versucht so Einfluss zu gewinnen.

Auch in Essen versuchen die Nazis immer wieder Fuß zu fassen. Einer der Vorleute hier: der Borbecker Marcel Haliti. Im Namen der NPD rief er wiederholt zu judenfeindlichen Demos auf. Etwa in Katernberg, um dort gegen die Überfremdung in den Schulen zu protestieren.

Freie und konservative Faschisten

In Bochum gilt Andre Z. als einer der aktivsten Rechtsradikalen. Allerdings scheinen sich hier die Schwerpunkte der gewaltbereiten Neonazis zu verschieben. Während sich braune Kader früher vor allem rund um die NRW-Zentrale der NPD in Wattenscheid sammelten, dominieren heute „Freie Kameradschaften“ in Langendreer und Werne.

Weitere Nazi-Schwerpunkte finden sich am Niederrhein. Während im Duisburger Raum unter anderem der vorbestrafte Gewalttäter Kevin G. Aufmärsche veranstalten will, um für die Wiedereinführung der Todesstrafe zu werben, sitzen in Krefeld organisierte NPDler, die den biederen Gedanken vom konservativen Faschismus pflegen, wie ihn auch der neue NPD-Chef Holger Apfel propagiert.

Marschbesprechung im Dortmunder Rathaus

„Die Kameradschaft Aachener Land und eine verfestigte Szene in Wuppertal“ nennt Nazi-Forscher Virchow als weitere braune Punkte auf der NRW-Karte. Immer wieder versuchen Nazis den Aufbau einer auf alle Ruhrgebietsstädte übergreifenden Organisation. Unter anderem trafen sich Neofaschisten im Dortmunder Rathaus, um dort ungestört ihre Thesen vom gemeinsamen Vormarsch zu diskutieren. Dies belegen Fotos, die der WAZ vorliegen. Allerdings scheiterten bislang alle Versuche am gegenseitigen Misstrauen der Extremisten. So warfen sie sich gegenseitig in Hass-E-Mails vor, Spitzel des Verfassungsschutzes zu sein, wie aus abgefangenen Unterlagen hervorgeht.

Es bleibt also bei einem reinen Netzwerk, das sich allerdings als umso stabiler erweist. So berichten mehrere Zeugen davon, dass seit Jahren enge Kontakte auch in den Osten gepflegt werden.

Terror-Touristen aus Thüringen

Schon in den 1990er-Jahren besuchte der Thüringer Heimatschutz bundesweit rechte Demonstrationen – oft gemeinsam in einem Bus. Das nennt einer der intimsten Kenner der Jenaer Nazi-Szene, Lothar König, Demo-Tourismus. König betreibt in Jena das Antifa-Projekt JG Stadtmitte und hat auch das Terror-Trio Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe bekämpft, ehe es abtauchte. König hält die Theorie von westdeutschen Unterstützern für realistisch.

„Die Jenaer Gruppe ist schon immer bundesweit unterwegs gewesen, auch vor ihrem Abtauchen. Die brauchten dann natürlich langjährige Helfer und kurzfristige Unterstützer“, sagt König. „Es läge nahe, dass sie diese Kontakte genutzt haben. Im Prinzip waren die ja auf der Flucht – auch wenn sie offenbar niemand wirklich gesucht hat.“

Alle Texte und Bilder zum Jahresrückblick finden Sie in unserem Spezial.

Nazi-Demo in Dortmund
Dortmunds Nazi-Protest
Polizei geht gegen Neonazis vor

 

Klaus Brandt / David Schraven

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Kommentare
16.11.2011
13:36
Blockierter Kommentar.
von heidelbergensis | #42

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

16.11.2011
13:32
eine Horde solcher Typen kam vor ca. 20 Jahren im Winter in C-R aus dem Nichts
von Schweriner | #41

Ich ging mit meinem Hund spazieren, dann sah ich ca. 50 schwarzgekleidete Männer zackig auf dem Bürgersteig gehen, größtenteils Glatzen. Ich ging vom Bürgersteig runter, sie gingen größtenteils stumm an mir vorbei, einer sagte zum mir "verschwinde, sonst machen wir einen Hotdog aus Deinem Köter". Dann waren sie weg. Ich war mit den Nerven runter und war froh, dass der Spuk vorüber war. In der Zeitung stand nichts, sowas will ich aber wirklich nie wieder sehen, mir fiel erst wieder ein, als ich diesen Artikel gelesen habe. Die armen Leute, die sowas aktuell miterleben müssen.

16.11.2011
13:06
@39
von achkommschon | #40

Sehr gute Umschreibung!
Genau das ist der springende Punkt. Die Medien machen nichts anderes als durch diese rhetorische Berichterstattung die Menschen zu manipulieren. Und das nur in eine einzige Richtung.

16.11.2011
13:00
Was genau ist hier wirklich dubios?
von MrsNobody | #39

AndyMayer ist alles Andere als dubios. Er spricht nur Wahrheiten aus, die eine seit jahrzehnten manipulative Presse samt der Regierung unterdrückt. Es wurde vieles gesagt, fakt bleibt: immer nur die allgegenwärtig böse Nazikeule zu schwingen, benebelt nur kurzfristig und auch nur Menschen, denen Denkvermögen abhanden kam.

Wir beschäftigen Heerscharen von Industriezweigen für die Integrations-/Migrationsindustrie. Warum sind wir im eigenen Land Menschen, die immer neue Forderungskataloge von Minderheiten erfüllen müssen, derzeit machtlos zur Kenntnis nehmen, wie man Gast im eigenen Land wird? Eine ungeschönte (und daher nicht publizierte) Kriminalstatistik in allen (!) Bereichen dürfte für Schockzustände im Land sorgen. Die Oberen wissen das alles, haben es aber erfolgreich verdrängt bzw. unterdrücken es gar.

Wenn der Bürger im eigenen Land Opfer von Globalisierungs- und Finanzwahn wird, darf man sich nicht wundern, wenn Handlungen / Gedanken genau dort aufgegriffen werden, wo man sich verstanden fühlt.

Wir sind längst nicht mehr in einer Demokratie - nur die Gaukeleien der wahlweise immer gleichen politischen Kasper schwören uns gebetsmühlenartig darauf ein. Wir ernten, was wir säen. Und insofern hat Andy durchaus recht.

Das Vokabular, was die Presse derzeit reißerisch benutzt, ist manipulativ. Der Satz, dass Gewalt keine Lösung ist, hat bitte schön in allen Ebenen Gültigkeit zu haben und ist mit Härte zu ahnden. In Deutschland funktioniert das nur plakativ in eine Richtung.
Meiner Ansicht nach stimmt hier etwas ganz und gar nicht, der ganze Fall ist undurchsichtig und dubios und legt die Vermutung nahe, dass hier etwas gesteuert wird, um etwas Anderes noch Größeres zu verwaschen ... wenn man das Volk auf Altbewährtes einstimmt, kann man es ablenken von Dingen, die weitaus rabiatere Konsequenzen haben werden!

16.11.2011
12:46
@ 36 huldreicher Demokrat
von AndyMayer | #38

So so - für eine vor der aktuellen Lage sicher berechtigten Frage auf einen Kommentar, der den Straftatbestand des § 130 StGB (Volksverhetzung) erreichen dürfte - und zwei Hinweise auf überprüfbare Fakten - auch wenn sie dem einen oder anderen nicht in den Kram passen und nicht gehört werden wollen - haben sie also das Mittel der "Sperrung"?

Na - da wird das aber bestimmt noch was mit der "Demokratie" bei solchen "Demokraten" wie Ihnen- oder?

16.11.2011
12:46
#35 Enttarnt
von AntonC | #37

Gut, dass sie sich enttarnt haben, sie sollten den Weg ihrer Kameraden gehen.

16.11.2011
12:25
Blockierter Kommentar.
von Huldreich | #36

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

16.11.2011
12:18
Blockierter Kommentar.
von AndyMayer | #35

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

16.11.2011
12:18
Blockiert
von lupo | #34

Was kann das dem Leser sagen, wenn von 32 Kommentaren 13 (wenn ich mich nicht verzählt habe) durch einen Moderator(?) blockiert werden.

1 Antwort
Blockierter Kommentar.
von AntonC | #34-1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

16.11.2011
12:09
@14
von achkommschon | #33

Da kenne ich noch andere, die auch das Land nach kriminellen Aktivitäten verlassen sollten. Da ist es sogar noch einfacher, meist besitzen diese gar keine d. Staatsbürgerschaft.

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