Dortmund

Marco Reus droht eine Vorstrafe

Dortmund.  Der Fall des führerscheinlosen Autofahrers Marco Reus schien mit einem Strafbefehl über 540 000 Euro im Dezember 2014 abgehakt. Doch wie Barbara Vogelsang, Sprecherin der Dortmunder Staatsanwaltschaft, gestern bestätigte, sind schon kurz danach neue Ermittlungen gegen den Fußballstar von Borussia Dortmund eingeleitet worden. Im schlimmsten Fall droht dem 25-Jährigen nun sogar eine Vorstrafe.

„Uns hat einiges an E-Mails und Post erreicht“, sagte Vogelsang. Darin behaupten die Absender: Wir haben Reus häufiger am Steuer gesehen. Der Zeitraum erstreckt sich über Jahre. Wie viele Zeugen sich gemeldet haben, dazu mochte sich Vogelsang gestern „mit Blick auf das laufende Verfahren“ nicht äußern. Aber jede Aussage wird überprüft.

Diesmal sollen auch Reus’ Angehörige befragt werden, Trainer und Mitspieler. Das war im ersten Ermittlungsverfahren ausgeblieben, weil die Staatsanwaltschaft im Strafbefehlsverfahren lediglich die ihr bekannten Fälle beurteilte. Die Leitende Oberstaatsanwältin soll schon damals bei ihren Kollegen moniert haben, dass weder Familienmitglieder noch Mannschaftskollegen zum Fall vernommen worden seien.

Ein Bonus für den Star?

Kritik kam auch aus dem politischen Raum. Der CDU-Landtagsabgeordnete Peter Biesenbach wollte wissen, warum nicht ermittelt worden sei, ob Reus noch häufiger ohne Führerschein unterwegs war. „Einen Bonus vor Gericht darf es für niemanden geben“, sagte der 66-jährige Rechtsanwalt. Reus hatte bei der Staatsanwaltschaft das zugeben müssen, was unwiderlegbar war: Fünfmal hatte man ihn zwischen September 2011 und März 2014 geblitzt, am 18. März 2014 hatte die Polizei ihn bei einer Kontrolle mit seinem Aston Martin erwischt. Reus hatte mit 18 Fahrstunden genommen, aber nie die Prüfung gemacht.

Falls sich die Vorwürfe erhärten, ist eine höhere Strafe möglich. Mit 90 Tagessätzen à 6000 Euro war Reus hauchdünn unter der Grenze für eine Vorstrafe geblieben. Die beginnt mit 91 Tagessätzen.