Nach Überfallserie gehen Bürger in Aachen nachts auf Streife

Die Bürgerinitiative "Wir helfen Aachen" will einer Serie von Raubüberfällen entgegenwirken.
Die Bürgerinitiative "Wir helfen Aachen" will einer Serie von Raubüberfällen entgegenwirken.
Foto: WAZ FotoPool
Nach einer Serie von Raubüberfällen gehen Bürger seit einigen Wochenenden nachts in der Aachener Innenstadt auf Streife. Mit den Streifen wolle man Präsenz zeigen und die Polizei unterstützen. Diese ist nicht ganz glücklich mit der Aktion und mahnt: Man sollte sich nicht in Gefahr begeben.

Aachen.. Nach einer Serie von Raubüberfällen gehen Bürger seit einigen Wochenenden nachts in der Aachener Innenstadt auf Streife. „Wir helfen Aachen“ heißt die lockere Initiative, die sich rund um einen Sicherheitsunternehmer zusammengefunden hat. Sie soll nach Aufrufen im Internet etwa 30 bis 40 Personen zählen und sieht sich selbst als Ausdruck von Zivilcourage. Mit den Streifen wolle man Präsenz zeigen und die Polizei unterstützen.

In Kleingruppen sind die Aktivisten nicht-uniformiert unterwegs und vermelden – wie sie sagen – „erste Erfolge“. Beispielsweise habe man sich neben einem Geldabheber am Bankautomaten postiert und so verhindert, dass dieser von „vier Gestalten“ beraubt wurde. Oder man habe jemanden geweckt, der mit dem Handy in der Hand auf offener Straße eingeschlafen war. So habe man „das Risiko gemindert“, dass ihm das Mobiltelefon geklaut werden konnte.

Reger Zuspruch im Internet

Bürgerwehr Dass die Aktivisten die Polizei gerufen und so eine Straftat verhindert haben, ist bislang offenbar nicht vorgekommen. Im Präsidium konnte man sich am Montag auf NRZ-Nachfrage nicht daran erinnern. Ohnehin steht die Polizei dem Vorhaben höchst distanziert gegenüber. Prinzipiell, so Sprecher Paul Kemen, sei es zu begrüßen, wenn Bürger wachsam sind: „Eine Bürgerwehr lehnen wir aber ab, auch Bürgerstreifen sehen wir skeptisch.“ Diese führten bloß zu einem Verdrängungseffekt; Straftaten würden dann anderswo begangen. „Nur die Polizei ist in der Lage, Verbrechen nachhaltig zu bekämpfen“, betonte Kemen. Im Gespräch mit der Initiative haben Beamte klargemacht, dass diese auf eigene Verantwortung handele und sich nicht in Gefahr begeben solle.

Bürgerwehr Im Internet findet „Wir helfen Aachen“ regen Zuspruch. Bei Facebook sammelte sie schon mehr als 5000 „Likes“, also Gefallensbekundungen. Das freilich dürfte vor allem Ausdruck dessen sein, wie sehr die Raubserie die Bürger vor Ort erschreckt hat. 45 Überfälle zählte die Polizei zwischen Ende August und Anfang Oktober. Die Vorgehensweise war fast immer gleich, die häufig angetrunkenen Opfer wurden von hinten angegangen, dann wurden Handys oder Geldbörsen gestohlen. Allerdings hat die Polizei längst auf die Serie reagiert, Ermittlungen und Streifen verstärkt. Es gab zehn Festnahmen. Laut Paul Kemen ist der Großteil der Taten geklärt, eine Häufung gebe es nicht mehr.