Middelhoff krank durch Schlafentzug?

Essen..  Dass er krank ist, scheint außer Frage. Wohl aber, was ihn krank machte. Thomas Middelhoff, einst Top-Manager und Karstadt-Chef, inzwischen aber wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu drei Jahren Haft verurteilt, leidet seit einiger Zeit an einer seltenen Autoimmunerkrankung. Sein Gesicht sei aufgedunsen, die Hände von bläulichen Geschwülsten übersät, heißt es. Seine Anwälte glauben, permanenter Schlafentzug in der Justizvollzugsanstalt Essen sei die Ursache. Middelhoff sei nachts alle 15 Minuten geweckt worden.

„Chilblain Lupus“ heißt die Erkrankung, bei der sich das Immunsystem gegen die gesunden Zellen des Körpers richtet. Diese Form des Lupus löst bläuliche Schwellungen der Haut aus, vor allem im Gesicht, an Ohren, Zehen und Fingern. Laut Begründung von Middelhoffs Anwälten sei sie im Essener Gefängnis ausgelöst worden, um – so Medienberichte – den potenziellen Selbstmörder Middelhoff in der Haft zu überwachen.

Selbstmorde in Gefängnissen sind tatsächlich nicht selten. In den letzten Jahren ist die Zahl allerdings von rund 20 pro Jahr auf ein Dutzend gesunken.

Middelhoffs Anwälte hatten Mitte März erneut Haftbeschwerde eingelegt. Das Oberlandesgericht Hamm hatte diese jedoch als unbegründet verworfen, da alle Umstände für eine erhebliche Fluchtgefahr sprächen. Middelhoff sei unter Druck, für sich und seine Familie schnellstmöglich eine neue wirtschaftliche Basis aufzubauen. Dies sei eindeutig ein Fluchtanreiz.