Müll möglichst ortsnah beseitigen

An Rhein und Ruhr..  Beim Müllsortieren sind die Deutschen Weltmeister. Graue, grüne, blaue, gelbe Tonne. Mit dem ökologischen Abfallwirtschaftsplan will Grünen-Umweltminister Johannes Remmel nun die wirtschaftliche Verwertung von Biomüll weiter steigern. Statt bisher 104 Kilo pro Jahr und Einwohner soll jeder nordrhein-westfälische Bürger künftig rund 150 Kilo verwertbare Bioabfälle und Grünschnitt vom Restmüll trennen. Dabei verzichtet der Minister auf den befürchteten Zwang zur Biotonne. Anwohner klagen über massive Geruchsbelästigungen durch die Biotonne – vor allem in den Sommermonaten.

Ziel des Abfallplans ist eine bessere Verwertung von Biomüll als Energie- und Rohstoffquelle. Bis 2025 soll die bisherige Menge Biomüll von knapp fünf Millionen Jahrestonnen auf 4,4 Millionen Tonnen reduziert werden. Dabei setzt Remmel in ländlichen Regionen auch auf die Eigenkompostierung. Außerdem enthält der Abfallplan Handlungsempfehlungen zur getrennten Erfassung und Verwertung von Bioabfällen. So eignen sich Bioabfälle besonders zum Betrieb von Biogasanlagen und der klimaneutralen Produktion von Strom und Wärme.

Abfallmengennehmen ab

Die stärkere Verwertung von Biomüll hat aus Sicht von Minister Remmel Folgen für die Müllverbrennungsanlagen im Lande: „Insgesamt ist klar, dass die Kapazitäten der Hausmüllverbrennungsanlagen mittel- bis langfristig an die abnehmenden Abfallmengen angepasst werden müssen.“ (siehe Box) „Wir haben uns bei der Erstellung des Abfallwirtschaftsplans an drei Eckpunkten orientiert: Mülltourismus vermeiden, hochwertig verwerten und ortsnah beseitigen“, sagte Remmel. Abfälle, die in NRW anfallen, müssen möglichst in der Nähe des Ortes, wo sie entstehen, entsorgt werden. Das Konzept sieht fünf Entsorgungsregionen vor, innerhalb deren Grenzen die Siedlungsabfälle entsorgt werden müssen:
Region 1: Düsseldorf, Krefeld, Mönchengladbach, Euskirchen, Heinsberg, Kleve, Viersen und Wesel, Neuss, Rhein-Erft-Kreis, Aachen und Düren.
Region 2: Köln, Leverkusen, Oberbergischer und Rheinisch-Bergischer Kreis, Bonn, Rhein-Sieg-Kreis.
Region 3: Regierungsbezirk Arnsberg ohne Bochum, Herne und Ennepe-Ruhr.
Region 4: Regierungsbezirk Detmold.
Region 5: Zweckverband EKOCity: Bochum, Herne, Remscheid, Wuppertal, Mettmann, Recklinghausen, Ennepe-Ruhr, Bottrop, Essen, Gelsenkirchen, Mülheim, Duisburg, Münster, Oberhausen, Solingen, Borken, Coesfeld, Steinfurt und Warendorf.

Steuerzahlerbund gegen„Planwirtschaft“

Durch die Entsorgungsregionen sollen die Abfallgebühren vergleichbar und ein „ungesunder Dumping-Preiskampf“ verhindert werden. Der Zuschnitt der Regionen ist ein Vorschlag, der noch mit dem Umwelt- und Kommunalausschuss abgestimmt werden soll.

Auf welche Art und Weise Kommunen Biomüll sammeln und verwerten, soll ihnen selbst überlassen bleiben. „Die Kommunen wissen am besten, was machbar ist“, sagte Remmel. Ein Großteil der NRW-Kommunen hat allerdings bereits eine Biotonne eingeführt.

Schon im Vorfeld hatte der Bund der Steuerzahler vor weiter steigenden Abfallgebühren durch die Einführung fester Entsorgungsgrenzen gewarnt. „Mit einer solchen Planwirtschaft fallen Transporte zum kostengünstigsten Anbieter weg.“