„Keine Mieter herausmodernisieren“

An Rhein und Ruhr..  Der Behindertenbeauftragte der Landesregierung spricht von mindestens 300 000 Wohnungen, die in NRW alters- und behindertengerecht umgebaut werden müssten, der Sozialverband VdK von einer halben Million, die Uni Münster gar von 700 000 – eines ist klar: Es besteht großer Handlungsbedarf. Die Landesregierung will in diesem Jahr die Landesbauordnung an die Anforderungen der Barrierefreiheit anpassen. In der Wohnungswirtschaft sorgen die Pläne für Unruhe, man befürchtet hohe Kosten. Kein Wunder: Im Schnitt, hat der VdK berechnet, kostet der Umbau zu einer barrierefreien Wohnung 16 000 Euro.

„Die Politik fordert bezahlbaren Wohnraum, erhöht aber zugleich die Anforderungen bei der energetischen Gebäudesanierung oder der Barrierefreiheit und lässt die Eigentümer im Regen stehen“, sagt Erik Uwe Amaya, Verbandsdirektor bei Haus und Grund Rheinland. Natürlich sei es selbstverständlich, dass eine älter werdende Gesellschaft mehr Barrierefreiheit brauche. Die Wohnungswirtschaft plädiere aber für eine „Politik mit Augenmaß, die auch die Kosten im Blick hat“, so Amaya. Schließlich sei auch nicht jede Generation auf Barrierefreiheit angewiesen; so könne es ausreichen, in Mehrfamilienhäusern nur einzelne Wohnungen alters- und behindertengerecht umzubauen.

Wer zieht eigebntlich ein?

Den Mieterbund in Nordrhein-Westfalen treiben ebenfalls die Kosten um, aber selbstredend die, die für die Mieter anfallen können. „Was wir auf jeden Fall brauchen, ist eine Veränderung bei der Modernisierungsumlage“, sagt der Vorsitzende Bernhard von Grünberg. Derzeit können Vermieter bis zu elf Prozent der Modernisierungskosten auf die Miete umlegen, eine Quote, die nach Ansicht von Grünbergs in Zeiten von Niedrigstzinsen nicht mehr angemessen ist. Er plädiert für eine Quote von maximal fünf Prozent. Natürlich sei der Mieterbund für den altersgerechten Umbau von Wohnungen. „Es darf aber nicht sein, dass Mieter herausmodernisiert werden.“ Noch etwas anderes ist von Grünberg wichtig: Die Frage, wer eigentlich in alters- und behindertengerecht umgebaute Wohnungen einzieht. „Es müssten ältere oder behinderte Menschen sein, die darauf angewiesen sind. Stattdessen lassen Vermieter oft junge Familien einziehen.“

Um das zu ändern, sollten in den Wohnungsämtern Listen angefertigt werden von Menschen, die auf barrierefreie Wohnungen angewiesen und auf Wohnungssuche sind. Diese Menschen müssten bei der Vergabe umgebauter Wohnungen den Vorzug erhalten, fordert von Grünberg. Leider drehe sich die aktuelle Diskussion zu sehr um Zahlen und weniger um die Menschen: „Die Frage, wie man eigentlich behinderte Menschen in die für sie passenden Wohnungen hineinbekommt, wird derzeit nur unzureichend angegangen“, so der Vorsitzende des nordrhein-westfälischen Mieterbunds.