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Krankenkassen blocken Anträge auf Mütter-Kuren ab

31.10.2012 | 18:34 Uhr
Krankenkassen blocken Anträge auf Mütter-Kuren ab
Das Gefühl, dass alles über einem zusammenbricht, kennen viele berufstätige und alleinerziehende Mütter. Foto: ThinkStock

Dortmund.   Immer mehr Mütter leiden unter Erschöpfungssyndromen, Burn-out und Schlafstörungen. Doch wenn sie eine Kur beantragen, verweisen die Kassen sie oft an die Rentenversicherung - die aber nicht zuständig ist. „Das ist ein Verschiebebahnhof, der beendet werden muss“, heißt es beim Müttergenesungswerk.

Krankenkassen machen es ihren Versicherten oft schwer, die ihnen zustehende Mütter- oder Mutter-Kind-Kur zu erhalten. In zwölf Prozent der Fälle, so die Zahlen des Müttergenesungswerkes im ersten Halbjahr 2012, wurden die Frauen an die Rentenversicherungsträger verwiesen – obwohl diese gar nicht zuständig waren und die Anträge daher ablehnten. „Das ist ein Verschiebebahnhof, der beendet werden muss. Wir arbeiten daran“, sagt Anne Schilling, Geschäftsführerin des Müttergenesungswerkes (MGW).

Offen bleibt dabei, ob es sich dabei um Unwissenheit der Angestellten handelt oder um eine bewusste Methode der Kassen, um Kosten zu sparen. Tatsache sei jedoch: Nicht nur unter den einzelnen Bundesländern gebe es „unerklärbare Unterschiede“ bei der Ablehnungsquote , sondern auch innerhalb einzelner Städte und Kassen. Ob ein Antrag genehmigt werde, so Schilling, sei bislang nicht nur von einzelnen Mitarbeitern abhängig gewesen, sondern manchmal auch „von der Geschäftspolitik einer örtlichen Krankenkasse“.

Ablehnungsquote ist gesunken

Kommentar
Verwerflich und kurzsichtig

Wer eine Mütter-Kur beantragt, hat sie im Normalfall auch nötig. Deshalb ist es nicht nur verwerflich, wenn die Krankenkassen hilfesuchende Frauen abwimmeln, sondern auch kurzsichtig. Ein Kommentar.

Noch im letzten Jahr hatte der Bundesrechnungshof die Bewilligungspraxis der Kassen überprüft. „Das Ergebnis war vernichtend“, sagt Schilling. Weil massive Mängel aufgedeckt worden seien, habe der Bundestag einen konkreten Aufgabenkatalog an den GKV-Spitzenverband Bund beschlossen, um die Situation für Mütter zu verbessern. Die einheitliche Begutachtungs-Richtlinien, die seit Februar in Kraft sind, zeigen nun erste Erfolge: Die Ablehnungsquote bei den Krankenkassen ist im ersten Halbjahr auf 21 Prozent (Vorjahr 35) gesunken. „Dass die Umlenkung zur Rentenversicherung jedoch immer noch gleich hoch geblieben ist, zeigt, dass noch mehr passieren kann“, so die MGW-Geschäftsführerin.

Müttergenesungswerk
Der Kampf um die Kur

Bundesweit sind im ersten Halbjahr des laufenden Jahres 19 Prozent der Anträge auf Mutter-und-Kind-Kuren abgelehnt worden. Betroffene wie Anna Winter (42), Alleinerziehende mit Job, sind sauer und enttäuscht.

Der Verband der Ersatzkassen in NRW (vdek) begrüßte am Mittwoch die neuen Begutachtungs-Richtlinien, weil die Leistungsentscheidungen transparenter und einheitlicher geworden seien. Gleichzeitig betonte er, dass ein Verweis der Antragsteller auf andere Träger wie etwa die Rentenversicherung „grundsätzlich nicht zulässig“ sei. „Wir gehen aber davon aus, dass dies Einzelfälle sind“, sagte vdek-Sprecher Dirk Ruiss.

Der Rat von Anne Schilling an Frauen, die eine Kur beantragen wollen, ist jedoch eindeutig: „Verlassen Sie sich nicht nur auf Ihre Krankenkasse, sondern gehen Sie zuerst zur Beratungsstelle vor Ort.“

Alle Informationen zu Anträgen und Ansprechpartnern unter: www.muettergenesungswerk.de

Katja Sponholz



Kommentare
02.11.2012
21:24
Krankenkassen blocken Anträge auf Mütter-Kuren ab
von Jaqueline1970 | #7

Also, wenn Männer das leisten würden, was Frauen leisten, würden Sie aus der Kur gar nicht mehr nach Hause kommen.

Es wird von Müttern zunehmend immer mehr erwartet. Leider ist die derzeitige Betreuungssituation auch keine echte Hilfe.

Mal davon ab; es gibt Mütter, denen sind die Kinder nicht so wichtig. Diese Mütter benötigen vermutlich auch nie eine Kur.

Und dann gibt es die Engagierten Mütter, die zusehen, dass Ihr Kind gesund ißt, dass es gesund bleibt, sich regelmäßig bewegt und möglichst gut gefördert wird. Das ist natürlich anstrengend, zahlt sich aber später aus.

02.11.2012
10:21
Krankenkassen blocken Anträge auf Mütter-Kuren ab
von zebradompteur | #6

Ich kann cui.bono nur zustimmen und finde das auch alles recht albern. Ich habe auch viel Stress im Arbeitsalltag als Handwerker mit Zeitdruck und Co. Manchmal muss man einfach die Arschbacken zusammenkneifen und weitermachen.

Aber um beim Thema zu bleiben, bin ich auch ein Gegner von Mutter Kind Kuren einfach aus dem Grund, das ich mich Frage warum ich mit meinen Krankenkassenbeiträgen irgendeiner Mutter einen 3 Wochen Urlaubsaufenthalt bezahlen soll !
Es wurde sich doch bewusst für das Kind entschieden also mache ich mir als Elternteil dochvorher gedanken darüber das es sicherlich stressig werden kann.

5 Antworten
Krankenkassen blocken Anträge auf Mütter-Kuren ab
von calibraturbo | #6-1

Wer eine Kur mit einem Urlaubsaufenthalt verwechselt, hat noch nie eine gemacht.

@ calibraturbo
von cui.bono | #6-2

Stimmt!

Kuren sind billiger als Urlaub und man muss noch nicht einmal Urklaubstage dafür nehmen!

Kuren sind daher billiger, bequemer und zusätzlicher kostenloser Urlaub!

Krankenkassen blocken Anträge auf Mütter-Kuren ab
von destiny | #6-3

Es soll sogar Mütter geben, die Krankenkassenbeiträge bezahlen, die müssen sogar für dich aufkommen, wenn du jemals was von der KK brauchen solltest.
Ach das seh ich als beitragszahlende Mutter gar nicht ein, irgendwelchen anderen was mit meinen Beiträgen zu finanzieren.
Sieh es mal so rum.
Du willst und brauchst garantiert auch mal was aus der Gemeinschaft.

Krankenkassen blocken Anträge auf Mütter-Kuren ab
von calibraturbo | #6-4

#6-3

Seien Sie nachsichtig. Die sich noch entwickelnde geistige Reife und mangelnde Lebenserfahrung kann man einem mit hoher Wahrscheinlichkeit noch bei den Eltern Mitversicherten objektiv nicht vorwerfen.

Krankenkassen blocken Anträge auf Mütter-Kuren ab
von querulant08 | #6-5

Und solltest du vor lauter Stress Schlaganfall,Herzkasper oder sonstiges kriegen,sehe ich nicht ein, dass ich deine Reha sponser.

02.11.2012
10:02
Krankenkassen blocken Anträge auf Mütter-Kuren ab
von fsch | #5

@2 Immer wieder spannend, die Meinung unserer Hobby-Mediziner mit mehrjährigem Studium der Stammtischdiagnostik zu erfahren. Ich hoffe, Sie bleiben gesund.

02.11.2012
09:59
Krankenkassen blocken Anträge auf Mütter-Kuren ab
von B.Schmitz | #4

Interessant zu wissen wäre, welchen Müttern die Kur versagt wurde. Die die arbeiten und Kinder erziehen oder die, die den ganzen Tag zu Hause sitzen.

02.11.2012
09:57
Krankenkassen blocken Anträge auf Mütter-Kuren ab
von holmark | #3

Was hier ein Ahnungsloser als "Modekrankheiten" diffamiert, ist eine Folge unseres heutigen Lebens. Stress, Arbeitsdruck, Mitarbeiter auslutschen und wegwerfen, all dies führt zu diesen Krankheiten.
Um das zu erkennen, muss man sich aber mal mit Menschn und nicht nur mit Büchern beschäftigen.

Im übrigen versuchen Krankenkassen immer wieder, Leistungen nicht zu gewähren. Das ist zum Teil auch angemessen, weil es Simulanten gibt. Zum Teil ist diese Praxis aber einfach nur menschenverachtend.

02.11.2012
09:25
Ich kann es nicht mehr hören!
von cui.bono | #2

Burn-out, Erschöpfungswsyndrom, Depressionen sind nach meiner meinung reine "Modekrankheiten" und sollten von den Krankenkassen auch gar nicht mehr bezahlt werden.

Diese "Krankheit" nützen nur Heerscharen von Psychotherapeuten um deren Arbeitslosigkeit zu vermeiden.

1 Antwort
Krankenkassen blocken Anträge auf Mütter-Kuren ab
von calibraturbo | #2-1

Für jemanden, der sich befähigt fühlt, einen Kommentar zum Thema zu veröffentlichen, haben Sie erstaunlich wenig Ahnung von der Materie. Das Recht auf freie Meinungsäußerung bleibt davon natürlich unberührt.

02.11.2012
09:23
Krankenkassen blocken Anträge auf Mütter-Kuren ab
von Vatta | #1

Mit welchem Argument wird das Ablehnen von Mutter-Kind Kuren anders bewertet, als das Ablehnen anderer Kuren? Es gibt unzählige chronisch kranke Menschen in D, die Unsummen für Medikamente selber zahlen müssen, denen Physiotherapien verweigert werden, bei denen die Behandlungen durch Osteopathen nicht von den Kassen übernommen werden. All diese Menschen versuchen teilw, verzweifelt u. alleine ins Arbeitsleben zurückzukommen. Schmerzpatienten bekommen nur die preisgünstigsten Medikamente und nicht die am besten geeignesten verschrieben. Vorsorgeuntersuchungen zu Prostatakrebs, Hautkrebs u.s.w. werden nur selten von den Kassen übernommen. Diese Misstände kann man lange weiter ausführen. Bei allem Respekt für die Leistungen der Mütter: m.M. nach ist ein Großteil der Mütter schlicht und einfach überfordert weil Wunschdenken mit der bösen Realität kollidiert ist. Kinder machen kann jeder - Kinder groß zu ziehen ist STRESS! Überlegt Euch das bevor Ihr Kinder in die Welt setzt!

2 Antworten
Krankenkassen blocken Anträge auf Mütter-Kuren ab
von Vatta | #1-1

Dieser Artikel und erst Recht der Kommentar von Frau Sponholz ist ein Schlag ins Gesicht für alle Schmerzpatienten. Bevor man hier den überforderten Müttern irgendwelche Erholungs-Kuren zugesteht, sollte man sich besser um die echten Leiden von Schmerzpatienten oder anderen chronisch Kranken kümmern. Neurodermitis-kranke, Rheumapatienten, Unfallopfer etc. mit eingeschlossen. Diese Art des Journalismus ist an Mainstream-Geschreibsel kaum noch zu überbieten. Ohne kritisches Hinterfragen wird hier einfach Stimmung gemacht, gegen die "bösen" Krankenkassen, die den armen Müttern nicht helfen wollen. Dabei gibt es hier viel mehr Menschen die ganz andere Probleme haben, als stressige Kinder.

So und nun könnt Ihr mich alle gerne als Macho beschimpfen

Krankenkassen blocken Anträge auf Mütter-Kuren ab
von kadiya26 | #1-2

Recht haste Vatta!

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