Kunden rücken von Vitesca ab – Caterer geht in die Offensive

Einige Einrichtungen haben Caterer Vitesca nach dem Wallraff-Bericht gekündigt – andere bleiben dem Wuppertaler Unternehmen treu.
Einige Einrichtungen haben Caterer Vitesca nach dem Wallraff-Bericht gekündigt – andere bleiben dem Wuppertaler Unternehmen treu.
Foto: Archiv/Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Eine Reportage und ihre Folgen: Nach der Wallraff-Sendung über Hygienemängel in Großküchen kündigen viele NRW-Städte dem betroffenen Caterer Vitesca.

NRW.. Die "Team Wallraff"-Reportage über Hygienemängel in Großküchen hat weitreichende Folgen in unserer Region: Viele Städte haben dem Wuppertaler Caterer Vitesca gekündigt. Die TV-Journalisten hatten sich unter anderem in diesem Unternehmen eingeschleust und fanden Schimmel-Gurken und abgelaufenes Hackfleisch.

Viele Kündigungen und viele treue Kunden

Einige Städte und Einrichtungen haben schon auf die Enthüllungen reagiert – viele davon mit einer Kündigung. Es gibt aber auch Städte, die gelassener mit dem Thema umgehen: Schwerte etwa kann nur Positives berichten und hält auch weiter an Vitesca fest.

Großküchen In dieselbe Bresche schlägt die Antwort von Vitesca-Sprecher Erik Schweitzer: "Wir freuen uns, dass uns so viele Kunden die Treue halten." Dennoch: Vitesca sei ein Wirtschaftsunternehmen und müsse im Notfall auf Veränderungen wie diese reagieren – trotz allen Verantwortungsbewusstseins von Inhaberfamilie Reimann gegenüber ihren Mitarbeitern. Bisher zeichne sich das aber noch nicht ab. Die erschreckende Zahl von 50 Prozent Umsatzeinbruch, die der WDR kolportiert hatte, kann Schweitzer jedenfalls nicht bestätigen.

Ohnehin geht Wuppertaler Caterer sehr offen mit dem Bericht um. Auf der Firmen-Homepage wird nicht nur ein WDR-Bericht vom Tag nach der "Team Wallraff"-der Ausstrahlung verlinkt – es werden auch die meisten der Fragen aufgegriffen, die die Reportage aufwarf. Ein Video aus der Großküche erklärt die Arbeitsabläufe. Statt abzutauchen setzt Vitesca auf Konfrontation.

Statt abzutauchen setzt Vitesca auf Konfrontation

Als der Wallraff-Beitrag am Montag ausgestrahlt wurde, wusste das Unternehmen erst seit zwei Tagen von dem Bericht. "Wir haben vorbeugend sofort das Gesundheitsamt informiert", erklärt Vitesca-Sprecher Schweitzer. Einen Tag vor der Ausstrahlung hätte das Amt die Großküche noch kontrolliert. Am Tag danach standen die Kontrolleure zwangsweise wieder auf der Matte. Die Ergebnisse stehen noch aus, so Schweitzer.

Kunden werden sogar eingeladen, sich die Produktion vor Ort anzusehen – und zwar ohne Termin spontan während der Produktionszeit. Für viele Kunden kommt das zu spät: Sie haben sich schon zu einer Kündigung durchgerungen. Und so sieht es in einigen Städten der Region aus:

  • In Dortmund wurden bisher ein Kindergarten und sieben Grundschulen von Vitesca beliefert. Zwei Grundschulen, deren Ganztagsbetreuung von der AWO getragen wird, haben den Vertrag gekündigt und einen anderen Caterer gefunden. Vier OGS und eine Kita in katholischer Trägerschaft werden bis zu den Ferien weiter beliefert und werden dann wechseln. Eine Förderschule versorgt sich auf Wunsch der Eltern erstmal selbst.
  • In Duisburg haben sich zwölf Ganztagsschulen von Vitesca abgewandt. Der Mensabetreiber hatte dem Caterer mit sofortiger Wirkung gekündigt. Aber es ist schon ein neuer Lieferant fürs Schulessen gefunden: Das Rheinberger Unternehmen „Catering für Kids“ springt spontan in die Bresche.
  • In Lünen wurde bisher zwei Kindergärten und ein Gymnasium von Vitesca beliefert. Die Kitas wären aber ohnehin ausgestiegen und ziehen die Kündigung jetzt lediglich vor. Die Stadt hatte die Qualität des Essen schon länger auf dem Kieker – die anderen Kitas sind schon gewechselt. Das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium kocht in der Schulküche selbst, bis ein neuer Lieferant gefunden ist.
  • In Schwerte reagiert man gelassener als anderswo: Vier Kitas werden von der Vitesca beliefert – und weil es bisher nur positive Erfahrungen mit dem Wuppertaler Caterer gab, bleibt das auch so, betont die Stadt.
  • In Iserlohn ist die Vitesca-Lieferung für acht städtische Schulen vorerst gestoppt. Die Schulen bekamen von der Stadt ein Budget und müssen sich jetzt selbst versorgen. Gekündigt ist der Vertrag aber nicht: Die Stadt will erst die Untersuchungsergebnisse des Wuppertaler Gesundheitsamtes abwarten.
  • In Ennepetal müssen die Schulen bis zu den Sommerferien selbst kochen: Die Stadt beendete die Zusammenarbeit mit Vitesca. Auch die städtischen Kitas müssen erstmal ohne Caterer auskommen.
  • In Bochum werden städtische Schulen und Kitas ohnehin nicht von Vitesca beliefert. Das Akademische Förderungswerk (Akafoe) beliefert hier nicht nur die Uni-Mensen, sondern auch andere Einrichtungen. Auch städtische Ganztagseinrichtungen in Essen und Gelsenkirchen beziehen ihre Verpflegung nicht von Vitesca.