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In Dinslaken löst ein Kreativ-Quartier den Bergbau ab

13.09.2012 | 22:48 Uhr
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In Dinslaken löst ein Kreativ-Quartier den Bergbau ab
So präsentierte sich die Zeche Lohberg vor einigen Wochen bei der „Extraschicht“. Auf dem eingeebneten Bereich (links) soll der Bergpark entstehen.Foto: Hans Blossey

Dinslaken.   Künstlerateliers, ein innovatives Wohnquartier, ein Park mit Open-Air-Bühnen: Sieben Jahre nach Ende des Bergbaus startet im Dinslakener Stadtteil Lohberg in eine neue Zukunft. Im derzeit sich im Bau befindenden Bergpark wird es ebenso künstliche Seen geben wie Open-Air-Bühnen.

Arbeiten im Kreativ.Quartier, Wohnen mit Niedrigenergie – und dazwischen der Bergpark, ein Naherholungsgebiet, das nicht nur die vielzitierte grüne Lunge, sondern gleich das Herz des gesamten Areals ist. Diese ehrgeizigen Pläne verfolgen die Stadt Dinslaken und die RAG Immobilien seit dem Ende des Bergbaus im Stadtteil Lohberg im Jahre 2005. Das Zechengelände (Gesamtfläche: 38 Hektar) sollte weder über Jahre als Brache vor sich hindämmern noch häppchenweise mal mehr und mal weniger effektiv umgenutzt werden. Stattdessen entschloss man sich, auf dem Areal alles zu vereinen, das Schlagworte für die Zukunft in Greifbares verwandeln kann: Innovation, Kreativität, erneuerbare Energien, Renaturierung. Seit 2010 werden in einem ersten Schritt die denkmalgeschützten Gebäude des ehemaligen Bergwerk Lohbergs von Künstlerinnen als Ateliers genutzt.

Als Nächstes heißt es Abschied nehmen von der Schwarzkaue aus den 70er-Jahren. Sie weicht bis Januar dem geplanten Lohbergcorso: Eine weite Allee für Fußgänger und Radler entlang der alten Zechenbahntrasse, die an ihren weitläufigsten Stellen 25 Meter breit wird und in einigen Jahren vom nördlich von Dinslaken gelegenen Naherholungsgebiet Tenderingsseen durch den Bergpark bis zum Emscherlandschaftspark führen soll.

Auf dem ehemaligen Zechengelände soll ein sogenannter „Plus-Energie-Standort“ entstehen

Das Kreativ.Quartier.Lohberg im Süden des Areals, die Haldenlandschaft und ein neu zu schaffendes Wohngebiet im Norden und dazwischen der künstlich angelegte Bergpark: Dieses dreiteilige Konzept nimmt nun Gestalt an. Im derzeit sich im Bau befindenden Bergpark wird es ebenso künstliche Seen geben wie Open-Air-Bühnen. Er richtet sich an Radfahrer nach Feierabend und an Schulklassen und Kindergartengruppen, die in speziell dafür angelegten Lehrbiotopen Natur erkunden sollen. Dazu gibt es Picknickplätze, Sportanlagen und Orte zum Chillen. Die Bezirksregierung Münster hat jetzt grünes Licht für die Fördergelder gegeben. Mehr als vier Millionen Euro werden für den Park fließen.

Nichts auf dem Projektgelände, das nicht durch eine übergeordneten Idee geprägt ist: Der Bergpark als Herz des neuen Areals vereinigt gleich alles, was Lohberg zuletzt beim Urban Climate Dialogue in Arlington, USA zum beachteten Impulsgeber machte. Dafür sorgen nicht allein erneuerbare Energien, die beispielsweise durch den Bergsee gespeist werden sollen. „Alleine aus energiepolitischer Sicht hat das komplette Areal unglaubliche Potenziale“, schwärmt Dinslakens Bürgermeister Michael Heidinger, und zählt Sonne, Wind, Grubenwasser, Grubengas, Erdwärme und Holz als mögliche Energiequellen auf. Unterm Strich soll auf dem ehemaligen Zechengelände ein sogenannter „Plus-Energie-Standort“ entstehen, auf dem mehr Energie gewonnen als verbraucht wird. Und alles soll sich harmonisch einfügen: Der Düsseldorfer Künstler und Kurator Markus Ambach hat eine „Choreografie der Landschaft“ entwickelt, in der sich namhafte internationale Künstler mit der Geschichte und der Zukunft des Ortes auseinandersetzen.

Kunst und Natur im Einklang

Von 2013 an werden im Bergpark kleine Landmarken und im Zusammenklang von Kunst und Natur gestaltete Orte Seite an Seite mit Projekten verwirklicht , die gemeinsam mit den Einwohnern von Lohberg entwickelt werden. Idee ist es, nicht einem fertigen Park Kunstwerke aufzupfropfen, sondern wie in der Gartenarchitektur vergangener Jahrhunderte Kunst und Natur im Einklang entstehen zu lassen. Aus Zechentagen erhalten bleiben der Wasserturm, ein Teil der Zechenmauer aus Backstein und das alte Büdchen, das als Kunstkiosk 422 seit zwei Jahren über die Stadtgrenzen hinaus Beachtung findet.

Bettina Schack

Kommentare
16.09.2012
06:18
In Dinslaken löst ein Kreativ-Quartier den Bergbau ab
von Din-Boy | #2

Ich finde das ne super sache, nur dan muss auch das andere in Lohberg sich verbessern es sieht verkommen aus. Die VIVA West ist ne Pest die machen nix die Haüser brauchen mal nen Anstrich sieht man die Hünxer Straße richtung Hünxe Bruckhausen. Da wird ein schlecht wie verkommen es da aussieht..

15.09.2012
22:04
Quantität vor Qualität?
von SoerenHL | #1

Eins fällt auf: Wo im Ruhrgebiet die Arbeit geht, kommt entweder noch irgendein Bau-/Supermarkt oder eben irgendwas mit Kunst und Freizeit hin. Nur wozu braucht man das ohne Arbeit, wenn man sich die Miete nicht leisten kann oder sowieso immer Freizeit ist?

Es gibt mittlerweile so viele Künstlerzechen und sog. Kreativ-Quartiere, dass die Qualität auf der Strecke zu bleiben scheint. Nicht alles was man auf Lohberg sieht ist Kunst und nicht jeder der sich für einen Künstler hält, ist auch wirklich einer. Diese Maßstäbe scheinen immer weniger zu gelten, wenn man heute als Stadt eine Zeche "ans Bein gebunden" bekommt. Dabei kann man auch sinnvoll erhalten und muss nicht jeden stolzen, altehrwürdigen Zechenbau mit Firlefanz vergewaltigen.

Das Ruhrgebiet braucht vielleicht eine neue IBA Emscherpark. Damals hatte man noch wirklich gute Ideen und viel gutes auf den Weg gebracht. Heute sieht man im Bereich der Industriekultur fast nur noch lieblosen Murks, Totalabrisse oder Millionengräber.

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