Mann beißt Hund

Vermutlich wäre es um die Welt besser bestellt, wenn die Politiker nicht ständig dem Volk aufs Maul schauen würden. Weil das die Gefahr birgt, ihm nach dem Munde zu reden. Denn mit vollem Volksmund spricht man nicht, sondern isst gefälligst, was auf den Tisch kommt.

Das wollte auch David Cameron, seines Zeichens Großbritanniens Premierminister im Wahlkampfmodus, der jetzt jüngst bei eher unenglischem Winter auf einer Grillparty um Stimmen warb und sich plötzlich mit einem Hot Dog konfrontiert sah.

Eine äußerst unenglische Spezialität, schließlich wird sie nicht mit Minzsauce, sondern mit Ketchup serviert – wie einst in Ost-berlin, wo das volkseigene Fleischerzeugnis im Labberbrötchen als „Ketwurst“ serviert wurde – Ket steht für kommunistenroten Ketchup.

In der Konfrontation mit dem heißen Hund sah sich David Cameron speisetechnisch deutlich herausgefordert und machte zwei folgenschwere Fehler: Er setzte sich erstens an einen Tisch (mangelnde Standhaftigkeit) hielt sich zudem nicht an die Devise „Mann beißt Hund“ sondern griff zu Messer und Gabel.

Worauf die britische Presse mehr Hohn und Spott auf den Premierminister auskübelte als je Ketchup und Röstzwiebeln über einem Hotdog niedergingen. Volksnähe bedarf eben den Mut zu fettigen Fingern und Ketchupflecken auf der weißen Weste.