In der Wüste wird nicht geschunkelt

Widerstand ist jetzt zwecklos. Das wissen auch die Bürgermeister, die heute nur kurz und nur zum Schein so tun, als ob sie den Rathausschlüssel nicht rausrücken würden. Gegen die Karnevalisten ist jetzt kein Kraut gewachsen. Wer nicht mitfeiern mag, fährt am Besten weit, weit weg. Vielleicht in die Sahara. Ein Reiseportal im Internet weiß Rat: „Je weniger Menschen an meinem Reiseziel wohnen, desto unwahrscheinlicher ist es, den Jecken über den Weg zu laufen.“

Bei uns in der Gegend wohnen ziemlich viele Leute, und weil der Rhein fast nirgends sehr weit weg ist, wird um uns rum geschunkelt und gebützt und getrunken und gelacht, wie man es von einem Rheinländer erwarten kann. Und es wird geflirtet. Jeder vierte Mann mag am Karneval besonders die Freizügigkeit. Und weil das laut Umfrage jede achte Frau auch so sieht, ergibt sich eine ausreichend große Schnittmenge für amouröse Abenteuer.

Aber was macht man, wenn sich der Cowboy und das Funkenmariechen am Morgen danach nicht als Traumprinz oder Prinzessin entpuppen? „Gehen Sie auf Distanz“, rät Beziehungscoach Dominik Borde aus Wien: „Man sollte noch einen Frühstückskaffee anbieten und sich höflich für die Zeit bedanken.“ Als wenn wir am Rhein Rat von der Donau bräuchten. Wir haben doch den Jupp Schmitz. Und der hat schon vor 62 Jahren getextet: „Am Aschermittwoch ist alles vorbei...“