Das aktuelle Wetter NRW 13°C
Kraftklub

Kraftklub – in der großen Halle noch nicht ganz groß

03.11.2012 | 16:20 Uhr
Kraftklub – in der großen Halle noch nicht ganz groß

Dortmund.  Die fünf Jungs aus Chemnitz spielten zum ersten Mal in der Westfalenhalle – und fanden das wohl selbst am erstaunlichsten. Musikalisch konnten sie überzeugen, doch ihre Entertainer-Qualitäten passen noch nicht so recht zum Arena-Rahmen.

Wie stolz sie waren. Fünf Jungs aus Karl-Marx- Stadt in der Champions League der Konzertarenen. Wer hätte das vor zwei Jahren schon gedacht? Nur eine EP und ein Nummer-eins-Album später ist es Wirklichkeit. Kraftklub spielen in der Westfalenhalle in Dortmund – der Westfalenhalle eins. Kraftklub haben es geschafft. Sie sind im deutschen Olymp der Musikunterhaltung angekommen. Nur wenige Monate zuvor kam ihr Debüt-Album „Mit K“ auf den Markt, drei Singles haben es bis dato in die öffentliche Wahrnehmung geschafft. Und nun das: die Westfalenhalle eins!

Krass war das, um es in den Worten von Frontmann Felix auszudrücken. „Das Krasseste, was ich je erlebt habe.“ Das wurde er nicht müde, fast die gesamte erste Stunde des Konzerts bei gefühlt jeder Ansage zu wiederholen. „Alter, ist das krass.“ „Das ist das Krasseste, was wir je gespielt haben.“ Der Überschwang darüber in jenem Konzertsaal aufzutreten, in dem sich nur die ganz Großen tummeln, den nur die Crème de la Crème der nationalen und internationalen Musikszene bespielen darf, wurde mehr als deutlich.

An den Entertainer-Qualitäten muss noch gefeilt werden

Und um es vorweg zu nehmen: Es war ein gutes Konzert! Es war ein gutes Konzert, das seine Momente hatte, aber ebenso offenbarte, dass die Kraftklubber wohl noch nicht ganz großbühnen-tauglich sind. Dafür trat viel zu offen zutage, dass ihnen noch die Entertainer-Qualitäten für solch ein Forum fehlen.

Natürlich, mit ihren erfrischend druckvollen Up-Tempo-Nummern können Kraftklub auch eine Westfalenhalle eins in Grund und Boden rocken. Das stellten sie trotz des etwas breiigen Sounds am Freitagabend unter Beweis. Der massive Geräusch-Pegel beim Applaus nach jedem Lied ist das wohl beste Indiz dafür, dass Kraftklub begeistern können – auch in einer großen Halle. Dennoch muss man auch konstatieren, dass das Konzert lediglich dann begeisterte, wenn die Musik spielte. Gut, das ist wohl das Wesen eines Konzerts, doch die Phasen zwischen den Liedern machen den großen Unterschied aus: zwischen einem Konzert und einem Konzerterlebnis.

Mit ein bisschen Übung 1. Liga

Kraftklub haben in Dortmund ein Konzert gespielt – ein gutes Konzert, wie bereits erwähnt. Da kamen sämtliche Hits zum Zuge, fast alle Nummern vom Album, sogar etliche ältere Songs, wenn man das in Anbetracht ihrer noch jungen Bandgeschichte überhaupt sagen kann. Krafklub haben ein Konzert gespielt, das jeden Konzertbesucher rundum zufrieden hat nach Hause gehen lassen. Und dennoch war bei keinem Konzertbesucher der große Überschwang auszumachen wie bei der Band selbst.

Dafür fehlte einfach das gewisse Etwas, der Esprit, den die ganz Großen versprühen, wenn sie in der Westfalenhalle spielen. Da entstehen keine 30-Sekunden-Löcher während der Ansagen, da wird nicht redundant davon geschwärmt, was es doch für ein großartiges Erlebnis für die Band selbst ist, in so einer großen Halle zu spielen. Da muss sich nicht das Publikum mit seiner Animosität– ob ernst gemeint oder nicht – mit der „Scheißtribüne“ beschäftigen, gegen die der Innenraum mehrmals skandierte. Hier können Kraftklub noch dazulernen. Die frisch-frivole Frechheit, die ihre Texte auszeichnet, machte sich leider noch nicht in ihren Ansagen bemerkbar. Und ja: Vielleicht ist das tatsächlich etwas viel verlangt für das erste richtig große Konzert, aber: Sofern die Band dies bewerkstelligen kann, hat sie das Potenzial zu den ganz Großen der Republik zu gehören. Das jedenfalls wäre ziemlich krass! 

Timo Baudzus



Kommentare
04.11.2012
22:59
Kraftklub - in der großen Halle noch nicht ganz groß
von SPet | #2

Wow, da musste ich mich hier doch glatt registieren, um zu diesem Artikel Stellung zu nehmen. Ich habe am Freitag die Westfalenhalle mit dem Gefühl verlassen, gerade eines der genialsten und vor allem sympathischsten Konzerte meiner Konzertbesucherlaufbahn gesehen zu haben - und meine Liste ist lang... Ich habe selten ein so kraftstrotzendes (mit K) Konzert gesehen, das eben deshalb so gerockt hat, weil man in jeder Sekunde gemerkt hat, wie viel Bock alle Beteiligten (incl. Vorbands) hatten, diese Halle zu bespielen. Die Band war absolut ansteckend in ihrer Begeisterung und und ich kann gar nicht fassen, dass jemand, der mit in der Halle war, das anders sehen kann. Ich für meinen Teil habe mich in jeder Sekunde für die Band mitgefreut, war in keinster Weise angenervt von den Zwischenspielen. Kraftklub ist das Kunststück gelungen, in der riesen Westfalenhalle ein endgeiles Wohnzimmerkonzert zu geben!

03.11.2012
18:50
Kraftklub - in der großen Halle noch nicht ganz groß
von Zeilenakrobatik | #1

Wenn man sich den Bericht durchliest und die eigenen Eindrücke vom gestrigen Konzert damit vergleicht, stellt sich einem eigentlich nur eine Frage: Alter, auf welchem Konzert war der Timo Baudzus da eigentlich? Helene Fischer?!
Ein kluger Fuchs könnte sich aber auch fragen:
Oder stand der Gute etwa vor und nicht in der Halle und hat das alles gar nicht mitbekommen?!
Völlige Fehleinschätzung - auch, wenn man sich das Feedback auf Facebook mal näher betrachtet.

1 Antwort
Wahrnehmung ist subjektiv
von Stefan2 | #1-1

Wahrnehmung ist subjektiv. Es ist gar nicht verwunderlich, dass unterschiedliche Leute unterschiedliche Einschätzungen von ein- und derselben Situation haben.

Aus dem Ressort
U-Bahn in Duisburg vor dem Aus - Das wären die Folgen
ÖPNV
Die Duisburger Verkehrsgesellschaft befördert jährlich 30 Millionen Fahrgäste, allein auf den U-Bahn- und Straßenbahnlinien. Allerdings könnte in Zukunft diese wichtige Verbindung durch die Tunnel wegfallen, weil der Sanierungsstau immens ist, es keine Rücklagen gibt und die Technik veraltet ist.
Zuweisung von Flüchtlingen an Duisburg wird nicht gestoppt
Flüchtlinge
Verwirrung um die Zeltstadt in Duisburg-Walsum. Einige Medien hatten am Mittwoch berichtet, dass die für die Zuweisung der Flüchtlinge verantwortliche Bezirksregierung Arnsberg, die Zuweisung an Duisburg "storniert" habe. Das ist falsch. Die Unterbringung in den Zelten soll dennoch vermieden werden.
Nach Operation entlassen - auf dem Heimweg angefahren
Unfall
Ein 27-Jähriger überquerte am Dienstagnachmittag die Florastraße in Gelsenkirchen. Wegen starkem Verkehr bleib er mitten auf der Straße stehen und wurde von einem Autofahrer übersehen. Beim Zusammenprall verletzte er sich und musste ins Krankenhaus - dort kam er aber gerade nach einer Operation her.
Giftstoff-Lager auf Logport in Duisburg-Rheinhausen geplant
Wirtschaft
Ein Chemie-Transport-Unternehmen aus Hürth hat bei der Bezirksregierung den Bau eines Logistikzentrums in Rheinhausen beantragt. Dort sollen künftig in drei großen Lagerhallen bis zu 28.000 Tonnen feste und flüssige Giftstoffe ab- und umgefüllt werden. Auch die Lagerung des Gefahrguts ist geplant.
"Arschkopfstraße 15" — Randalierer pöbelt Polizisten an
Randale
"Jungs, euch hat die Gestapo geschickt"; "Ich wohne in der Arschkopfstraße 15"; "Ihr Spinner gehört zurück ins dritte Reich". Es war ein Feuerwerk der Geschmacklosigkeiten, das sich Beamte der Bundespolizei von einem Lüner im Dortmunder Hauptbahnhof gefallen lassen mussten. Auslöser war ein Saft.
Umfrage
Duisburg droht seine U-Bahn zu verlieren, weil eine Sanierung des maroden Systems zu teuer wäre. Würde Ihnen die Bahn fehlen?

Duisburg droht seine U-Bahn zu verlieren, weil eine Sanierung des maroden Systems zu teuer wäre. Würde Ihnen die Bahn fehlen?

 
Fotos und Videos