Hochzeitsreise, Kunsttreffen, Geburtstagswochenende

An Rhein und Ruhr..  Die Zahl der deutschen Opfer ist mit 72 höher als am Unglückstag angenommen. Mehr als 50 der 150 Opfer kommen aus NRW, nur nach und nach werden ihre Geschichten bekannt.

Eine 38-jährige Dinslakenerin und ihr Bruder sollen die Reise ihren Eltern schon im vergangenen Jahr geschenkt haben. Doch die Mutter starb in der Zwischenzeit, und die Tochter begleitete den Vater (66) an ihrer statt. Der Anlass war sein Geburtstag am 21. März. Dinslakens Bürgermeister Dr. Michael Heidinger äußerte sich gegenüber der NRZ bestürzt. „Auch wenn unsere Stadt nicht solch einen Schicksalsschlag erlitten hat wie die Gemeinde Haltern, so ist die Nachricht vom Tod der jungen Frau aus Dinslaken auch für unsere Stadt unendlich schmerzhaft.“ Sein tief empfundenes Mitgefühl gelte in diesem Moment allen Angehörigen der vielen Opfer und den Hinterbliebenen sowie dem Freundeskreis der Verstorbenen in dieser Region.

Drei Opfer stammen aus Dortmund: Maik K. war als Flugbegleiter eingesetzt und stand kurz vor dem Abschluss seiner Ausbildung zum Verkehrspiloten. Das bestätigte das Mallinckrodt-Gymnasium, wo er 2010 sein Abitur ablegte. Er soll sich schon als Schüler sehr für die Fliegerei interessiert haben.

Das Ehepaar Sabine und Manfred J. saß bis 2014 für die Grünen in der Bezirksvertretung von Dortmund-Mengede. Manfred J. war auch freier Künstler und arbeitete als Dozent an der Fachhochschule. Auch seine letzte Reise galt der Kunst: Das Paar war zu einem Treffen des Künstlerbundes Schlaraffia Truymannia nach Barcelona gereist. Es dauerte eigentlich einen Tag länger, aber die beiden verkürzten, um rechtzeitig zum Geburtstag ihrer Mutter wieder daheim zu sein.

Jürgen und Claudia D. aus Mülheim – „ein Paar im besten Alter“, sagen Freunde – hatten ein langes Wochenende in Barcelona verbracht. Der Fotograf und seine Frau hatten den Verein Art Obscura, ein integratives Kulturprojekt, mitbegründet. Auch eine junge türkische Frau aus Styrum war auf dem Flug.

Ein marokkanisches Ehepaar aus Duisburg-Hochfeld ist ebenfalls tot; ob es sich um das Paar handelt, das laut der französischen Zeitung „Le Figaro“ erst vor drei Tagen geheiratet hatte, ist nicht bestätigt.

Der Pilot selbst stammt aus Düsseldorf-Gerresheim. Insgesamt beklagt die Stadt wahrscheinlich zehn Opfer. Neben dem Opernsänger Oleg Bryjak (Bericht auf Kultur), auch eine Mitarbeiterin der Arbeiterwohlfahrt und eine Angestellte des Henkel-Konzerns. Bryjaks Kollegin Maria Radner, ihr Mann und ihr Kind lebten in Wuppertal.

Auch bei Thyssen-Krupp trauert man um einen Mitarbeiter, Herkunft unklar. Ebenso bei Bayer in Leverkusen. Zwei Mitarbeiter von Kao Chemicals aus Emmerich sind gestorben, ebenso ein Ehepaar aus Neuss: Er arbeitete als Taxifahrer und Fußballtrainer.

In Meerbusch hinterlässt ein Ehepaar ein Mädchen im Grundschulalter und einen Jungen an einer Gesamtschule. Fünf Todesopfer sollen aus Porta Westfalica kommen.

Weitere Opfer stammen aus Rheinland-Pfalz (4), Niedersachsen (2), aus Spanien (etwa 35), Großbritannien (3), Kasachstan (3). Aus Australien, Argentinien und Iran, Japan, Kolumbien und Venezuela kommen je zwei Opfer. Je ein Opfer stammte aus den Niederlanden, Dänemark, Belgien, Türkei, Marokko, Mexiko und Israel.