Karneval: Mutige Wagen, feiernde Jecken und ein verletzter Prinz

Ein Karnevalswagen zeigt in Düsseldorf das Motiv "Charlie Hebdo - Satire kann man nicht töten".
Ein Karnevalswagen zeigt in Düsseldorf das Motiv "Charlie Hebdo - Satire kann man nicht töten".
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Bei den Rosenmontagszügen in der Region haben Tausende Jecken gefeiert - und reagierten mit Satire auf die Angst vor dem Terror. Eine Karnevalsbilanz.

Essen/Düsseldorf.. Tausende Karnevalfans haben am Rosenmontag mit beißender Satire der Angst vor Anschlägen die Stirn geboten. Auf die islamistischen Anschläge am Wochenende in Kopenhagen und im Januar in Paris reagierten die Karnevalisten mit klaren Bildern: In Düsseldorf zeigte Wagenbauer Jacques Tilly einen Mann ohne Kopf auf der Flucht vor einem Maskierten, der ein bluttropfendes Schwert schwingt. Das Opfer hielt eine Ausgabe des Satiremagazins "Charlie Hebdo" in Händen. Aus seinem offenen Hals kam die Sprechblase "Satire kann man nicht töten".

Im Düsseldorfer Zug griffen gleich mehrere Motivwagen das Thema Terror auf. Die Terror-Miliz IS und Al-Kaida traten zum "Terror-Wettkampf" im Armdrücken an. Drei Taliban-Kämpfer trugen Turbane mit der Aufschrift "Terror hat nichts mit Religion zu tun". Auf einem Motto-Wagen zeigte Russlands Präsident Putin nackte Brust und muskelbepackten Militärarm sowie einen schwächlichen Arm für die Wirtschaft.

Prinz fällt vom Festwagen und verletzt sich schwer

Karnevals-Fotos Ein Sturz des Karnevalsprinzen vom stehenden Festwagen hat den Rosenmontagsumzug in Wermelskirchen-Dabringhausen überschattet. Der 40-jährige Prinz Daniel stürzte laut Polizei am Mittag rückwärts aus dem 3,80 Meter hohen Wagen, schlug mit dem Rücken auf den Asphalt auf und verletzte sich schwer.

Er wurde mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus nach Köln gebracht. Laut Bild-Zeitung erlitt er mehrere Wirbelbrüche, ist aber nicht lebensgefährlich verletzt. Seine Füße habe er nach dem Sturz bewegen können – die Nerven seien wohl nicht betroffen.

Nach ersten Erkenntnissen handelte es sich um einen Unfall. Die Polizei wird den Vorfall weiter untersuchen. Der Motivwagen (Ritterburg mit Türmen) wurde aus dem Verkehr gezogen.

Proteste gegen Gänsereiter in Wattenscheid

Proteste von Tierschützern haben das traditionelle Gänsereiten in Bochum-Wattenscheid begleitet. Etwa 60 Demonstranten nahmen am Montag an dem Protestzug teil. Bei dem Karnevalsbrauch wird eine zuvor getötete Gans an den Füßen zwischen zwei Bäumen aufgehängt. Die Reiter versuchen dann, ihr im Galopp den Kopf abzureißen. "Solche Gewaltdarstellungen sind eine widerliche Art zu Feiern", kritisiert Thorsten Arnold, einer der Organisatoren der Demonstration. Eine Online-Petition gegen den Brauch hatten bis zum Montag mehr als 56 000 Internetnutzer unterzeichnet. Die Initiatoren fordern die Stadt Bochum darin auf, das Gänsereiten zu verbieten.

Die Stadt sieht keinen Handlungsbedarf. "Es gibt keine Anhaltspunkte, die ein behördliches Einschreiten rechtfertigen würden", sagte Sprecher Thomas Sprenger. Regelmäßig würde kontrolliert, ob der Karnevalsbrauch gegen die Lebensmittelhygiene oder den Tierschutz verstoße. Das sei nicht der Fall. Der Gänsereiterverein aus Sevinghausen wollte keine Stellungnahme abgeben.

Ordnerin in Düsseldorf verletzt

In Düsseldorf wurde eine Ordnerin schwer verletzt. Der Fahrer eines Motivwagens hatten die Frau nicht gesehen. Es kam zum Zusammenstoß. Die Ordnerin stürzte auf den Asphalt und erlitt schwere Verletzungen. Sie wurde von einem Notarzt versorgt und dann zur Behandlung in ein Krankenhaus transportiert.

Bereits am Sonntag hatte es in Düsseldorf einen gewaltsamen Zwischenfall gegeben. Während des traditionellen "Kö-Treibens " am Mannesmannufer soll eine Gruppe von 15 Karnevalisten versucht haben einen in Gewahrsam genommenen Schläger gewaltsam zu befreien. Die Männer aus dem Ruhrgebiet sollen sich eine Schlägerei mit der Polizei geliefert haben.

Jugendliche rufen "Heil Hitler" im Rüttenscheider Zug

Eine Gruppe Jugendlicher hat im Rüttenscheider Rosenmontagszug „Heil Hitler"-Rufe skandiert. Sie haben Platzverweise und Strafanzeigen erhalten. Ganz in schwarz gekleidet hat die Gruppe Teenager beim Zug in Essen-Rüttenscheid für Ärger gesorgt.

22-Jährige stirbt nach Karnevalsfeier bei Autounfall

Polizei Auf dem Rückweg von einer Karnevalsfeier ist eine 22-Jährige bei einem Autounfall im Kreis Düren getötet worden. Der Fahrer wurde schwer verletzt. Er verlor am Montagabend auf der Bundesstraße 399 in einer Kurve die Kontrolle über das Auto, der Wagen überschlug sich und landete auf einer Wiese. Beide wurden aus dem Fahrzeug geschleudert. "Sie waren beide nicht angeschnallt", sagte ein Polizeisprecher in Düren am Dienstagmorgen. Nach ersten Ermittlungen hatte der 22-Jährige Alkohol getrunken. Er wurde in eine Klinik gebracht und sollte eine Blutprobe abgeben. Seine Beifahrerin wurde unter dem Wrack eingeklemmt und starb noch am Unfallort.

Karneval geht am Veilchendienstag auf die Zielgerade

Auf den letzten Drücker wird am Veilchendienstag in vielen Karnevalshochburgen gefeiert. In Mönchengladbach ziehen 71 Festwagen und knapp 4000 Kostümierte durch die Stadt. In Düsseldorf schlägt dagegen schon die letzte Stunde für die großen Mottowagen aus dem Rosenmontagszug: Die meterhohen Figuren aus Pappmaché werden abgewrackt.

In Dortmund vergeben Karnevalisten auf dem "Geierabend" den "Pannekopp des Jahres", einen Antiorden aus rostigem Stahl, für fragwürdige Verdienste um das Ruhrgebiet.

In Mainz empfängt um 11.11 Uhr die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) die närrischen Korporationen in der Staatskanzlei. Ebenfalls in Rheinland-Pfalz steht die 66. Ausgabe des Veilchendienstagszuges in Neuwied auf dem Programm. In Trier steigt der traditionelle Schärensprung-Umzug: Dabei wird ein Narren-Zug von einer Kette springender Karnevalisten angeführt.

Mehr oder weniger lecker wird es im schwäbischen Baden-Württemberg: Dort steigt ein traditionelles Froschkuttelnessen mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Froschkutteln bestehen aus Innereien vom Rind.

Am Aschermittwoch endet dann das närrische Treiben. In den Fastnachts-Hochburgen geben die Narren die Schlüssel der Rathäuser und damit die Macht wieder ab. Dann beginnt die Fastenzeit. (we/dpa)