Mehr als 87.000 Jäger in NRW - so viele wie noch nie zuvor

Das Naturerlebnis reizt: ein Jäger mit seinem Hund.
Das Naturerlebnis reizt: ein Jäger mit seinem Hund.
Foto: picture alliance / dpa
87.212 Waidleute gibt es in NRW – so viele wie noch nie. Der Zuwachs ist doppelt so hoch wie im Bundesvergleich. Protest bei Messe gegen neues Jagdgesetz

An Rhein und Ruhr.. In Nordrhein-Westfalen gibt es so viele Jäger wie nie zuvor. Um 4500 auf jetzt 87.212 stieg die Zahl der Jagdscheininhaber im vergangenen Jahr – ein Zuwachs von 5,4 Prozent, mehr als doppelt so hoch wie im Bundesvergleich. Die Sehnsucht nach dem Naturerlebnis sieht der Jagdverband als wichtige Triebfeder. Auch ein Grund für viele, Jäger zu werden: die Lust auf selbstgeschossenes Fleisch und gesundes Essen.

Der Jagdverband (LJV) veröffentlichte diese Zahlen jetzt im Vorfeld der Messe „Wild und Hund“. Sprecher Andreas Schneider sieht Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) widerlegt, der seine Pläne für ein neues, ökologisch ausgerichtetes Jagdgesetz wesentlich damit begründet hatte, dass die Jagd die gesellschaftliche Akzeptanz zu verlieren drohe. „Das Gegenteil ist der Fall, die Jagd steht mitten in der Gesellschaft“, sagte Schneider gestern der NRZ.

Mehr Frauen entdecken die Jagd für sich

Was den Verband besonders freut: Hinter dem Zuwachs steht ein stabiler, anhaltender Trend. Die Zahl der Frauen, die die Jagd für sich entdecken, nimmt zu. Schneider schätzt ihren Anteil auf mittlerweile 20 bis 30 Prozent in NRW. Ebenso nehme die Zahl der Jungjäger zu. „Das Klischee vom alten, bärtigen Jäger ist überholt“, meint der Verbandssprecher – wobei es aber auch Leute gebe, die in der Lebensmitte zur Jagd finden, weil sie ein Hobby suchen, dem sie – anders als bei bestimmten Sportarten – im Alter nachgehen können.

Klassischerweise führt der Weg zum Jagdschein über einen Jungjägerkurs. Ein Dreivierteljahr wird an zwei oder drei Abenden pro Woche Tier- und Pflanzenkunde, Jagdrecht, Schießwesen, Naturschutz und Wildbrethygiene gepaukt, samstags wird geschossen. Es gibt auch die Möglichkeit, die mindestens 120 Pflichtstunden geblockt zu nehmen. Am Ende steht die landeseinheitliche Jagdprüfung.

Gut möglich, dass in NRW und seinen Ballungsräumen die Natursehnsucht ausgeprägter ist als anderswo. Inwieweit der Streit um das neue Jagdgesetz den Jägern und dem Verband Zulauf verschafft, ist offen. Für LJV-Sprecher Andreas Schneider steht fest: „Die Auseinandersetzung eint die Jägerschaft.“ Angesichts der geplanten Einschränkungen wolle er sich dafür „beim Minister aber nicht bedanken“, meinte Schneider.

Katzenabschuss, Reduzierung der jagdbaren Arten, Einführung jährlicher Schießnachweise – das geplante Jagdgesetz wird mit seinen Streitpunkten bei den Diskussionen auf der Messe in Dortmund breiten Raum einnehmen. Der Jagdverband hat außerdem seine Mitglieder aufgerufen, aus Protest gegen die Gesetzesnovelle in orangener Kleidung zu erscheinen, wie sie bei Gesellschaftsjagden üblich ist. „Orange wird zur Farbe des Protestes gegen Einschränkungen im ländlichen Raum“, sagt Schneider. Beim Widerstand der Waldbauern gegen Remmels Strategie zur Biologischen Vielfalt spiele die Farbe ebenfalls eine Rolle.

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE