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Mit dem Bus quer durchs Land

17.01.2013 | 18:36 Uhr
Mit dem Bus quer durchs Land
Am Dienstag, den 15. Januar 2013, fuhr ein Fernbus von Düsseldorf nach Freiburg.Im Bild: Die Mitfahrer Ertan Yazici (36), Daniel Hörnig (32) und Lotte Clever (65).Foto: Denis de Haas

Düsseldorf/Freiburg.   Seit dem 1. Januar dürfen Fernbusse deutsche Städte miteinander verbinden. Ab Düsseldorf geht’s jetzt auch in sechseinhalb Stunden nach Freiburg. Unterwegs gibt es ungewöhnliche Begegnungen.

Orhan Bingöls Frühsport heißt Gepäck wuchten. Morgens ab 6 Uhr lässt er am Busbahnhof in Düsseldorf die Muskeln spielen und verstaut die Reisetaschen, Rucksäcke und Koffer seiner Fahrgäste. Diese Aufgabe ist für Bingöl neu. Bis vor zwei Monaten fuhr er noch Linienbusse durch Köln. „Ab 15 Uhr stand ich da meistens im Stau. Das war schon anstrengend“, erklärt Bingöl.

Sein neuer Arbeitsplatz raubt ihm weniger Nerven. Bingöl steuert mittlerweile Fernbusse von Düsseldorf nach Freiburg und zurück. Dass er jetzt in diesem knallgrünen Bus am Lenkrad sitzt, liegt an der Abschaffung eines über 70 Jahre alten Gesetzes. Fernbusse waren nicht genehmigt, wenn es parallel eine Zugverbindung gibt. Die Schutzklausel für die Bahn endete am 1. Januar 2013.

480 Kilometer bis ins Breisgau

Bingöl schaut auf sein Handy und hakt die Namen von acht Passagieren ab. Die 480 Kilometer lange Fahrt kann beginnen, in sechseinhalb Stunden soll der Bus in Freiburg sein. „Wir werden uns allerdings ein wenig verspäten“, sagt der Fahrer durchs Mikrofon. Es hat geschneit – bis zum ersten Zwischenstopp nach Köln geht es nur schleppend voran.

Der zähflüssige Verkehr stört Daniel Hörnig nicht. Im Gegenteil. Der 32-Jährige knüpft im Bus schnell Kontakte. Hörnig hat gemeinsam mit Kumpel Ertan Yazici Tickets nach Straßburg gekauft. Dort holen sie ein Auto ab – Yazici hat in Frankreich einen 7er BMW bestellt. „Eigentlich wollten wir mit einem Auto runter fahren und mit zwei zurück. Doch dann habe ich das Angebot mit dem Fernbus gesehen und gebucht“, erklärt Hörnig.

Jetzt sitzen die beiden neben einer Frau aus Los Angeles: Lotte Clever wanderte vor über 30 Jahren in die USA aus, besucht derzeit ihre Mutter aus Düsseldorf. Und wenn sie über den großen Teich fliegt, macht sie schon mal einen Abstecher nach Freiburg. Im Breisgau leben Freunde – und die erreicht Lotte Clever jetzt per Bus.

Acht Passagiere in Köln

Orhan Bingöl fährt am Kölner Hauptbahnhof vorbei Richtung Busbahnhof. Die nächste Einheit Gepäck wuchten steht an. Wieder hakt der Fahrer acht Namen auf seiner Liste ab. Viele Plätze bleiben heute im Bus leer. „Von Freitag bis Sonntag sind die meisten Fahrten dafür ausgebucht. Da haben wir auch schon unsere Stammgäste“, sagt Bingöl. Er kennt sie, die Düsseldorfer, die im Breisgau studieren, die Freiburger, die ihre Freundin im Rheinland besuchen.

An einer Tankstelle steigt ein zweiter Fahrer ein und löst Orhan Bingöl bis zum Hunsrück ab. Die Ruhezeit für den Chefpiloten beginnt. Ertan Yazici hat den Fahrerwechsel gar nicht mitbekommen. „Was machen Sie denn hier?“, fragt der 36-Jährige, als er Bingöl an der Toilette erblickt. „Ich habe auf Autopilot umgestellt“, lautet die trockene Antwort. Großes Gelächter. Lotte Clever verteilt dabei Äpfel an ihre neuen Freunde. Wenn jetzt noch jemand eine Mix-CD beim Busfahrer abgeben würde, wäre die Klassenfahrt-Atmosphäre perfekt.

Erinnerungsfoto in Straßburg

Der Bus hat mittlerweile die Grenze zu Frankreich überquert. Lotte Clever holt für Ertan Yazici und Daniel Hörnig noch kulinarische Tipps via Handy ein. „Hauptsache, wir können direkt am Restaurant parken. Nicht, dass der BMW noch geklaut wird“, sagt Yazici. In Straßburg heißt es Abschied nehmen: Bingöl kümmert sich erst ums Gepäck und ist dann als Fotograf gefragt. Hörnig will schließlich ein Erinnerungsfoto mit Frau Clever aus L.A.

Über Kehl geht es auf die Zielgerade. Als Lotte Clever das Abfahrtsschild Freiburg-Mitte erblickt, ruft sie ihre Mutter an: „Ja, wir hatten ein wenig Verspätung. Aber ich habe unterwegs nette Leute kennengelernt. Zum Stricken bin ich gar nicht gekommen.“ Orhan Bingöl kommt mit 30 Minuten Verspätung in Freiburg an. Seine Abschiedsdurchsage beendet den Schlaf einiger Fahrgäste. „Morgen fahre ich die Frühschicht zurück nach Düsseldorf“, erklärt der Busfahrer. Vorher wuchtet er noch Gepäck.

Denis de Haas



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