„Kopfprämien“ für neue Patienten?

Bochum..  Der angesehene Bochumer Radiologe Dietrich Grönemeyer soll niedergelassenen Ärzten „Fangprämien“ zahlen, wenn sie Patienten an sein Institut überweisen. Das behauptet das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. 100 Euro soll der 62-Jährige den Kollegen pauschal für jeden Fall zahlen.

Laut „Spiegel“ begründet er die Zahlung mit den Vorleistungen der Mediziner, bevor sie ihre Patienten in das Institut schicken. Krankenkassen argumentieren allerdings, dass die niedergelassenen Ärzte ihre Arbeit selbst über die Chip-Karte mit der Kasse abrechnen. Kliniken seien nicht berechtigt, einen Teil ihres Honorars für jeden Patienten an andere Ärzte zu überweisen. Stimmen die Vorwürfe, wäre Dietrich Grönemeyer sicherlich kein Einzelfall. Denn eine im Jahr 2012 veröffentlichte Studie der Universität Halle-Wittenberg im Auftrag der gesetzlichen Krankenkassen hatte ergeben, dass jede vierte Klinik in Deutschland den behandelnden Arzt für die Überweisung eines Patienten bezahlt. Über Parteigrenzen hinweg hatten Politiker diese angebliche Praxis kritisiert.

Mediziner Grönemeyer war gestern nicht zu erreichen. „Der Spiegel“ hatte nach eigenen Worten eine Anfrage an den Radiologen gerichtet, die dieser nicht selbst beantwortet hätte. Reagiert hätte nur ein Anwalt. Er soll erklärt haben, dass über den Vorgang nicht berichtet werden dürfe – sonst sei mit einer Gegendarstellung und Schadener­satzforderungen zu rechnen.