Lachen, toben, weinen....

An Rhein und Ruhr..  „Früher war er tot“, sagt Beate Smiri und schaut auf einen Spielplatz, auf dem heute Zweijährige mit bunten Förmchen im Sandkasten spielen, Achtjährige jauchzend in die Lüfte schaukeln und sich die Hände wund klettern. Tot? Ja, ganz furchtbar sei es gewesen, sagen die „Spielplatz-Muttis“, wie sich die fünf Frauen selbst nennen. Hatte es geregnet, habe er tagelang unter Wasser gestanden und die Kinder hätten im Matsch spielen müssen, hinter einem „riesigen“ Gebüsch hätten Abfall und alte Steine gelegen, die Spielgeräte schienen mehr lieblos hingestellt zu sein, eine Absperrung zur Straße habe gefehlt. Nein, der Essener Spielplatz gefällt 2007 weder den Müttern noch ihren Kindern.

So oder so ähnlich sieht es aber auf einem Drittel der Spielplätze in Deutschland aus, bemängelt jetzt das Deutsche Kinderhilfswerk. „Viele Geräte sind in die Jahre gekommen. Das Budget für Reparaturen fehlt“, sagt Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerks (DKHW). Das ist das Ergebnis einer bundesweiten Umfrage. Das Kinderhilfswerk befragte seine 200 Partner im „Bündnis Recht auf Spiel“ unter anderem zur Ausstattung und Attraktivität der Spielplätze. In dem Bündnis sind Architekten, Grünflächenämter, Jugendorganisationen und Stadtplaner vertreten. Die Zahl der Spielplätze sei rückläufig. Aktuell gebe es bundesweit 120 000.

Dabei sei der Spielplatz für Kinder gerade ein wichtiger Ort für die Entwicklung und fördere die Bewegung der Kinder. „Dort lachen, toben und streiten die Kinder. Das sind wertvolle Kindheitserfahrungen.“ Den Kindern fehle einfach eine Lobby, die sich für ihre Interessen einsetze. Er appelliert nun an Städte und Eltern, mehr für Spielplätze zu tun.

Wie das aussehen kann, zeigt das Beispiel eines Essener Spielplatzes, wo 2007 die „Spielplatz-Muttis“ aktiv werden. „Die Lage ist ja eigentlich perfekt. Wir sind hier groß geworden. Deshalb ist der Spielplatz uns einfach wichtig“, sagt Mutter Tanja Jagusch.

Während ihrer Kindheit habe es noch die Wackelbrücke gegeben, kleine Blockhäuser zum Schutz und zum Versteckenspielen, ein riesiger Sandkasten, ein Schachbrettfeld und Turnstangen.

Die fünf Mütter, die sich regelmäßig auf dem Spielplatz mit ihren Kleinen treffen, übernehmen die Patenschaft für die Fläche. Sie haben ein Auge auf den Spielplatz, melden der Stadt Mängel, organisieren dort Feste. Ein Amt, das inzwischen viele Städte eingerichtet haben. Diese sind als Betreiber öffentlicher Spielplätze nämlich zuständig dafür, dass sie sauber, sicher und attraktiv sind. Zwei DIN-Normen schreiben Rahmenbedingungen vor, was den Bau und die Wartung angeht. Wöchentlich würden die Spielplätze kontrolliert, teilen die Städte an Rhein und Ruhr mit. Einmal im Jahr kommt der TÜV. Die Städte hier fühlen sich von der Kritik durch das Deutsche Kinderhilfswerk weniger angesprochen. „Unsere Spielplätze sind nicht nur akzeptabel, sondern sehr gut“, sagt Alexander Höfer vom Oberhausener Gebäudemanagement. 118 Spielplätze gebe es in Oberhausen, seit zehn Jahren sei die Zahl unverändert.

Weniger Spielplätze in Essen

In Duisburg betonen die Wirtschaftsbetriebe, dass eng mit dem Jugendamt und der Politik zusammengearbeitet werde, um den Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden. Das Budget von 300 000 Euro für Sanierung und Wartung für 300 Spielplätze ist hier im Vergleich zu anderen Städten aber knapp bemessen. In Moers stehen 700 000 Euro für die Sanierung zur Verfügung – für 140 Plätze. Dass tatsächlich mal eine gesamte Schaukel oder ein anderes Gerät ausgetauscht werde, komme aber nur höchst selten vor. Die Stadt Dinslaken betont, dass sogar fünf neue Spielplätze in den vergangenen drei Jahren hinzugekommen sind (unter anderem im Bergpark und an der Sedanstraße).

Nur in Essen wurde die Zahl nach einer Bedarfsanalyse verringert. Zehn Prozent habe man stillgelegt. Stilllegen bedeutet in diesem Fall, dass defekte Geräte abgebaut und nicht ersetzt worden sind. „Die Grünfläche kann aber weiterhin genutzt werden“, sagt Eckhard Spengler von Grün und Gruga in Essen. Die Altersstruktur habe sich in einigen Wohnvierteln eben verändert. Umso wichtiger, dass sich um die verbliebenen Spielplätze intensiver gekümmert werde. Einfach sei das aber nicht. „Wir mussten uns einfach durchsetzen und Ausdauer beweisen. Bis sich schließlich etwas geändert hat, waren mehrere Begehungen notwendig“, sagt Tanja Jagusch. Ein Zaun, eine Sickergrube, neue Bänke, ein Container mit Spielzeug und eine Wackelbrücke sind nun auf dem Gelände zu finden. Manchmal säßen sie hier bis abends. Bei schönem Wetter könnten sie schon Lose verteilen, so begehrt seien die Plätze.