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Miese Löhne bei Schlecker? Viele andere Läden zahlen deutlich weniger

Silvia Maßer (56) und Renate Neumann haben Jahre lang bei Schlecker geschuftet.

Das hat auch Silvia Maßer nicht vor. Aber sie ist schon seit dem 1. Juli ohne Job. Nach zehn Jahren Schlecker und insgesamt 40 Jahren im Verkauf. „Ich habe jetzt über 300 Euro weniger. Zum Glück hatte ich ein bisschen auf die Seite geschafft. Ich habe auch 20 Bewerbungen geschrieben, aber außer 400-Euro-Jobs war nichts dabei. Und das reicht vorne und hinten nicht. Immerhin hatte Ikea einen Aktionstag für Schlecker-Frauen, das war positiv, weil man sich ernst genommen fühlte. Die haben sich um uns wirklich gekümmert.“

Auch über die Agentur für Arbeit können die Frauen nichts Schlechtes sagen. Die sind freundlich, da ist ein Sachbearbeiter nur für uns zuständig. Aber die können die Jobs ja auch nicht herbeizaubern.“ Silvia ist bei den Bewerbungen noch etwas aufgefallen: „Früher wurde ja viel in den Medien über die miesen Löhne bei Schlecker geschimpft , jetzt merken wir alle, viele andere Läden zahlen deutlich weniger.“

„Auf keinen Fall Hartz IV“

Am schlimmsten waren für sie die ersten Tage nach dem Ende. „Du stehst auf, trinkst deinen Kaffee, ja und dann. Dir wird klar, du wirst nicht mehr gebraucht. Das hat mich richtig krank gemacht. Der Lebensrhythmus ist futsch, man schwimmt. Dann kommen die Ängste dazu. Musste vielleicht die Wohnung aufgeben? Wohin dann? Kann ich das Auto behalten? Muss ich doch, beim nächsten Job ist das doch vielleicht Voraussetzung.“ Sie macht einePause und sagt dann mit Nachdruck: „Ich will auf gar keinen Fall in Hartz IV rutschen. Weil man da vielleicht nie wiederraus kommt. Vorher geh ich lieber putzen... Besser wäre natürlich was im Verkauf. Das mach ich seit 40 Jahren. Das ist doch meine Welt. Das kann ich.“

Heidi ist die dritte am Tisch, sie will nicht mit aufs Foto und ihren Namen nicht nennen. Sie hat schon einen neuen Job, wieder an der Kasse, aber sie will da weg. „Ganz schlechte Stimmung. Ich kann aber auch über Schlecker nicht nur Gutes sagen. Ich hatte allerdings auch einen schlechteren Vertrag als die beiden. Und mir wurde in den letzten Monaten nicht mehr alles ausgezahlt. Ich bin richtig in die Schulden gerutscht. Eine Freundin hat mir inzwischen über 1000 Euro geliehen. Wie soll ich das zurückzahlen? Ich bin ganz schön fertig. Ich nehm jetzt seit drei Monaten Antidepressiva. Auch keine Lösung.“

Die drei Frauen teilen ein Schicksal. Sie sind „Schlecker-Frauen“ . Und sie sind längst mehr als nur Ex-Kolleginnen. Sie helfen sich, sie drücken sich gegenseitig die Daumen, dass es klappt mit dem neuen Job. Und das ist viel wert: Solidarität bezahlt zwar keine Rechnungen. Aber sie stärkt den Rücken.

Ausverkauf bei Schlecker

 

Matthias Maruhn

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Kommentare
15.08.2012
21:30
Warum zahlen die Arbeitgeber eigentlich nicht die Anpassungen an modernere Kassen etc.?
von nachdenken | #5

Das ist doch normale Einarbeitung.
Warum sollen alle Kosten von Arbeitnehmern getragen werden und sei es indirekt über die Agentur für Arbeit. Und dann kriegen die Arbeitgeber auch noch "Eingliederungshilfen" für neu Eingestellte bezahlt.
So sieht der angeblich ohne Subventionen auskommende Kapitalismus aus.
Noch dazu zahlen Arbeitgeber Löhne, die - wie wir ja alle hören - nur dazu reichen, Altersarmut zu generieren.
Und wer ist Hauptleidtragender, speziell bei den Niedriglöhnen?
Frauen.

15.08.2012
16:34
Zwei Frauen berichten vom Leben mit Schlecker
von Forumspolizei | #4

mal n bisschen Berufsausbildung, dann klappts auch mit dem Lohn. Warum wollen Ungelernte 1700 netto? Versteh ich nicht.

2 Antworten
18 Jahre Berufserfahrung dürften wohl als Ausbildung ausreichen...
von nachdenken | #4-1

Wer so lange in dem Beruf gearbeitet hat und dann noch die Filialleitung hatte, dürfte ja wohl genug wissen...

Zwei Frauen berichten vom Leben mit Schlecker
von IchRedeAuchMitNichtsnutzen | #4-2

Herrlich!! Diese charakterstarken Menschen brauchen wir auf dieser Welt. Aus der Anonymität heraus auf Menschen einprügeln, denen die Existenzgrundlage unter den Füßen weggezogen wird. Demjenigen der diesen "ungelernten Kräften" einen verdienten Lohn für harte Knochenarbeit abspricht, dem spreche ich die Intelligenz ab über Verhältnismäßigkeiten in Bezug auf Leistung und Entlohnung zu urteilen. Einfach nur schwach und unverschämt!!

15.08.2012
12:04
Zwei Frauen berichten vom Leben mit Schlecker
von Klug99 | #3

Verdi sei Dank für die Schlecker-Schließung!

15.08.2012
11:38
Zwei Frauen berichten vom Leben mit Schlecker
von guentherpaul | #2

Wovon träumen Sie? Schlecker hat Tariflöhne gezahlt.

15.08.2012
09:48
Filialleiterin, 1700 Euro (netto)
von gudelia | #1

Da wäre es doch mal interessant was bei gleicher Position die anderen Drogeriemärkte zahlen. Ich glaube, die oben genannte Summe ist für die Verantwortung entschieden zu gering.

2 Antworten
Zwei Frauen berichten vom Leben mit Schlecker
von westbahnhofbeobachter | #1-1

@gudelia
Geh mal davon aus,das der besagte Betrag im Vergleich zu ähnlichen Einzelhandelsformaten ein Spitzenlohn ist-Verantwortung hin oder her,viel wird bei knapper Kalkulation nicht mehr in Deutschland gezahlt!Und der Trend geht mangels Widerstand (Gewerkschaft) immer mehr nach unten-traurigerweise....

Zwei Frauen berichten vom Leben mit Schlecker
von gena | #1-2

Noch viel schwieriger ist es in einem anderen Drogerie-Markt unterzukommen. Trotz
abgeschlossener Ausbildung (Einzelhandelskauffrau) und entsprechender Berufserfahrung.

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