Jäger warnt vor „rasch wachsender“ Salafisten-Szene

NRW-Innenminister Ralf Jäger (re., SPD) spricht in Wuppertal mit Mitarbeitern der Anlaufstelle des Präventionsprogramms "Wegweiser".
NRW-Innenminister Ralf Jäger (re., SPD) spricht in Wuppertal mit Mitarbeitern der Anlaufstelle des Präventionsprogramms "Wegweiser".
Was wir bereits wissen
NRW baut das Aussteiger-Programm "Wegweiser" für Salafisten aus: Jetzt eröffnete eine Beratung in Wuppertal. Dortmund, Duisburg und Dinslaken folgen.

Düsseldorf/Wuppertal.. NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) warnt vor einer „rasch wachsenden“ Szene des gewaltbereiten Salafismus in NRW. Um den Einstieg jugendlicher Muslime in den Salafismus zu verhindern, will Jäger in diesem Jahr vier weitere Beratungsstellen einrichten.

Salafismus-Hilfe auch in Duisburg, Dinslaken und Dortmund

Am Dienstag hat er eine „Wegweiser“-Beratung in Wuppertal eröffnet. Weitere Büros sind noch in diesem Jahr in Duisburg, Dinslaken, Köln und Dortmund geplant. Bisher gibt es „Wegweiser“ in Düsseldorf, Bochum und Bonn. Landesweit gehen Behörden von mindestens 1900 gewaltbereiten Salafisten aus – allein 200 in Bonn.

Salafismus Die „Wegweiser“- Berater wenden sich pro Woche an über 40 Hilfesuchende. Derzeit arbeiten Sozialarbeiter mit 30 Jugendlichen besonders intensiv, um ihre Radikalisierung zu stoppen. Häufig meldeten sich Eltern von Jugendlichen mit Migrationshintergrund, weil sich der Sohn anders kleide, plötzlich hochreligiös werde und von den Familien abdrifte, sagte Jäger.

Die Berater helfen dann bei der persönlichen Betreuung, schulischen Problemen und der Suche nach einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz. Nach Angaben Jägers ist es in einigen Fällen gelungen, dass betroffene Jugendliche wieder zur Schule gehen und Kontakt zur Familie aufnehmen.

"Jäger ist sich Dimension des Problems nicht bewusst"

Der CDU-Innenexperte Theo Kruse kritisierte, dass Minister Jäger die Gefahr der schnell wachsenden Salafisten-Szene nach wie vor nicht erkannt habe. Experten gingen von einer deutlich höheren Dunkelziffer bei Salafisten aus.

Islamismus FDP-Experte Joachim Stamp sprach von einem „Placebo“ des Ministers, der bisher gerade einmal vier Stellen in NRW bereit stelle. „In keinem anderen Bundesland ist das Problem mit gewaltbereiten Salafisten so hoch wie in NRW“, mahnte Stamp. Jäger sei sich der Dimension des Problems nicht bewusst.

Die neue Anlaufstelle in Wuppertal ist für das Bergische Land zuständig. In Wuppertal waren vor einigen Monaten Salafisten als selbst ernannte "Scharia-Polizei" aufgetaucht. In Solingen hatten Salafisten am 1. Mai 2012 Polizeibarrikaden gestürmt und Polizisten verletzt.(mit dpa)