Keine Schokolade, kein Schnaps!

An Rhein und Ruhr..  Der Alkohol ist vernichtet, der Konfetti-Vorrat leer, das Narrenkostüm hängt wieder im Schrank: Nach wilder Karnevalsfeierei ist am Aschermittwoch Schluss mit lustig. Im christlichen Jahreskreis steht dann bis Ostern die Fastenzeit an. Das bedeutet 40 Tage Abstinenz – und Finger weg von Süßigkeiten, Zigaretten und anderen Lastern. Doch lohnt strenger Verzicht aus gesundheitlicher Sicht überhaupt? Wird man durchs Fasten fit?

Der wichtigste Aspekt ist vielleicht sogar das Fitmachen der Seele. Wer sieben Wochen verzichtet, schafft Ordnung und reinigt Seele und Geist, meinen Theologen. „Die Fastenzeit ist ein Experiment mit sich selber, mit dem Ziel, ausgeglichener und innerlich zufriedener zu sein“, sagt Pastoralreferent Peter Hundertmark von der Deutschen Bischofskonferenz.

Auch Fachmediziner finden Fasten gut. Für sie bedeutet das aber in erster Linie, die Kalorienzufuhr durch Flüssignahrung drastisch zu reduzieren – die Kilos purzeln folglich schnell. Statt nur Suppe zu trinken, reicht es aber meistens schon, Dickmacher wie Süßigkeiten wegzulassen: Das stabilisiert den Kreislauf.

Das Gehirn schüttetGlückshormone aus

„Wir fühlen uns dann fitter, sind weniger müde und haben ein besseres Wohlbefinden“, sagt Professor Martin Hausberg, Vorstand der Deutschen Hochdruckliga. Das Gehirn schüttet Glückshormone aus. Und wenn man dann im Frühjahr mit dem Sport beginnt, tut es gut, ein paar Pfunde weniger mit sich herumschleppen zu müssen.

Trotz aller guten Vorsätze warnen Mediziner aber auch vor einer strikten Fastenkur. Wer zu lange zu wenig isst, schadet dem Körper. „Menschen mit ernstzunehmenden Erkrankungen sollten ohne ärztliche Anleitung überhaupt nicht fasten“, sagt Fasten-Experte Peter Strauven. Kontraproduktiv ist außerdem Stress im Alltag. Statt nur einige Wochen seine Ernährung umzustellen, lohne es sich vielmehr, die Lebensweise dauerhaft zu ändern, erklärt Hochdruckliga-Chef Hausberg.

Wer sich zu viel vornimmt, baut außerdem großen Druck gegenüber sich selbst auf. „Es gibt immer Momente, in denen man schwach wird“, sagt der Psychologe Dirk Wisny. Er warnt außerdem davor, nur auf etwas zu verzichten, um sich selbst oder anderen etwas beweisen zu wollen. Wer demonstrativ zeige, dass er faste, ziehe eher Ärger auf sich - und verfehle somit den eigentlichen Sinn des Fastens.

Beim Fasten lassen sich in den kommenden Wochen mehrere Typen unterscheiden:

Der Religiöse will sich durch Verzicht auf liebgewordene Gewohnheiten Klarheit darüber verschaffen, was sein Leben wirklich trägt.

Der Gesundheitsbewusste ist unter Fastenden in der Mehrheit. Jeder Zweite gibt an, aus gesundheitlichen Gründen zu verzichten - meist auf Alkohol oder Süßes.

Der Inkonsequente nimmt sich ganz viel vor, schafft es aber bei Weitem nicht - und belügt sich bis Ostern selbst. Laut Umfrage ist der Anteil dieses Typs aber angeblich recht klein: 44 Prozent blieben eisern, 42 Prozent wurden zwar schwach, hielten danach aber durch. 14 Prozent brachen ab.

Der Stille hängt sein Fasten nicht an die große Glocke. Das ist dann ein Vorteil, wenn man das Fasten nicht durchhält. Auf der anderen Seite könne die große Glocke aber auch helfen, meint der Psychologe Werner Gross. „Der Vorteil ist: Man bekommt Hilfe durch soziale Kontrolle.“ Und schaffe es dann vielleicht leichter, 40 Tage durchzuhalten.