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Mediziner befürwortet strengere Promillegrenze für Radfahrer

21.05.2013 | 19:07 Uhr
Mediziner befürwortet strengere Promillegrenze für Radfahrer
Egal, ob 1,6 Promille, 1,1 oder auch nur 0,9 Promille Alkohol im Blut: Nach Expertenmeinung schließt jeder dieser Werte eine störungsfreie Teilnahme am Straßenverkehr aus.Foto: dpa

Essen.  Strengere Alkoholgrenzen für Radfahrer – die Innenminister der Bundesländer wollen das am Mittwoch fordern. Noch gilt für Radler die Grenze von 1,6 Promille. Bei Autofahrern gilt schon lange 0,5 als Limit. Was sagen Verkehrsexperten und Ärzte dazu? Und fürchten Wirte nach dem Nichtraucher-Schock jetzt ums nächste Kunden-Klientel? Die NRZ hat sich umgehört.

Egal, ob 1,6 Promille, 1,1 oder auch nur 0,9 Promille Alkohol im Blut: Nach Expertenmeinung schließt jeder dieser Werte eine störungsfreie Teilnahme am Straßenverkehr aus. „Für Radfahrer sollte derselbe Promillewert gelten wie für Autofahrer“, fordert Dr. Christoph Stichelbach, Oberarzt an der Fachklinik Kamillushaus in Essen. „1,6 sind ganz eindeutig zu hoch. Wie man auf diese Grenze gekommen ist, erschließt sich mir nicht.“

Der Mediziner weist darauf hin, dass jeder Autofahrer, der mit diesem Wert erwischt wird, zur Medizinisch-Psychologischen Untersuchung, dem sogenannten „Idiotentest“, geschickt wird und dort seine Fahrtüchtigkeit nachweisen muss: „Eine richtige Regelung.“

Reaktion stark eingeschränkt

Ein nicht an Alkohol gewöhnter Mensch mit 1,6 Promille, sei „völlig betrunken“, betont Stichelbach. „Sein Koordinierungsvermögen ist erheblich gestört, er lallt, die Reaktion ist stark eingeschränkt. In diesem Zustand stellt jeder Fahrradfahrer im Straßenverkehr eine Gefahr dar.“

Kommentar
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Das hätten auch Tests mit Studenten gezeigt, bei denen keiner der Probanden beim „zielgerichteten Betrinken“ über 1,8 Promille hinausgekommen sei. Dr. Stichelbach: „Die jungen Leute haben in diesem Zustand schlichtweg aufgegeben, weil sie schwankten, ihnen schlecht wurde und sie nicht mehr richtig sprechen konnten.“ Und mit dem Rad fahren schon gar nicht.

Das sieht der Geschäftsführer der Verkehrswacht des Kreises Wesel im Prinzip genauso. „Schon bei 0,3 Promille kann die Fahruntüchtigkeit anfangen“, weiß Clemens Ridder. Mit seiner Verkehrswacht hat er vor zehn Tagen in Wesel beim Fahrradaktionstag einen „Rauschbrillen-Parcours“ aufgebaut. Wer die Brille aufhat, sieht alles nur noch verschwommen. „Das simuliert 0,8 Promille“, erklärt Ridder. Weil’s mit dem Fahrrad zu gefährlich ist, gehen die Radler zu Fuß durch die Teststrecke mit Stufen und Kurven. Viele kommen dabei ins Schwanken, können nicht gerade auf einer Linie gehen, verlieren das Gleichgewichtsgefühl.

Mit dem Rad zur Party

„Der Niederrheiner hat eine Tendenz, das Auto stehen zu lassen und mit dem Rad zur Party oder in die Gaststätte zu fahren“, hat der Geschäftsführer der Verkehrswacht beobachtet. Man sei leichtsinnig, weil man glaube, man könne mit dem Rad ja niemanden totfahren. Ein Irrglaube, wie Ridder meint: „Was ist, wenn man mit dem Rad über eine Kreuzung wankt, und ein Autofahrer weicht aus und kracht gegen einen Baum..?“

Und was sagen Wirte? Verlieren sie nach den Rauchern auch die Radfahrer als Kunden? Frank Pollmann, Inhaber der „Rheinwacht“ in Götterswickerhamm macht sich Gedanken. An einem sonnigen Tag machen bis zu 600 Radfahrer in seinem Biergarten am Rhein Station. „Eine strengere Promille-Grenze wäre für uns sicher kein Vorteil“, sagt Pollmann. „Irgendwann dürfen wir nur noch alkoholfreie Getränke und Kaffee Hag ausschenken“, unkt er und tröstet sich: „Immer mehr Leute sind schon auf alkoholfreies Bier umgestiegen.“ Da muss man das Rad auf dem Heimweg garantiert nicht schieben...

Manfred Pichl und Peter Toussaint



Kommentare
23.05.2013
09:59
Mediziner befürwortet strengere Promillegrenze für Radfahrer
von KritischeMeinung | #7

Reihenfolge falsch:

Erst Nahverkehr ausbauen, dann die einzige Alternative außer zu Fuß gehen sanktionieren.

Mal dabon abgesehen, dass die Polizei eh völlig überlastert ist.

Auf Radwegen ohne Kontakt zu Fahrzeugverkehr (z.B. alte Bahntrassen) ist die Wahrscheinlichkeit einer möglichen Kontrolle gleich Null.

22.05.2013
17:57
Mediziner befürwortet strengere Promillegrenze für Radfahrer
von dongiovanni | #6

Die Vielfalt der Themen zum Wahlkampf die nur heiße Luft beinhalten ist nicht sehr groß. Darum müssen wie beim Herrn Ramsauer wieder einmal des Kaisers neue Kleider hervorgeholt werden. Bei Sicherheit für Radfahrer ist nicht viel kaputt zu machen und kostet kein Geld. Sicherheit der Bürger vor steigenden Einbruchzahlen durch unsere neuen EU Nachbarn, mehr Beleuchtung auf den Straßen, sichere Fahrradwege, Schlaglochbeseitigung und vieles mehr, das alles kostet Geld und wird darum in den Hinterzimmern ohne die Medien/Bürger behandelt. Jagd auf alkoholisierte Radfahrer ist genau so ein Showprogramm wie die Jagd auf so genannte Raser. Ich bin der Meinung es gibt wirklich schwerwiegendere Probleme.

22.05.2013
12:34
Mediziner befürwortet strengere Promillegrenze für Radfahrer
von wohlzufrieden | #5

...die können bei der Kontrolle ja direkt in den Schlauch blasen...

22.05.2013
09:56
Neues Ralder-Bashing der WAZ
von karmey | #4

Die WAZ setzt ihr Radler-Bashing fort. Ist die WAZ das Zentralorgan der Autolobby im Kohlenpott? Das Ruhrgebiet leidet bestimmt nicht unter einem zu viel an Radverkehr, sondern an einem zu viel an Autoverkehr. Radfahrer sind nicht Täter im Strassenverkehr, sondern eher Opfer, weil ihre Interessen in der Strassenverkehrsplanung zu wenig berücksichtigt werden. Radfahren im Ruhrgebiet ist unnötigerweise zu gefährlich und zu unbequem. Die Mentalität ist immer noch zu sehr auf die Herstellung eines autogerechten Strassenverkehrs ausgerichtet. Das ist nicht mehr zeitgemäss und lebensfeindlich.

Die allermeisten Radler halten sich an die Verkehrsregeln und fahren auch nicht betrunken Rad. Hier liegen gar nicht die Probleme. Hier sollen nur wieder Radfahrer kriminalisiert werden, weil jeder Radfahrer im Ruhrgebiet und anderswo eine Provokation der Chimäre der freien Fahrt des freien Bürgers ist. Die wirklichen Gefahren im Strassenverkehr gehen vom überbordenden Autoverkehr aus.

1 Antwort
Mediziner befürwortet strengere Promillegrenze für Radfahrer
von Pit01 | #4-1

karmey #4

Guter und zutreffender Kommentar. Bezeichnenderweise nennt man auch keine Zahlen derer, die alkoholisiert mit dem Fahrrad verunglücken.

22.05.2013
09:28
Mediziner befürwortet strengere Promillegrenze für Radfahrer
von Pit01 | #3

Mag sein, dass es angetrunkene Radler gibt. Doch ob die Unfälle dadurch so viele sind, das zweifele ich doch stark an. Jedenfalls hörte ich aus dem Kreis Wesel nichts dergleichen. Wird hier wieder ein Popanz aufgebaut?

22.05.2013
08:53
Mediziner befürwortet strengere Promillegrenze für Radfahrer
von ukrammel | #2

Wieder wird sie Gelegenheit verpasst, endlich Nägel mit Köpfen zu machen und die 0,0 Promille-Grenze einzuführen - wie in anderen EU-Ländern längst üblich.
Statt Raucher derart zu kriminalisieren wie geschehen, sollte man den besoffenen Mördern mit Auto mal an den Kragen gehen.

22.05.2013
07:18
Mediziner befürwortet strengere Promillegrenze für Radfahrer
von tourenscout | #1

Eine Senkung der Promillegrenze ist für Fahrradfahrer sinnvoll und angebracht.
Doch was kommt dann ???? Gibt es bald eine Strafe für Trunkenheit am Rollator oder sogar am Stock ???

2 Antworten
Mediziner befürwortet strengere Promillegrenze für Radfahrer
von Pit01 | #1-1

#1
Oder auch für Fußgänger??

Mediziner befürwortet strengere Promillegrenze für Radfahrer
von Merx.Dir | #1-2

an #1-1 Die grünen werden es schon richten!!

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