„Macht euch groß!“

Essen..  „Langsam, ganz langsam, wir haben Zeit“, sagt Tanzpädagogin Pavlina Cera, senkt die Hand wie zur Beruhigung und schaut dabei zu, wie sich die Schüler der 3a durch die Turnhalle bewegen. Als kleine Gespenster sollen die Mädchen und Jungen über den Boden schleichen, während Mozarts Violinkonzert aus dem CD-Spieler erklingt. Doch noch sind die Schüler Pavlina Cera ein bisschen zu quirlig, zu hastig. „Aber das wird schon“, sagt die Pädagogin und lächelt.

Der Dienstag in der Christophorusschule in Essen-Kray ist immer ein bisschen anders als ein gewöhnlicher Schultag. Dann schleppen Musiker ihr Cello die Treppen zur Aula hoch, Kinder tanzen über den Flur und Mozarts Geist hängt irgendwie in der Luft.

Seit Oktober proben die Jungen und Mädchen für ein außergewöhnliches Konzert. Am 6. Juni werden die 200 Schüler im großen Saal der Philharmonie in Essen auftreten – und zwar mit dem Folkwang Kammerorchester, den Profi-Tänzern Pavlina Cera und Alexeider Abad-Gonzales und der international bekannten Geigerin Franziska Hölscher. „Lustige Gespenster überall“ heißt die Aufführung, die Musik, Gesang und Tanz verbindet. Matthias Rietschel hatte die Idee zu diesem Projekt. Der Musikpädagoge arbeitet mit der Philharmonie zusammen und gibt an der Christophorusschule den JeKi-Unterricht („Jedem Kind ein Instrument“).

„Mit dem Konzert möchten wir Kinder auch an die klassische Musik heranführen. Die meisten haben eine Philharmonie noch nicht von innen gesehen“, sagt Schulleiterin Angela Toussaint. Außerdem stärke das Projekt das Selbstbewusstsein der Schüler. Einmal auf einer richtigen Bühne stehen – das sei für alle eine große Chance. Inhaltlich dreht sich alles um Gespenster, die nicht nur furchterregend, sondern auch lustig sein können. Die Schüler haben ihre eigenen Gespenster-Geschichten geschrieben, das Schulorchester hat kurze Stücke selbst komponiert und eine Choreographie zum Violinkonzert von Mozart eingeübt.

Auch die Haltung und Ausdruck sind wichtig

Die Profi-Tänzer Pavlina Cera und Alexeider Abad-Gonzales, die seit Wochen mit den Kindern proben, sind begeistert von der Entwicklung. „Das Bewusstsein für die Aufführung ist gewachsen und die Kinder übernehmen immer mehr Verantwortung für die Gruppe“, sagt Pavlina Cera. In den verbleibenden zwei Wochen müssten jetzt alle Teile wie ein Puzzle zusammengesetzt werden. Dazu zählt nicht nur die Schrittfolge, sondern auch Ausdruck und Haltung. „Ihr müsst lächeln. Macht euch groß. Man sieht jeden von euch.“

Konzentriert schauen Mandy und Laura zu ihrer Tanzlehrerin, die beiden stehen ganz vorne in der Halle. „Wir müssen gut aufpassen und uns alles merken. Aber wenn wir ein Team sind, dann klappt das“, sagt Mandy (10). „Ich bin richtig froh, dass ich jetzt tanzen kann. Das wollte ich immer schon gerne machen“, sagt Laura (9).

Proben mit dem Kammerorchester sind besonders aufregend

Bei den Proben in der Turnhalle können die kleinen Tänzer immer mal wieder auf „Pause“ drücken und die Abfolge ein weiteres Mal üben. Live ist das dann was ganz anderes. Das erleben die Schüler, als das Folkwang Kammerorchester an der Schule ist und das Violinkonzert spielt. Wenige Minuten vorher haben es die Schüler noch in der Turnhalle geübt. „Wollt ihr mitmachen?“, fragt eine der Musikerinnen deshalb. Laura und Mandy und die anderen Kinder der 3a trauen sich. Aber wann müssen wir anfangen? Geht’s schon los? Kurze Verwirrung, doch dann finden sie die richtige Stelle. „Jetzt wird es schon kribbelig und aufregend“, meint Laura hinterher. Den Parallelklassen aber gefällt der Auftritt der 3a. „Zugabe“, rufen sie.

Die gibt’s dann in zwei Wochen in der Philharmonie.