Das aktuelle Wetter NRW 17°C
Silvesternacht

Kölner Polizei räumt Fehleinschätzung an Silvester ein

05.01.2016 | 18:41 Uhr
Kölner Polizei räumt Fehleinschätzung an Silvester ein
Polizeipräsident Wolfgang Albers musste einräumen, dass die Kölner Polizei die Lage am Silvesterabend zunächst falsch eingeschätzt hat.Foto: dpa

Essen/Köln.  Nach dem Krisentreffen mit Kölns Oberbürgermeisterin Reker musste die Kölner Polizei eine Fehleinschätzung der Lage an Silvester eingestehen.

Die schockierenden Übergriffe auf Frauen in Köln und die erfolglose Suche nach den Tätern haben in Deutschland Fassungslosigkeit ausgelöst. Kanzlerin Angela Merkel forderte eine harte Antwort des Rechtsstaats und drückte Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker "ihre Empörung über diese widerwärtigen Übergriffe und sexuellen Attacken aus".

Protest vor Kölner Dom

Aus Protest gegen die Übergriffe in der Silvesternacht haben am Dienstagabend in Köln mehrere Hundert Menschen gegen Gewalt gegen Frauen demonstriert. Nach Angaben der Polizei kamen etwa 250 bis 300 Frauen und Männer zu der Kundgebung vor dem Dom. Sie forderten mehr Respekt und einen besseren Schutz von Frauen vor Gewalt ein. Zur Teilnahme an der Kundgebung war über soziale Netzwerke aufgerufen worden.

Bundeskanzlerin
Angela Merkel verurteilt „widerwärtige Übergriffe“ in Köln

Angela Merkel hat sich in die Ereignisse zu Silvester in Köln eingeschaltet. Sie zeigte sich empört über die Attacken gegen Frauen.l

Die Polizei erklärte am Dienstagabend, nach den Übergriffen in der Silvesternacht bislang noch keine Verdächtigen zu haben. "Wir haben derzeit keine Erkenntnisse über Täter", sagte Kölns Polizeipräsident Wolfgang Albers. Aus Hamburg wurden ebenfalls Übergriffe bekannt.

Nach Polizei-Angaben hatte sich am Silvesterabend auf dem Bahnhofsvorplatz in Köln eine Ansammlung von etwa 1000 Männern gebildet, die mit Feuerwerkskörpern um sich warfen. Als die Polizei einschritt, zersplitterte sich die Gruppe in viele kleinere. Danach soll es zu Übergriffen auf Frauen gekommen sein. Frauen wurden demnach von Männergruppen umzingelt, bedrängt und ausgeraubt. Polizeipräsident Albers sprach von Sexualdelikten in sehr massiver Form und auch von Vergewaltigung.

Keinen Hinweis darauf, dass die Täter Flüchtlinge waren

Trickdiebstahl
„Antanz-Trick“ - darum sind Polizei und Opfer oft chancenlos

Der „Antanz-Trick“ erfreut sich bei Dieben anhaltender Beliebtheit. Die Masche wird ab sofort in der Kriminalstatistik der Polizei gesondert erfasst.

Zeugen beschrieben die Angreifer nach Polizeiangaben als Männer, die "dem Aussehen nach aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum" stammen. "Es gibt keinen Hinweis, dass es sich hier um Menschen handelt, die hier in Köln Unterkunft als Flüchtlinge bezogen haben", betonte Oberbürgermeisterin Reker. Im ZDF-"heute-journal" sagte Reker: "Ich bin nicht bereit, das kriminelle Verhalten von Tätern (...) auf bestimmte Personengruppen zu projizieren." Albers erklärte, es sei auch falsch, von 1000 Tätern zu sprechen.

Bis zum Dienstagabend schraubte sich die Zahl der Anzeigen auf 90 nach oben. Zum Teil gehe es um sexuelle Übergriffe, zum Teil um Diebstähle, zum Teil um beides, sagte Albers. Das ganze Ausmaß sei erst spät ersichtlich gewesen, als die Anzeigen eintrudelten.

Am Neujahrsmorgen hatte die Kölner Polizei die Silvesternacht noch als recht entspannt beschrieben. Die Polizei sei "an neuralgischen Orten gut aufgestellt und präsent" gewesen, hieß es dort. Nun werten die Beamten mühsam das Videomaterial der Nacht aus.

Polizeichef gesteht Fehleinschätzung der Ereignisse ein

Kriminalbeamte
Kriminalbeamte: „Antanzen durch Täter“ ist alte Masche

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter sieht in den Angriffen eine in der Bandenkriminalität weit verbreitete Masche: Antanzen durch Täter.

Der Einsatz rief Kritik hervor. Augenzeugen berichteten in mehreren Medien, die Polizei sei überfordert gewesen und von einer aggressiven Stimmung. Die Kölner Polizei gab zu, überrascht worden zu sein. Dieses Vorgehen von Tätergruppen hätte sie nicht erwartet, sagte ein Sprecher. Albers wies die Kritik am Einsatz zurück. Es seien ausreichend Kräfte auf dem Bahnhofsvorplatz gewesen. "Wir waren an dem Abend ordentlich aufgestellt."

Silvester-Übergriffe
Steffens: Zuwanderer müssen Rechte der Frauen respektieren

Innenminister Jäger will Straftäter konsequent abschieben. Frauenministerin Steffens: Zuwanderer müssen lernen, welche Rechte Frauen haben.

Die erste Einschätzung am Morgen danach sei gleichwohl falsch gewesen. Albers kritisierte die erste polizeiliche Einschätzung der Lage am Neujahrsmorgen. "Diese erste Auskunft war falsch." In einer Pressemitteilung hatte die Polizei die Einsatzlage in der Silvesternacht als entspannt beschrieben.

Laschet macht Kölner Polizei schwere Vorwürfe

Der nordrhein-westfälische CDU-Chef Armin Laschet warf der Polizeispitze Versagen vor. "Während die bayerische Polizei erfolgreich dem Terror trotzt, ist die NRW-Polizei in Köln nicht in der Lage, Frauen vor serienweisen sexuellen Übergriffen im Zentrum der größten Stadt des Landes zu schützen", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Mittwoch). Nach den Hooligan-Krawallen vom Oktober 2014, bei denen rund 50 Polizisten verletzt worden waren, offenbarten sich in Köln nun erneut "eklatante Missstände bei der Inneren Sicherheit".

Silvester-Übergriffe in Köln
Sex-Angriffe auf Frauen - der Silvester-Alptraum von Köln

Hunderte Männer belästigten an Silvester 2015/2016 Partygängerinnen am Kölner Hautbahnhof. Berichte und Hintergründe zur Skandal-Nacht.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte den ARD-"Tagesthemen": "Da wird der Platz geräumt - und später finden diese Ereignisse statt und man wartet auf Anzeigen. So kann die Polizei nicht arbeiten."

In Köln kündigten die Stadt und die Polizei an, mit "Sofortmaßnahmen" auf die Vorfälle reagieren zu wollen. Reker sagte, so etwas dürfe es "nie wieder" geben. Zu dem Paket gehöre eine stärkere Polizeipräsenz bei Großveranstaltungen wie dem kommenden Karneval. Zudem sollen verstärkt mobile Videokameras eingesetzt werden, die Menschenmengen von oben beobachten können. Auch will die Kölner Polizei Menschen, die in der Vergangenheit beispielsweise mit Taschendiebstählen aufgefallen sind, den Zutritt zu bestimmten Bereichen verbieten.

Die Angriffe riefen bundesweit Empörung hervor. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) verurteilte sie als abscheuliche Taten. "Dass eine so große Zahl von Personen, offensichtlich mit Migrationshintergrund, diese Übergriffe verübt haben sollen, stellt eine neue Dimension dar." Zugleich mahnte er: "Dies darf aber nicht dazu führen, dass nunmehr Flüchtlinge gleich welcher Herkunft, die bei uns Schutz vor Verfolgung suchen, unter einen Generalverdacht gestellt werden."

Artikel auf einer Seite lesen
  1. Seite 1: Kölner Polizei räumt Fehleinschätzung an Silvester ein
    Seite 2: Hannelore Kraft spricht von "Eskalation der Gewalt"

1 | 2

Kommentare
06.01.2016
11:52
Kölner Polizei räumt Fehleinschätzung an Silvester ein
von kurtissahne | #96

NRW-Regierungschefin Kraft:
"Wenn die Voraussetzungen gegeben seien, müssten kriminelle Straftäter abgeschoben werden."

Falscher Ansatz, Frau Kraft....
Weiterlesen

1 Antwort
Kölner Polizei räumt Fehleinschätzung an Silvester ein
von FritzePfeiffer | #96-1

Gähn...

Themen-Kaperung, Off-Topic. Immer die Selben.

Wenn man ein Grammophon verschluckt hat: Einfach mal die ...

Funktionen
Fotos und Videos
NRZ-Leser im Zoo
Bildgalerie
Jubiläumsaktion
Das neue Medienhaus der NRZ in Moers
Video
Wiedereröffnung
Penguin's Days 2016
Bildgalerie
Theater-Festival
Extreme Jobs: Stahlkocher
Video
Extreme Jobs
article
11430787
Kölner Polizei räumt Fehleinschätzung an Silvester ein
Kölner Polizei räumt Fehleinschätzung an Silvester ein
$description$
http://www.derwesten.de/region/live-koelns-buergermeisterin-nimmt-stellung-zu-uebergriffen-id11430787.html
2016-01-05 18:41
köln, hauptbahnhof köln, silvester, übergriffe, köln, silvesternacht, live ticker
Region