Das aktuelle Wetter NRW 12°C
Tierschutz

Landwirte kritisieren Klagerecht für Tierschutzvereine

04.07.2012 | 19:20 Uhr
Landwirte kritisieren Klagerecht für Tierschutzvereine
Stellvertretend für Tiere sollen Tierschutzvereine künftig klagen dürfen. Landwirte kritisieren das Gesetzesvorhaben der rot-grünen NRW-Regierung.Foto: dapd

Hagen.   Tierschutzvereine sollen in Nordrhein-Westfalen bald klagen dürfen. Das sieht ein Gesetzesentwurf der Landersregierung vor. Tierschützer begrüßen die Pläne erwartungsgemäß - was aber sagen Landwirte? Ein Stimmungsbild aus Südwestfalen.

Die Landesregierung will mit einem neuen Gesetz die Tierrechte in NRW stärken und die Klagemöglichkeiten von Tierschutzverbänden erweitern. Damit wird erstmalig ein gleichwertiger Rechtsschutz zwischen Tiernutzern und Tieren hergestellt. Während Tierschützer den Gesetzentwurf begrüßen, wird er von Landwirten kritisiert.

Petra Drees-Hagen vom Kreisverband Hellweg des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftverbandes ist vom geplanten Gesetz nicht überzeugt: „Willkür wird Tür und Tor geöffnet.“ Sie stellt die fachliche Kompetenz so manchen Tierschutzvereins infrage. „Wenn ein Landwirt aufgrund einer Klage seinen Betrieb nicht erweitern kann, dann droht ihm womöglich das Aus.“ Es gehe hier um Existenzen. Jede Klage koste Geld und verschiebe geplante Vorhaben, die Tieren durchaus zugute kommen könnten.

"Durch neue Auflagen kann Fleisch und Geflügel teurer werden"

Die Massentierhalter, so Petra Drees-Hagen, seien keine Tierquäler. „Überall hat sich etwas getan.“ Sie erinnert an die Abschaffung der Käfighaltung, die Einführung von Fenstern in Schweineställen, die Berücksichtigung von Wohlfühlfaktoren für Kühe. „Viele wollen die Welt retten, ohne je zuvor im Stall gewesen zu sein.“

Den Verbrauchern gibt Petra Drees-Hagen zu bedenken: „Durch neue Auflagen kann Fleisch und Geflügel teurer werden.“ Und sie sieht eine weitere Gefahr: „Wenn noch mehr Landwirte aus der Region aufgeben müssen, bleiben nur noch Produkte aus Osteuropa. Wollen Sie das wirklich?“

Udo Baumeister aus Breckerfeld, Herr über 130.000 Legehennen, empfindet das geplante Gesetz als übertrieben: „Da wollen Leute in unternehmerische Belange eingreifen, die keine Ahnung haben.“ Er sieht sich in seiner Freiheit als Unternehmer eingeschränkt.

Tierschützer loben die Initiative

Unterstützung erhält Baumeister von Geflügelzüchter Karl-Johannes Heinemann aus Meschede-Horbach, der 18­.000 Puten sein Eigen nennt. Er übt sich in Diplomatie: „Wir haben die höchsten Tierschutz-Standards innerhalb der EU. Da brauchen wir kein neues Gesetz.“

Auch Josef Geuecke aus Lennestadt, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Kreisverbandes Olpe, spart nicht mit Kritik: „Mit dem neuen Rechtsweg wird alles noch komplizierter.“ Statt Bürokratie abzubauen, geschehe das Gegenteil.

Voll des Lobes sind hingegen die Tierschützer. Zum Beispiel Klaus Pehle aus Meschede. Der Vorsitzende des Tierschutzvereines HSK begrüßt Remmels Vorstoß. Zur Kritik der Landwirte sagt er: „Endlich können wir uns auf Augenhöhe mit Massentierhaltern, die dem Tierschutz nicht gerecht werden, aus­einandersetzen. Bisher war es ja so, dass Landwirte gegen Auflagen klagen konnten, wir aber nicht gegen Verletzungen gegen die Tierschutzbestimmungen.“

Nabu begrüßt Druck auf Massentierhalter

Franz-Josef Göddecke, Kreisvorsitzender des NABU-Verbandes Olpe, begrüßt den Druck, der auf Massentierhalter aufgebaut wird: „Sie werden sich jetzt genau jeden weiteren Schritt fürs Unternehmen überlegen - und das kann für die Tiere nur gut sein.“

Elke Heinemann vom Tierschutzverein Marsberg geht das alles nicht weit genug: „Das Elend in den Ställen muss aufhören.“ Für sie ist die Welt erst in Ordnung, „wenn jedes einzelne Tier seinen Platz in der Gesellschaft gefunden hat“.

Heidi Mattick vom Tierschutzverein Archetal Siegen hat 2011 in Berlin für das Verbandsklagerecht demonstriert. Sie ist dankbar dafür, dass die Landesregierung ihr Wahlversprechen eingelöst hat: „Nun müssen wir ein weiteres Problem juristisch anpacken: Tiere sind keine Sache.“

Rudi Pistilli

Kommentare
06.07.2012
14:54
Landwirte kritisieren Klagerecht für Tierschutzvereine
von EPetras | #14

Das Verbansklagerecht ist dringend nötig, um wenigstens den geringen, momentan gesetzlich verankerten Tierschtuz zu gewährleisten.

Eine Diffamierung...
Weiterlesen

Funktionen
Aus dem Ressort
Motorradfahrer aus Witten stirbt bei Unfall auf der A 43
Unfall
Ein 47-jähriger Motorradfahrer aus Witten ist am Donnerstagnachmittag (28.5.) auf der A 43 in den Tod gerast. Er fuhr auf ein Auto auf.
Diebe stehlen Schildkröten aus Oberhausener Kaisergarten
Tierdiebe
Diebe haben den kompletten Schildkrötenbestand des Oberhausener Kaisergartens gestohlen. Unter ihnen war auch eine mehr als 90 Jahre alte Schildkröte.
Polizist endgültig vom Vergewaltigungsvowurf freigesprochen
BGH-Urteil
Ein Polizist soll in Düsseldorf einen jungen Mann auf der Wache vergewaltigt haben. Er wurde freigesprochen. Den Freispruch bestätigte Karlsruhe.
Die Polizei in NRW fährt bald BMW statt VW-Passat
Polizei
Der nächste Fuhrparkwechsel bei den Streifenwagen der NRW-Polizei wird auch ein Marken-Wechsel. Das gab das NRW-Innenministerium am Mittwoch bekannt.
SEK nimmt mutmaßliches Räuber-Pärchen in Bochumer Hotel fest
Überfall
Ein 21-Jähriger und seine 22-jährige Freundin sollen die Mutter der Frau überfallen und schwer verletzt haben. In einem Bochumer Hotel stellte sie die...
Fotos und Videos
Zirkus Charles Knie in Hagen
Bildgalerie
Zirkus
Airlebnisweg in Amecke am Sorpesee
Bildgalerie
Freizeit
Handwerk im Kinderzimmer
Bildgalerie
Freilichtmuseum
article
6844573
Landwirte kritisieren Klagerecht für Tierschutzvereine
Landwirte kritisieren Klagerecht für Tierschutzvereine
$description$
http://www.derwesten.de/region/landwirte-kritisieren-klagerecht-fuer-tierschutzvereine-id6844573.html
2012-07-04 19:20
Region