Nach dem Abi geht’s ab ins Leben

Drei Abiturienten aus Duisburg erzählen uns - wenige Tage nach ihren Abiturprüfungen - was sie für Pläne für die Zukunft haben. In einem Jahr treffen wir die drei dann wieder und fragen, was aus ihren Plänen geworden ist: Marcel Becker, Marie Horstkamp (mit der braunen Jacke) und Marlene Maßmann.
Drei Abiturienten aus Duisburg erzählen uns - wenige Tage nach ihren Abiturprüfungen - was sie für Pläne für die Zukunft haben. In einem Jahr treffen wir die drei dann wieder und fragen, was aus ihren Plänen geworden ist: Marcel Becker, Marie Horstkamp (mit der braunen Jacke) und Marlene Maßmann.
Foto: Ute Gabriel
Was wir bereits wissen
Drei Abiturienten aus Duisburg erzählen, welche Pläne sie haben – in die Medizin, zur Polizei, nach Maastricht.

Duisburg.. Ihr 17. Geburtstag ist erst wenige Wochen her. Trotzdem soll Marlene Maßmann schon jetzt Entscheidungen treffen, die ihr gesamtes Leben beeinflussen. Viel Druck für eine so junge Frau. Aber so wollte es die große Politik, als sie das Abitur schon an das Ende des achten Schuljahres auf dem Gymnasium setzte. Ja, häufig habe Marlene Druck gespürt. Zum Beispiel immer dann, wenn ihre Lehrer am Kopernikus-Gymnasium in Duisburg den umfangreichen Stoff der Lehrpläne doch nicht im Unterricht unterbringen konnten und die Schüler ihn in Heimarbeit nachholen mussten. Aber was Marlene mit ihrem Leben nach der Schule anfangen will, das ist ihr schon länger klar.

„Ich werde nach Wisconsin in die USA gehen und dort ein Studium in Pre-Medicine beginnen“, sagt sie mit einer für eine gerade 17-Jährige beeindruckenden Überzeugung. Als Medizinerin will sie einmal arbeiten, mit diesem Vor-Studium lässt sie sich jedoch eine Hintertür offen, denn sie besucht auch Kurse in Psychologie und Pharmazie.

Um sicher zu sein, dass ihr das gefällt, hat sie – neben der Schule – einiges auf sich genommen. Beratung beim Arbeitsamt, Tests, ob ein naturwissenschaftliches Studium ihren Fähigkeiten entspricht, und nicht zuletzt zahlreiche Gespräche mit Familie und Freunden. „Meine Schwester war auch ein Jahr in Amerika, mit ihr zusammen bin ich vor Kurzem zu Besuch dort gewesen, um ein Gefühl dafür zu bekommen“, erzählt sie.

Entscheidung herausgezögert

Ins Ausland zieht es auch Marc Becker – und das nicht zum ersten Mal. Einen Auslandsaufenthalt in Kanada baute er schon in seine nur acht Jahre auf dem Gymnasium ein. Nach dem Abitur verbringt er nun einige Wochen in Argentinien und arbeitet freiwillig in einer Kindereinrichtung mit. „Danach beginne ich in den Niederlanden in Maastricht ein Studium im Fach International Business“, sagt er.

Anders als Marlene hat der 17-Jährige die große Entscheidung über seinen Lebensweg nach der Schule länger hinausgezögert. „Viele aus unserem Abiturjahrgang haben das lange vor sich hergeschoben und das Thema gemieden. Ich auch.“ Viel mehr wollten die Schüler einfach auch mal sein, was sie sind: Jugendliche mit Hobbys und Interessen abseits der Schulbänke. Aber Freizeit ist für einen G8-Abiturienten knapp bemessen. Bis 16 Uhr dauerte für die drei Duisburger häufig der Schultag. Für Freunde und Freizeit blieb neben den Hausaufgaben wenig Raum. „Ich weiß, dass viele sagen, wir stünden unter großem Druck, aber wir kennen es ja nicht anders. Wie sollen wir es da vergleichen?“, fragt Marc. Seine Cousine machte ihr Abitur noch in neun Jahren auf dem Gymnasium. „Sie hatte tatsächlich mehr Freizeit, aber den Abiturstress hätte ich mir schon schlimmer vorgestellt. Aber da kommt es auch drauf an, wie jeder einzelne damit umgeht.“

Nichts dem Zufall überlassen

Den Stress gespürt hat Marie Horstkamp auf jeden Fall. Aber immer mit einem großen Ziel vor Augen: Ihren Kindheitstraum verfolgt sie seit Jahren mit Fleiß, Akribie und großem Einsatz. Polizistin will die 18-Jährige werden. Kommissar Zufall sollte auf dem Weg dorthin aber nichts überlassen werden. Daher bewarb sie sich in Hamburg, Niedersachsen, NRW und bei der Bundespolizei – und stellte sich überall den langwierigen Auswahlverfahren mit schriftlichen Tests, sportlichen Eignungsprüfungen, ärztlichen Untersuchungen und Vorstellungsgesprächen.

„Da habe ich schon einige Tage in der Schule verpasst und musste zu Hause viel nacharbeiten. Aber so ist das, wenn man einen Traum hat“, sagt sie und lacht. Dabei sind die Entbehrungen, die die 18-Jährige in ihrem letzten Schuljahr auf sich nahm, beachtlich. Nicht selten saß sie deshalb bis nachts am Schreibtisch. Verwirklichen darf sie ihren Traum bald bei der Bundespolizei.

Marlene, Marie und Marc sind drei von knapp 93 000 jungen Menschen an Rhein und Ruhr, die in diesen Tagen ihre Reife-Zeugnisse erhalten werden. Genau wie die drei Duisburger mussten sie alle sich früh in ihrem Leben mit großen Fragen über ihre Zukunft auseinandersetzen. „Bei all den Diskussionen um G8/G9 fühlt man sich schon ein bisschen wie ein Versuchskaninchen. Damit müssen wir zurechtkommen. Hoffentlich haben wir die richtigen Entscheidungen getroffen“, sagt Marc.