Hoffnung für die Artenvielfalt

An Rhein und Ruhr.. Wenn sie ihr Maul ganz weit aufreißt und dabei diesen bedrohlichen Blick aufsetzt, dann möchte man der Wildkatze vielleicht nicht zu nahe kommen. Aber will sie das denn überhaupt? „Die ist ganz scheu und meidet Menschen. Ihr Interesse an der Gartenlandschaft ist sehr niedrig“, erklärt Holger Sticht, Landesvorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND).

Plötzlich auf der Terrasse stehen wird die Wildkatze also voraussichtlich nicht. In unsere Nähe gerückt ist sie aber schon. Der BUND hat im Lohmarer Wald, östlich von Köln, genetische Spuren von Wildkatzen entdeckt. Wie viele Individuen es sind, das kann Holger Sticht noch nicht sagen. Dafür fehlen noch einige Analysen. Der Experte geht aber von zwei bis vier Wildkatzen aus. „Diese Entdeckungen sind ein Hoffnungsschimmer für uns. Es beweist, dass wir den Rückgang der biologischen Vielfalt eventuell umkehren können“, sagt Holger Sticht.

Jäger hatten sie ausgerottet

Schon 2012 hatten Forscher im Kottenforst, also linksrheinisch, die Verbreitung feststellen können. Im vergangenen Jahr machten sie sich auf rechtsrheinischer Seite auf die Suche. Und tatsächlich: Im Lohmarer Wald haben sie Haare von Wildkatzen finden können.

Erst vor wenigen Tagen der Wolf, jetzt die Wildkatze – warum werden auf einmal Tiere in Nordrhein-Westfalen wieder heimisch? „Wir haben einige Schutzmaßnahmen getroffen. Mit zeitlicher Verzögerung wirken diese jetzt“, erklärt Holger Sticht. So habe der BUND Lebensräume für die Wildkatzen wieder ansprechend gestaltet. Die Tiere verlangten viel Deckung und Unterschlupf. Die Übergänge zwischen einzelnen Wäldern seien deshalb fließender gestaltet worden.

Mit Büschen und Hecken habe man eine dichtere Struktur geschaffen, die es der Wildkatze möglich macht sich auszubreiten. Zum anderen versuche der BUND alte Bäume mit Hohlräumen zu schützen. In diesen verkrieche sich die Katze gerne, auch um ihre Jungen großzuziehen.

Ganz ausgerottet war die Wildkatze in NRW nie: In der Eifel hat sie überlebt. Ursprünglich war sie aber flächendeckend in unseren Wäldern zu finden. „Die Jagd hatte sie fast komplett ausgerottet. Man hat der Katze unterstellt, es auf jagbare Tiere abgesehen zu haben. Damit war sie eine Konkurrenz für alle Jäger. Dabei ist die Wildkatze eigentlich nur hinter Mäusen her.“ Sticht hofft, dass ein neues Landesjagdgesetz es der Wildkatze nun leichter machen wird, sich langfristig auszubreiten. Momentan ist die Wildkatze im Jagdgesetz noch unter den jagbaren Arten aufgeführt. Allerdings steht sie unter einer ganzjährigen Schonzeit. Auf wildernde Hauskatzen aber darf geschossen werden. Holger Sticht wünscht sich, dass die Wildkatze komplett von der Liste verschwindet, und auch der Abschuss von Hauskatzen verboten wird. Beides sieht der Entwurf zum neuen Gesetz auch vor. „Dann kann ein Jäger, der eine Wildkatze tötet, nicht mehr das Argument bringen, er habe sie für eine wildernde Hauskatze gehalten.“

Ob sich die Wildkatze hier bei uns langfristig zu Hause fühlt, kann er noch nicht vorhersagen. Das hänge von weiteren Maßnahmen ab. Das Straßennetz berge eine große Gefahr für die Tiere. Hier müssen Bereiche eventuell durch Grüntunnel oder -brücken verbunden werden. „Bis zur Rhein-Ruhr-Schiene wird sie es aber definitiv nicht schaffen. Dieser Raum ist viel zu dicht besiedelt“, so der Experte.

Eventuell könnte uns aber schon bald noch jemand besuchen kommen oder aber NRW zu seinem neuen Wohnsitz machen. Gesichtet worden ist er schon in Mecklenburg-Vorpommern. Laut Holger Sticht könnte er der dritte Rückkehrer sein: der Elch.