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In Düsseldorf geht der Halbnackt-Scanner in Betrieb

22.05.2013 | 18:16 Uhr
Volontär Arne Schleef im Körperscanner: Nicht sehr nackt, aber das Versteckte aufgespürt.Foto: Mark Keppler

Düsseldorf.   Am Düsseldorfer Flughafen geht der erste Körperscanner NRWs in Betrieb. Unser Selbstversuch zeigt: Vor nackten Tatsachen müssen sich die Passagiere nicht fürchten. "Mit den Körperscannern beschleunigen wir die Abfertigung, wahren aber gleichzeitig die Intimsphäre“, erklärt Christoph Blume, Sprecher der Flughafengeschäftsführung.

Einmal Gangster spielen. Es ist so weit. Links im Socken steckt ein Klappmesser, in der rechten Hosentasche klemmt ein Brotmesser. Und das alles auf Flugsteig C des Düsseldorfer Flughafens – nach der ersten Sicherheitskontrolle. Viele Passagiere heben gleich in Richtung Vereinigte Staaten ab. Die meisten würden wohl nicht auf die Idee kommen, Pistolen, Messer oder Sprengstoff ins Flugzeug zu schmuggeln. Um aber mögliche Terroristen zu entlarven, kontrollieren Sicherheitsleute USA-Reisende vor dem Abflug noch ein zweites Mal. Ab Donnerstag auch mithilfe von Körperscannern. Nach Frankfurt und Hamburg ist Düsseldorf der dritte Flughafen in Deutschland , der auf die neue Technik setzt. Unsere Zeitung hat sich durchleuchten lassen und zeigt im Selbstversuch: Vor nackten Tatsachen braucht sich niemand zu fürchten.

Raumschiff oder Glasfahrstuhl?

Wuchtig kommen sie schon daher, die beiden Scanner. Sie wirken futuristisch. Der eine würde sie mit „moderne Duschkabine“ umschreiben, ein Polizei-Sprecher denkt ans „Raumschiff Enterprise“. Die Kapseln ähneln einem kleinen, gläsernen Fahrstuhl, wirken klobig und grau.

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In NRW sind die Körperscanner die ersten an einem Flughafen. Gesundheitsgefahr besteht laut Angaben der Bundespolizei nicht, wenn gleich es auch noch nicht viele Erfahrungswerte mit diesen Geräten gibt.

„Mit den Körperscannern beschleunigen wir die Abfertigung, wahren aber gleichzeitig die Intimsphäre“, erklärt Christoph Blume, Sprecher der Flughafengeschäftsführung, welche Vorteile die Anschaffung aus Sicht des Airports hat. Aber ist das für den Passagier überhaupt angenehm und unschädlich?

Mulmig ist ihm jedenfalls schon, wenn er auf Bitte des Sicherheitspersonals in die Kapsel steigt. Besonders mit dem Wissen, ein illegales Butterfly-Messer im Socken stecken zu haben. Jacke, Gürtel und Tascheninhalte landen vorher in einer Plastik-Box. Der schwarzgeriffelte Gummi-Boden weist den Weg: Zwei knallgelbe Fußabdrücke zeigen, wo die Füße hingehören. Und Hände hoch! Wie bei einer Abklatsch-Bewegung streckt man die Finger über den Kopf, damit alle Stellen des Körpers sichtbar werden.

"Die Technik ist schwer zu erklären"

„Nicht bewegen“, schallt es von draußen her – ein Summen ertönt und der Passagier ist entblößt; zumindest ein bisschen.

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Als 2010 der erste sogenannte Nacktscanner am Hamburger Flughafen getestet wurde, war die Aufregung groß. Politiker und Vertreter der Kirchen und Gewerkschaften kritisierten die vermeintliche Verletzung der Intimsphäre. Nun kommt auch in NRW ein Körperscanner zum Einsatz - am Flughafen Düsseldorf.

Per „Millimeterwellentechnik“ spürt der Scanner fast jeden Gegenstand am Körper auf. Für die Sicherheitsexperten besonders wichtig: Jetzt erkennen sie auch alles, was nicht aus Metall besteht, zum Beispiel Keramikmesser oder Sprengstoff. Die Bundespolizei gibt selber zu: „Die Technik ist schwer zu erklären.“ Sie nutze unter anderem die Wärme des menschlichen Körpers. „Das Bundesamt für Strahlenschutz hat keine Gefährdungen festgestellt“, beteuert Thomas Hermsen von der Bundespolizei. Nach derzeitigem Wissenschafts-Stand sei die Nutzung unbedenklich.

Nur ein Strichmännchen

Nach drei Sekunden ist alles vorbei. Das Ergebnis der Wellen-Bestrahlung prangt jetzt draußen an einem Bildschirm. „Es handelt sich um rein grafische Bilder“, sagt Sprecher Blume.

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Einsatz von Körperscannern zunächst gestoppt

Die am Hamburger Flughafen erprobten elektronischen Körperscanner werden zunächst nicht weiter eingesetzt: die Fehlerquote ist zu hoch. Grundsätzlich halte man aber an den Scannern fest, wenn die Software in der Lage ist, die Fehler auszusortieren.

Gelbe Pakete an einem Strichmännchen (nicht wirklich nackt!) zeigen, wo der Passagier möglicherweise gefährliche Gegenstände versteckt. Erscheint kein grünes „OK“, muss er zum Abtasten.

Wäre das hier ein echter Flug, ginge es also zum Rapport – Brot- und Klappmesser sind enttarnt. Statt in den USA würde diese Reise dann in Handschellen auf der Wache enden.

Arne Schleef



Kommentare
23.05.2013
08:26
In Düsseldorf geht der Halbnackt-Scanner in Betrieb
von sancho85 | #3

Als jemand der schon ein paar mal durch diese Dinger laufen durfte (AMS, ATL, JFK...)mal ein paar Eindrücke und Aufklärungen:

1. Man MUSS nicht durch diese Scanner gehen wenn man nicht möchte, bzw. man hat das Recht dieses Screening zu verweigern und sich klassisch manuell abtasten zu lassen. (Ob diese Untersuchung genauer ist oder dann extra genau durchgeführt wird ist eine andere Sache, ich habe keinen gesehen, der nicht durch die Scanner gegangen ist...und ob meine Privatsphäre geschützter ist, wenn da ein wildfremder an mir rumtastet?)

2. Der Zeitvorteil ist subjektiv schon ordentlich, eben weil nach dem Scan nur noch evtl. angezeigte Bereiche per Hand nachgescannt werden und eben nicht der ganze Körper. (In DUS nimmt mans mitunter sehr genau und scannt nochmal per Metalldetektor nackte Fußsohlen ab...was hofft man da zu finden?)

3. Prothesen, Gelenke etc. sind vorher auch schon aufgefallen, oder glaubt irgendjemand dass sowas nicht von einem Metalldetektor angezeigt wird?

22.05.2013
23:39
In Düsseldorf geht der Halbnackt-Scanner in Betrieb
von bion | #2

Das ist nachwievor ein Nacktscanner, der mittels Computerprogramm aus einer Nacktaufnahme ein Strichmännchen erstellt. Sichtbar gemacht werden Herzschrittmacher, künstliche Hüft- und Kniegelenke, Nägel und Schrauben durch Knochenbrüche, sämtliches Metall im Kiefer, künstliche Darm- und Blasenausgänge und auch die um den Hals getragene Kette.
Nach außen soll die Intimsphäre gewahrt bleiben, aber ohne das nackte Bild des Passagiers ist das Strichmädchen nicht machbar. Wo kommt der Scanner eigentlich her? Es waren mal viele für Brüssel angeschafft worden, ihre Verwendung wurde abgelehnt, verstauben sie immer noch im Keller, oder haben sie ihren Weg nach Düsseldorf gefunden?

22.05.2013
22:24
Was soll denn jetzt schon wieder ein "Halbnackt-Scanner" sein?
von piwi | #1

Nacktscanner jetzt einfach Körperscanner oder sonstwie zu nennen, ist ein schlechter Witz. Es sind die gleichen Geräte. Der einzige Unterschied besteht darin, dass das gescannte Bild des Menschen durch eine Software in eine Grafik umgewandelt und dann erst dem Kontrolleur angezeigt wird. Wie lange das ursprünglich gescannte Nacktbild (was ebnfalls "rein grafische Bilder" sind - nur eben seeehr deutlich) gespeichert bleibt, ist nicht überprüfbar.
Insgesamt ist die Verwendung der Nacktscanner für viele eine erniedrigende und demütigende Prozedur. Terroristen werden immer andere Wege finden, um Waffen oder Sprengstoffe an Bord zu schmuggeln. Was bleibt ist eine menschlich erniedrigende Technologie, durch die sich Menschen mit Prothesen bloßstellt fühlen könnten und die Anhänger verschiedener Religionen in große Gewissenskonflikte stürzt. Ein echter Sicherheitsgewinn ist durch die Nacktscanner bis heute nicht nachgewiesen!

1 Antwort
In Düsseldorf geht der Halbnackt-Scanner in Betrieb
von Jorgel | #1-1

Wie auch, wenn sie bisher kaum im Einsatz waren?

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