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Kölner Botschaft

Kölner Botschaft: Tolerant gegen Fremde, hart zu Kriminellen

22.01.2016 | 18:55 Uhr
Kölner Botschaft: Tolerant gegen Fremde, hart zu Kriminellen
Navid Kermani ist der Initiator der „Kölner Botschaft“. Der Schriftsteller mit persischen Wurzeln erhielt im vergangenen Jahr den , Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.Foto: imago stock&people

Im Rheinland.   Prominente aus Köln, Düsseldorf und Bonn versuchen, mit einer „Kölner Botschaft“ Selbstverständnis, Weltoffenheit und Kritik zu vereinen. In vier Punkten fordern sie die Ächtung sexueller Gewalt gegen Frauen, ein hartes Durchgreifen gegen kriminelle Banden, Konsequenzen aus dem Versagen der Behörden und ein Ende der fremdenfeindlichen Hetze.

Rheinländer sein heißt: Zerrissenheit aushalten. Das Herz ist überzeugt, in der besten aller Städte zu leben, insbesondere, wenn sie Köln heißt. Der Kopf hat, nicht erst seit Silvester, mehr als nur Zweifel. Die Sorge um das gesellschaftliche Miteinander hat eine ganze Reihe von Prominenten bewogen, eine „Kölner Botschaft“ zu veröffentlichen, die trotz der Liebe zur Heimat mit kühlem Kopf Aufklärung fordert, mit Kritik nicht spart und retten will, was vom rheinischen Lebensgefühl nach der Silvesternacht zu retten ist.

Denn: „Die Ängste, wechselseitigen Vorwürfe, unbeantworteten Fragen und manche reißerischen Medienberichte, die seit der Silvesternacht die Gespräche und Debatten (...) beherrschen, drohen zu einer Spaltung in unserer Gesellschaft zu führen“, so die prominenten Unterzeichner vom Erzbischof bis zum Kabarettisten. Auch Prominente aus Bonn und Düsseldorf unterstützen den Text, der mit den Worten „Wir lieben Köln“ beginnt und ins Englische, Persische und Arabische übersetzt wurde.

In vier Punkten fassen die 18 Unterzeichner zusammen, was sie als Antwort auf die Silvesternacht von Köln erwarten. Der erste Punkt „Keinerlei Tolerieren von sexueller Gewalt“. Der in der Silvesternacht ausgeübten Gewalt liege ein bedrückendes Frauenbild zugrunde, so die Verfasser. „Uns ist dieser Machismo immer wieder auch in Milieus von Menschen arabischer oder orientalischer Herkunft begegnet. Das dürfen, ja müssen wir benennen, wenn wir durchsetzen wollen, dass die Würde der Frau jederzeit und an jedem Ort unantastbar ist.“ Der Appell: „Wir nehmen uns vor, früher und entschiedener einzuschreiten, wo immer Frauen bedrängt werden.“

Zweiter Punkt: „Kampf gegen bandenmäßige Kriminalität“. Es gibt „seit einigen Jahren in Köln eine bandenmäßige Straßenkriminalität (...), die hauptsächlich von Marokkanern und Algeriern verübt wird“, zu fragen sei, warum nordafrikanische Nachbarn ihre Landsleute kennen „aber die Polizei augenscheinlich keinen Zugriff auf sie hat“. Die Forderung: „Wir erwarten, dass der Rechtsstaat entschiedener gegen Straßenkriminelle vorgeht, sie bestraft und gegebenenfalls auch ausweist.“

Im dritten Punkt werden Konsequenzen aus dem Versagen der Behörden gefordert: Die Verantwortlichen oberhalb und unterhalb des geschassten Polizeipräsidenten müssten zur Rechenschaft gezogen werden. „Innerhalb weniger Jahre haben die Sicherheitsbehörden allein in Köln viermal auf fatale Weise versagt: nach den beiden NSU-Anschlägen, als Opfer wider besseres Wissen über Jahre zu Tätern gestempelt wurden, 2014 bei den Ausschreitungen der rechtsextremen „Hogesa“, als die Mitte unserer Stadt ebenfalls über Stunden ein rechtsfreier Raum war, und nun in der Silvesternacht. Daraus schließen wir, dass in den Sicherheitsbehörden strukturelle Probleme vorliegen, die dringend behoben werden müssen.“

Vierter Punkt: „Schluss mit der fremdenfeindlichen Hetze“. Die Verrohung der öffentlichen Diskussion führe dazu, dass Ausländer unter Pauschalverdacht gestellt und angegriffen werden. Zuwanderung habe Köln seit 2000 Jahren kulturellen und materiellen Reichtum beschert. „Allerdings sind wir uns einig, dass eine unkontrollierte Zuwanderung solchen Ausmaßes, wie wir sie seit dem Herbst beobachten, nicht von Dauer sein kann“, so die Botschaft – die Kölner schließen ihre Erklärung indem sie den Kopf heben und den Kontinent in den Blick nehmen: „Eine Flüchtlingspolitik, die human, gerecht und auch langfristig ausgerichtet ist, kann es nur im europäischen Verbund geben.“

Stephan Hermsen

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Kölner Botschaft: Tolerant gegen Fremde, hart zu Kriminellen
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2016-01-22 18:55
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